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Landesbank-Privatisierung

Verkauf der HSH Nordbank ist vollzogen

Ende eines desaströsen Kapitels deutscher Bankengeschichte: Die HSH Nordbank wurde an Investoren verkauft. Hamburg und Schleswig-Holstein beenden damit ihre Beteiligung an der HSH Nordbank. Die Bank soll künftig unter dem Namen Hamburg Commercial Bank AG firmieren.

Nach Information des Hamburger Senats und der HSH Nordbank wurde am 29. November 2018 der der bereits am 28. Februar dieses Jahres geschlossene Kaufvertrag zwischen Käufern und Verkäufern vollzogen. Demnach hat die HSH Beteiligungs Management GmbH die von ihr gehaltenen Aktienanteile an der Bank (94,9 Prozent) an mehrere unabhängige Investoren übertragen. Der Kaufpreis beträgt rund eine Milliarde Euro. Käufer sind Cerberus Capital Management LP, J.C.Flowers &Co. LLC, GoldenTree Asset Management LP, Centaurus Capital LP sowie BAWAG P.S.K beziehungsweise von diesen initiierte Fonds. Parallel erwarben die neuen Anteilseigner die übrigen 5,1 Prozent und halten damit 100 Prozent der Aktien an der HSH Nordbank AG.

Rechte und Pflichten gehen an neue Eigentümer über

Sämtliche für das „Closing“ (Abschluss) notwendigen Voraussetzungen seien zuvor erfüllt worden, heißt es. Zuletzt habe die Europäische Kommission am 26. November grünes Licht gegeben. Die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein beendeten damit ihre mittelbare Beteiligung an der HSH Nordbank. Alle Rechte und Pflichten gehen an die neuen Eigentümer über.

„Angesichts der milliardenschweren Belastungen, die die HSH Nordbank verursacht hat, ist der heutige Verkauf für Hamburg und Schleswig-Holstein wahrlich kein Tag zum Jubeln, aber doch ein Tag der Erleichterung“, sagte Hamburgs Finanzsenator Dr. Andreas Dressel. In Abwägung aller Szenarien sei dieser Schritt der richtige – auch und gerade für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Alle Beteiligten hätten in den letzten Monaten mit großer Sorgfalt die noch ausstehenden Punkte im Privatisierungsprozess abgearbeitet. Das gesamte Verfahren sei dabei getragen worden von einer engen und sehr vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Schleswig-Holstein. „Jetzt richten wir den Blick nach vorne: Wir hoffen, dass die Bank auch in neuer Eigentümerschaft ein wichtiger Finanzmarkt-Akteur im Norden bleibt – im Interesse der Wirtschaft in Hamburg und Schleswig-Holstein, aber auch im Interesse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die der Weg nicht einfach war und bleiben wird“, so Dressel weiter.

Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold: „Heute ziehen wir den Schlussstrich unter ein langes wie schmerzhaftes Kapitel. Durch eine verantwortungslose Expansionsstrategie und eine lange Kette von Fehlern ist aus einer kleinen Landesbank ein Milliardengrab geworden. Den Preis dafür zahlen die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler sowie viele Beschäftigte der HSH Nordbank. Im engen Schulterschluss mit unseren Hamburger Partnern ist es uns gelungen, den Verkaufsprozess erfolgreich abzuschließen und damit einen kleinen Teil zur Schadensminimierung beizutragen.“

Hoher Preis für die Steuerzahler

Die Belastungen aus der Beteiligung an der HSH Nordbank werden noch längerfristig Auswirkungen auf beide Länderhaushalte haben.

