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Nach Reparaturpause: Tante Ju auf neuen Höhenflügen

Die alte Dame ist legendär, jeder Flug mit ihr ein Erlebnis. Nach längerer Zwangspause wegen eines komplizierten Bruchs darf die Junkers Ju-52 inzwischen wieder abheben. Auf der Kieler Woche im Juni war „Tante Ju“ gefragter Gast.

Die Ju52 „D-AQUI“ der Deutschen Lufthansa Berlin Stiftung (DLBS) ist nach aufwendiger Reparatur erst kürzlich wieder an den Start gegangen. Am Auftaktwochenende zur Kieler Woche Mitte Juni war das Oldtimer-Flugzeug laut Flughafen Kiel zu insgesamt neun ausgebuchten Rundflügen und sechs Trainingsflügen über Kiel und die Förde abgehoben. Am Sonntagnachmittag ging es dann, ebenfalls ausgebucht, zurück nach Hamburg.

Dass die Ju52 schon zum zweiten Mal nach den achtziger Jahren generalüberholt zu neuen Höhenflügen abheben kann, ist laut Mitteilung der Lufthansa-Group einem Expertenteam von Ingenieuren und Technikern der DLBS und der Lufthansa Technik in Hamburg zu verdanken. Ein komplizierter Mittelholmbruch, aufgetreten im September 2015, habe die aufwendige Reparatur nötig gemacht. Kurz zuvor war die „Tante Ju“ als erstes für den gewerblichen Flugbetrieb zugelassenes historisches Verkehrsflugzeug den Status eines „fliegenden technischen Denkmals“ verliehen worden.

Die lange Zwangspause – auf die komplette Flugsaison 2016 der Ju52 musste schweren Herzens verzichtet werden – wurde von der DLBS genutzt, um der „Grande Dame der Lüfte“ einen wahren „Jungbrunnen“ zu verpassen. So wurde nicht nur einer der acht Mittelholme – eines der wichtigsten Strukturelemente des aus dem Jahr 1936 stammenden Flugzeugs – erneuert. Bei komplett abmontierten Tragflächen wurde auch die eigentlich erst in einigen Jahren notwendige Erneuerung von Flächenholmen vorgezogen.

Auch große Stücke der markanten „Wellblechhaut“ wurden durch neue Teile ersetzt. Die bestand in Wirklichkeit schon immer aus Aluminium, auch schon 1936, als das Flugzeug mit der Luftfahrtkennung D-AQUI von den Dessauer Junkers-Werken an die damalige Lufthansa ausgeliefert wurde. Der Beginn einer für ein Flugzeug beispiellos bewegten bis dramatischen „Lebensgeschichte“: Schon bald wurde die Ju52 nach Norwegen verkauft, wo sie – mit Schwimmern ausgestattet – mehrere Jahre lang für die Flugverbindung zwischen einzelnen Fjorden sorgte.

1984 Aufkauf in Amerika

Nach dem Krieg erlebte das Flugzeug eine wahre Odyssee mit Einsätzen in Süd- und Nordamerika, unter anderem als Verbindungsflugzeug zu Ölbohrercamps im Amazonasgebiet und später als „Iron Lady“ genannte Touristenattraktion auf Flugschauen im amerikanischen Mittelwesten. In erbarmungswürdigem Zustand von Lufthansa-Piloten zufällig auf einem Flugfeld im Süden der USA entdeckt, wurde sie 1984 von der Lufthansa gekauft und „nach Hause“ geholt.

Es folgte eine erste, knapp zwei Jahre dauernde Restaurierung und Totalüberholung bei der Lufthansa Technik in Hamburg. Dabei wurde die Ju52 mit leistungsstarken Kolben-Sternmotoren ausgestattet und technisch so aufgerüstet, dass sie vom Luftfahrtbundesamt für den gewerblichen Luftverkehr selbst unter Instrumentenflugbedingungen zugelassen wurde.

Als die „Tante Ju“ wieder flugtüchtig war, wurde im Juni 1986 unter der Ägide des damaligen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa, Reinhardt Abraham, die Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung ins Leben gerufen. Ihr gemeinnütziger Zweck: „Förderung von Kultur und Wissenschaft durch die Erhaltung historischen Fluggeräts und Vorführung am Boden und im Flug.“

Start ins drittes Leben

Jetzt schenkten die Ju-erfahrenen Ingenieure, Mechaniker und Elektroniker der DLBS, von Lufthansa Technik und Kaelin Aero Technologies dem „fliegenden Denkmal“ ein erneutes Comeback und den Start in ein drittes fliegerisches Leben. Am 9. Mai verließ die „wiedergeborene“ Ju52 erstmals den Wartungshangar für ein „Run-up“, einem Testlauf der Motoren. Es folgten Startläufe auf einer Runway des Hamburger Flughafens mit intensiven Tests von Steuerung, Bremsen, Motoren und Elektronik. Nachdem auch ein erster „Werkstattflug“ reibungslos verlaufen war, flog die Ju52 Mitte Mai – äußerlich noch ein wenig derangiert wegen der vielen mit gelber Rostschutzfarbe bedeckten neuen Teile an Rumpf und Tragflächen – für vier Tage in ein Painthangar im niederländischen Lelystadt. Dort sorgten die holländischen Spezialisten kostenlos dafür, dass das Wellblechkleid der alten Dame jetzt wieder makellos silbrig glänzt.

Die vergangenen Wochen waren ausgefüllt mit intensivem Pilotentraining und weiteren technischen Checks, ehe in der vergangenen Woche bei einem Flughafenfest im Münsterland erstmals nach knapp zwei Jahren wieder glückliche Oldtimerfans als Rundflugpassagiere mit der „Tante Ju“ abheben konnten. In den kommenden Wochen und Monaten wird die Ju52 – entsprechend dem von der DLBS veröffentlichten Saisonflugplan – wieder auf zahlreichen Flugplätzen und bei Flugschauen in ganz Deutschland zu sehen sein. Bei vielen der anstehenden Rund- und Streckenflügen sind in Folge der langen Zwangspause die meisten der 16 Passagierplätze an Bord der Ju52 bereits ausgebucht. Einzelne freie Plätze sind aber immer noch buchbar, auch online unter www.lufthansa-ju52.de.

Langes Leben für „Tante Ju“ vorausgesagt

Und alle, die in dieser Saison nicht mehr zum Zuge kommen, müssen nach Überzeugung von DLBS-Chef Werner Knorr nicht traurig sein. Er ist sich sicher, dass in den nächsten Jahren noch viele Tausend Fluggäste an Bord der verjüngten „Tante Ju“ das faszinierende Gefühl der „Entschleunigung“ erleben werden: „Unsere Ju ist jetzt wieder so fit – die wird auch ihren 100. Geburtstag noch fliegend erreichen!“ Der steht erst im Jahr 2036 an.

(Redaktion / Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung)


 


 

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