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  • 13.02.2020, 07:34 Uhr
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  • Hamburg
Luftfahrt

Wie man künftig fliegt: 105 Ideen aus 21 Ländern

So viele Bewerbungen um den Branchenpreis Crystal Cabin Award wie 2020 gab es noch nie. 105 internationale Innovationen für die Flugzeugkabine schafften es auf die Shortlist der ersten Runde. Auch mehrere Hamburger Unternehmen sind dabei.

Enge Bestuhlung, graue Wände, schlechtes: Fliegen gehört auch 2020 für viele Menschen zum Leben. Komfortabel und nachhaltig ist diese Art des Reisens nicht immer. Wie man die Flugzeugkabine neu erfinden kann, zeigt der internationale „Crystal Cabin Award”.

Der jährliche Wettbewerb um außergewöhnliche Kabinenkonzepte und Bordprodukte wurde vom Luftfahrtcluster Hamburg Aviation ins Leben gerufen. Am 31. März 2020 vergibt eine Expertenjury die Auszeichnung im Rahmen der Weltleitmesse Aircraft Interiors Expo in Hamburg zum 14. Mal an die Finalisten in acht Kategorien: Kabinenkonzepte, Kabinensysteme, Inflight Entertainment und Connectivity, Grünere Kabine/Gesundheit/Sicherheit und Umwelt, Materialien & Komponenten, Passagierkomfort-Hardware, Universität sowie Visionäre Konzepte.

Zu den Bewerbern gehören Airlines, Zulieferer, Universitäten und namhafte Flugzeughersteller – darunter auch Unternehmen aus Hamburg. Einige Beispiele aus der Mitteilung von Hamburg Aviation ...

Konzepte für Kabinenaufteilungen

Wie man das Kabinenlayout revolutionär neu denken könnte, zeigen gleich mehrere Einreichungen der diesjährigen Shortlist. Warum die Kabine nicht einfach spontan neu konfigurieren, Flug für Flug? Geht es nach Dubai Aviation Engineering Projects, können mit der Retractable Aircraft Cabin im Rahmen der Bodenabfertigung ganze Zimmer in die Kabine geschoben werden – vom Restaurant bis zum Spa.

Flexible Kabinenkonfiguration auch bei Airbus: Der Flugzeugbauer stellt mit seiner „Cabin Vision 2030“ eine Erweiterung seines „Airspace“-Konzepts vor, das die Kabine mit flexibleren Sitz- und Schlafkonfigurationen sowie Lounges mit auswechselbaren Modulen ausstattet. Im Coffee-Shop arbeitet es sich besser als im Flugzeug?

Luxusklasse: Auch Flug-Taxen bekommen ihr Kabinenkonzept

Erstmals eingereicht beim Crystal Cabin Award: ein Kabinenkonzept für „Vertical take-off and landing-(VTOL)-Flugzeuge. Der französische Luftfahrtkonzern Safran liefert in Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen Uber ein Vierersitz-Layout für den achtminütigen City-Flug im elektrischen Drohnen-Taxi.

Mehr Bequemlichkeit in der Economy Class

Das Hamburger Unternehmen Heinkel präsentiert einen Mechanismus, der die Flugzeugsitze drehen lässt. Dadurch können sich zukünftig Vierergruppen in der „Flex Lounge“ gegenübersitzen.

Shortlist-Anwärter Adient, mit Sitz in Irland, verleiht der Sitzreihe hinter der Trennwand zur Business Class, die oft von Familien genutzt wird, einen neuen Ausfahrmechanismus, so dass eine ganze Liegewiese für Eltern und Kinder entstehen kann.

Emirates schickt den Eco Seat ins Rennen. Während das Sitzgewicht deutlich reduziert wird, sollen Sitzkomfort und Beinfreiheit im Gegensatz zu früheren Generationen erhöht werden.

Ideen für eine „grünere” Kabine

Expertenschätzungen zufolge ist allein die Flugzeugkabine für etwa fünf bis zehn Prozent des CO2-Ausstoßes eines Flugzeugs verantwortlich. Umso zukunftsrelevanter sind auch 2020 die Ideen für eine „grünere Kabine“ wie die „Greywater Reuse Unit“ der in Nürnberg ansässigen Diehl Aviation. Sie verwendet anstelle von kostbarem Trinkwasser Handwaschwasser aus dem Waschbecken für die Toilettenspülung. Ergebnis: Eine Boeing 787 könnte zukünftig bis zu 550 Tonnen CO2 pro Jahr und Flugzeug einsparen.

Weniger Umweltbelastung dank Treibstoffeinsparung setzt sich auch Comprisetec aus Stade bei Hamburg zum Ziel. Sie entwickelten eine Catering-Standard-Unit aus recycelten Kohlenstoff- und Glasfasern. Die Boxen zum Aufbewahren der Bordverpflegung sind normalerweise aus Aluminium gefertigt und werden durch die neuartige Verbundkonstruktion leichter.

Neue Ansätze für Familien und Menschen mit Behinderung

Für Familien mit kleinen Kindern und körperlich eingeschränkte Passagiere ist Fliegen immer noch eine Herausforderung. Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) entwickelte mit Isotravel einen Adapter, der sich der bewährten Isofix-Technik bedient und es ermöglichen könnte, den eigenen Kindersitz fürs Auto sicher in der Flugzeugkabine zu befestigen.

Den Economy-Sitz in eine kinderfreundliche Umgebung verwandeln möchte auch das Schweizer Unternehmen Aircraft Innovations. Ihr „Junior Comfort Seat“ besteht aus einem aufblasbaren Element, dass das Kind vom Sturz in den Fußraum schützt.

Der „Row 1 Aircraft Wheelchair“ von Produktdesignerin Ciara Crawford erspart es dem gehbehinderten Passagier, dass er zwischen Gate und Kabine den Rollstuhl wechseln muss – dieser lässt sich einfach über den Flugzeugsitz schieben.

Weitere Innovationen befassen sich mit der Verbesserung des Schlafs während des Flugs. Auch für die Bordunterhaltung unter Einsatz modernster Technologie werden Innovationen vorgestellt, etwa das Bluetooth Audiosystem des britischen Komponentenherstellers IFPL und die „Multi Screen Experience“ der US-amerikanischen Airline JetBlue.

Selbst für die Kabinenwände wurden Innovationen erdacht: So liefern die SFS Intech, Anbieter für mechanische Befestigungssysteme und Präzisionskomponenten, und das Hamburger Startup Jetlite mit „lite2fix“ eine neuartige Befestigungsmethode für Kabinenwände. Die Wandschalen lassen sich so künftig nicht nur einfacher in den Flugzeugrumpf integrieren, sondern auch um eigens entwickelte LED-Paneele ergänzen.

Die „Crystal Cabin Award”-Finalisten der vergangenen Jahre:
Luftfahrt: Crystal Cabin Award 2019: 94 Konzepte in engerer Auswahl
Luftfahrt: Crystal Cabin Award 2018: 24 Innovationen fürs Flugzeug im Finale

(Redaktion)


 


 

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