Dressel: „Wir können heute einen ersten Schlussstrich ziehen – denn es kommen jetzt keine neuen Risiken und neue Belastungen hinzu. Aber wir werden an den Verlusten der Sunrise Garantie, der Abrechnung der beiden Anstalten HSH Portfoliomanagement und HSH Finanzfonds sowie der bis 2041 laufenden Gewährträgerhaftung noch lange zu knabbern haben. Das alles bleibt als Mahnmal für riskante und verantwortungslose Finanzpolitik noch lange in unseren Büchern. Diese milliardenschweren Belastungen wiegen schwer. Aber der heutige Schritt ist gleichzeitig ein Schritt zur Risikominimierung: Der beste Schutz gegen die Inanspruchnahme aus der Gewährträgerhaftung ist eine funktionierende und stabile Bank, weshalb wir zuversichtlich sind, diese verbleibenden Lasten in Höhe von bis zu einer Milliarde Euro nicht mehr tragen zu müssen. Bei einer sofortigen Abwicklung hätte sich dieses Risiko sofort realisiert.“

Heinold: „Wenn wir die Einnahme aus dem Verkauf abziehen, schließen wir das Kapitel HSH Nordbank mit einem Verlust von 5,5 bis 7 Milliarden Euro für die schleswig-holsteinischen Steuerzahler ab. So ein Desaster darf sich nicht wiederholen.“

Erste privatisierte Landesbank in Deutschland

Die HSH Nordbank AG will nun als erste privatisierte Landesbank in Deutschland in die Zukunft starten. „Dieser erfolgreiche Wechsel von öffentlichen zu ausschließlich privaten Anteilseignern ist echtes Neuland im deutschen Bankensektor und markiert den Beginn einer neuen Zeitrechnung für unsere Bank. Mein Dank gilt unseren bisherigen Anteilseignern, Hamburg und Schleswig-Holstein, die den Verkauf stets professionell und zielstrebig vorangetrieben haben. Und natürlich danke ich der gesamten Belegschaft, ohne deren unermüdlichen Einsatz wir diese Erfolgsgeschichte nicht hätten schreiben können,“ sagte Stefan Ermisch, Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank. „Wir werden eine mittelständische Geschäftsbank aus Hamburg für Deutschland mit ausgeprägter Kundenorientierung und sind bereit für einen Neuanfang.“

Für die tiefgreifende Transformation der Bank in den kommenden Jahren gebe es eine Reihe von Leitplanken. Dabei hat die Bank nach eigenen Angaben einen klaren Anspruch: Bis Ende 2021 soll die Eigenkapitalrendite vor Steuern mindestens acht Prozent betragen, die harte Kernkapitalquote 15 Prozent oder mehr, sowie die Cost-Income-Ratio höchstens 40 Prozent. Dann könne der nahtlose Übergang in den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) gewährleistet werden. Um die erforderliche Profitabilität zu erreichen, will die Bank künftig ihre zentralen Geschäftsbereiche weiter betreiben, allerdings mit einem schärferen Fokus, sowie insgesamt differenzierter und effizienter im Einsatz ihrer Ressourcen. Gleichzeitig werde die Bank ihr Finanzierungsgeschäft für Immobilien und Erneuerbare Energien international mit Augenmaß ausbauen, heißt es.

Neuer Aufsichtsratschef und neuer Firmenname

Neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Juan Rodriguez Inciarte, ein international sehr erfahrener Banker mit herausragender Expertise, der unter anderem erfolgreich bei der spanischen Santander-Gruppe tätig war. „Für mich ist es eine große Ehre und Freude, den neuen Aufsichtsrat der Bank zu leiten. Mit dem nun vollzogenen Eigentümerwechsel ist das erste Etappenziel erreicht. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Gerne werde ich, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen des Kontrollgremiums, den Vorstand bei der erfolgreichen Umsetzung der Geschäftsstrategie begleiten“, sagte Juan R. Inciarte.

Vorbehaltlich der Eintragung in das Handelsregister wird die Bank voraussichtlich ab Februar 2019 unter Hamburg Commercial Bank AG firmieren und plant auch ihre Bildmarke zu ändern.

(Redaktion)


 


 

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