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Leser fragen - Peter Hahn antwortet

Zertifikate-Verlust: Beweispflicht und Anlegeranalyse

Im Rahmen unserer Reihe „Leser fragen – Experten antworten“ haben zahlreiche von Ihnen unseren Zertifikate-Experten Rechtsanwalt Peter Hahn darum gebeten, die Aspekte „Beweispflicht“ und „Anlegeranalyse“ näher zu erläutern. Lesen Sie nach, was Sie als betroffener Anleger hierzu wissen sollten.

Wer ist in der Beweispflicht und inwieweit muss der Berater eine Art Anlegeranalyse vor dem Verkaufsgespräch machen?

Was die Beweispflicht betrifft: Hier trägt – zumindest bislang – grundsätzlich derjenige die Beweislast, der eine Pflichtverletzung behauptet, also der Anleger. Wenn folglich ein Wertpapiererwerber behauptet, vor dem Kauf nicht ordnungsgemäß – d.h. nicht anlage- und nicht anlegergerecht – aufgeklärt worden zu sein, so muss er dies beweisen. Dies kann er zum Beispiel durch einen so genannten Zeugenbeweis tun.

Falls kein Zeuge bei den Verkaufsgespräch anwesend war – außer dem Bankmitarbeiter, der wahrscheinlich nicht neutral ist –, kann der Anleger seine Schadensersatzansprüche zum Beispiel an den Ehepartner abtreten und sich dadurch selbst in die Position eines Zeugen bringen.

Die Bundesregierung plant im Übrigen, eine Beweislastumkehr einzuführen; diese würde allerdings nur für zukünftige Fälle gelten.

Was die Anlegeranalyse vor dem Verkaufsgespräch betrifft, so ist der Bankmitarbeiter gem. §§ 32 ff. WpHG (Wertpapierhandelsgesetz) grundsätzlich dazu verpflichtet, eine Analyse der finanziellen Verhältnisse und der Anlageziele des Anlegers zu erstellen. Leider ist es gesetzlich nicht vorgeschrieben, diese Dokumentation anhand eines Wertpapiererfassungsbogens mit Unterschrift des Anlegers vorzunehmen. Der Bankmitarbeiter kann dies formfrei mündlich machen oder später schriftlich festhalten.

Ein seriöses Kreditinstitut wird diese Analyse jedoch schriftlich mit Unterschrift des Anlegers dokumentieren. Gegebenenfalls sollte ein Anleger bei einer neuen Beratung durch die Bank auf diesem Verfahren bestehen. Geht diese auf seinen Wunsch nicht ein, so sollte er dort keine Wertpapiergeschäfte tätigen.

Politisch ist zu fordern, dass die Verwendung eines Wertpapiererfassungsbogens mit anschließender Unterschrift des Kunden vorgeschrieben wird. Diese Forderung wird nunmehr auch gesetzlich umgesetzt.

Haben Sie weitere Fragen zu dem Verlust von Zertifikaten? Stellen Sie diese unserem Experten. Aus allen Einsendungen werden in regelmäßigen Abständen ausgesuchte veröffentlicht.

Füllen Sie dazu das Kontaktformular aus und schreiben Sie uns im Feld „Ihr Anliegen“ Ihre Frage auf. Bei Veröffentlichung wird Ihr Name nicht genannt.

(Peter Hahn)


 


 

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