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Löhne und Gehälter

HWWI-Studie: Frauen in Deutschland verdienen deutlich weniger als Männer

Die Ungleichheit der Löhne zwischen Frauen und Männern in Deutschland liegt derzeit bei 21 Prozent. Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland damit einen negativen Spitzenplatz ein – bloß in drei weiteren Ländern sind die Verdienstunterschiede zwischen beschäftigten Frauen und ihren männlichen Kollegen größer.

Frauen in Deutschland verdienen im Durchschnitt 21 Prozent weniger als Männer. In Europa ist die Lohnungleichheit nur in Estland, Österreich und Tschechien größer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsinstituts (HWWI) im Auftrag der Europäischen Kommission, die im Rahmen der Veranstaltung „Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen in Deutschland“ in der Handelskammer Hamburg am 22. Juni 2016 vorgestellt wurde.

Die Ursachen für die Verdienstungleichheiten ließen sich zu zwei Dritteln mit unterschiedlichen Jobmerkmalen von Männern und Frauen erklären. Dazu gehöre insbesondere ein deutlich höherer weiblicher Anteil an Teilzeitbeschäftigungen sowie eine Konzentrierung von Frauen in eher schlecht bezahlten Berufen in Branchen wie dem Sozial- und Gesundheitswesen. Ein Drittel der Lohnlücke sei dagegen statistisch nicht zu erklären.

„Lohnungleichheit kann Wachstum kosten, deshalb ist das Thema gesamtwirtschaftlich relevant“, sagte Dr. Christina Boll, Forschungsdirektorin des HWWI, bei der Vorstellung der Studie. Diskriminierung lasse sich aus der Statistik allerdings nicht herauslesen. „Wohl aber hilft das Zahlenwerk, die Debatte zu versachlichen und wesentliche Handlungsfelder zu benennen“, so Boll.

Birgitt Ohlerich, Vorsitzende des Verbands deutscher Unternehmerinnen, Landesverband Hamburg/Schleswig-Holstein (VdU), wandte sich gegen einen Gesetzesentwurf von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, der individuelle Auskunftsansprüche und vorgeschriebene Entgeltbewertungsverfahren für die Unternehmen vorsieht. Damit werde nur neue Bürokratie für die Unternehmen aufgebaut, aber keine spürbare Verringerung der statistischen Entgeltlücke erreicht. Ohlerich wörtlich: „Unsere Befürchtung ist vielmehr, dass der soziale Friede in vielen Unternehmen gestört wird. Es gehört nicht zu unserer Unternehmenskultur, Gehälter offen zu kommunizieren. Wenn Gehälter in Stellenanzeigen genannt werden müssen, werden diese zu Lasten mühsam erkämpfter sozialer Komponenten geschönt werden.“

(Redaktion)


 


 

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