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Interview mit Mario Rosendahl

Mario Rosendahl, stellvertretender Vorsitzender und Pressesprecher der DPRG Nord, über Kommunikationskodizes, Medienlandschaft und den PR-Standort Hamburg

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Mario Rosendahl ist stellvertretender Vorsitzender und Pressesprecher der DPRG Nord, darüber hinaus Mitglied des Medienausschusses der Handelskammer Hamburg. Als Geschäftsführer der Hamburger PR-Agentur EYECANSEE betreut er namhafte Unternehmen wie Acatel, Boss, eVendi.de, Ford, IBM, MLP und Schwarzkopf. Der begeisterte Kommunikationsmanager setzt sich dafür ein, Hamburg als herausragenden PR-Standort in Deutschland zu etablieren. hamburg.business-on.de sprach mit Mario Rosendahl über die DPRG, über die deutsche Medienlandschaft und die veränderten Bedingungen, unter denen Kommunikationsmanager heute arbeiten.

hamburg.business-on.de: Die DPRG ist der Berufsverband der PR-Fachleute bzw. der Kommunikationsmanager in Deutschland. Welche Aufgaben erfüllt er und welche Ziele verfolgt er?

Mario Rosendahl: Die Deutsche Public Relations Gesellschaft sieht ihre Aufgabe darin, sich mit allen Themen, die den komplexen Bereich der Kommunikation betreffen, zu befassen und einheitliche Richtlinien zu erarbeiten. Es geht u.a. darum, Kodizes aufzustellen und diese verbindlich in der Kommunikationsbranche zu etablieren. Dabei spielen ethische Grundsätze natürlich eine bedeutende Rolle, d.h. es geht auch darum, was die PR-Fachleute machen können und machen dürfen. Glauben wir Klaus Mertens, dann haben wir als Berufsgruppe die "Lizenz zum Täuschen". Dem muss ich eindeutig widersprechen. PR bedeutet immer die Orientierung an der Wahrheit. Allerdings ist anerkannt, dass wir bei unserer Arbeit für einen Kunden Positives stärker hervorheben und weniger Positives in der Kommunikation hinten anstellen dürfen.

hamburg.business-on.de: Die DPRG feierte im vergangenen Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Seit ihrer Gründung am 8.12.1958 hat sich einiges in der Kommunikationswelt, wie sie zu Zeiten Albert Oeckls bestand, verändert. Welche gravierenden Veränderungen sind dies? Welche wurden von der DPRG angestoßen bzw. mitgetragen?

Mario Rosendahl: In den vergangenen 50 Jahren ist unglaublich viel passiert, insbesondere in der Medienlandschaft. Sie hat sich in dieser Zeit rasant entwickelt und ist heute viel komplexer als noch vor 50 Jahren. Dies ist zum einen auf einen enormen Zuwachs an Medien, vor allem Printtiteln, zurückzuführen, zum anderen auf die Privatisierung von Radio- und Fernsehsendern. Hinzu kommt das Internet, das eine immer größere Rolle spielt. Wir begegnen heute einer regelrechten Medienflut.

Es hat sich auch etwas in der Arbeit der Journalisten geändert. Eine aktuelle Studie aus den USA belegt, dass mittlerweile 94% der Journalisten auf PR-Material zurückgreifen. Diese Entwicklung wollen wir in Deutschland auch weiter vorantreiben. Hierzu muss Vertrauen aufgebaut werden, indem den Journalisten vermittelt wird, dass Informationen von PR-Agenturen oder von den Pressestellen der Unternehmen einwandfrei aufgearbeitet sind. Das entbindet die Journalisten natürlich nicht davon, dieses Material zu beurteilen und für ihre Zwecke entsprechend aufzubereiten. Häufig werden heute PR-Beiträge eins zu eins übernommen, was uns natürlich freut, aber nicht unbedingt Sinn der journalistischen Arbeit ist. Leider müssen immer weniger Journalisten immer mehr Arbeit in immer weniger Zeit bewältigen.

hamburg.business-on.de: Wie viele Mitglieder hat die DPRG aktuell? Wie ist die Mitgliederstruktur? Ist die Mehrzahl ihrer Mitglieder als PR-Fachleute in Unternehmen tätig oder in Agenturen?

Mario Rosendahl: Die DPRG hat aktuell über 2.800 Mitglieder. Das sind auf der einen Seite Unternehmen mit ihren Unternehmenssprechern und Mitarbeitern der Unternehmenskommunikation – vom Referenten bis hin zum Pressesprecher und Leiter der Konzernkommunikation –, auf der anderen Seite natürlich die Agenturen mit ihren Geschäftsführern und Mitarbeitern, d.h. Berater, PR-Assistenten, Volontäre etc. Es gibt bei der DPRG sowohl Unternehmensmitgliedschaften als auch Einzelmitgliedschaften

hamburg.business-on.de: Welche Veranstaltungen bietet die DPRG ihren Mitgliedern an?

Mario Rosendahl: Eine Vielzahl. Es gibt ganz unterschiedliche Formate, die sich an verschiedene Zielgruppen richten. Beispielsweise gibt es Veranstaltungen, die insbesondere den PR-Nachwuchs ansprechen. Auf der anderen Seite wenden wir uns aber zum Beispiel mit dem Dinner Talk an die obere Führungsebene der Kommunikationsunternehmer. Hier treffen sich Geschäftsführer von Agenturen in kleiner Runde und tauschen sich, teils erstaunlich offen, über ihre Arbeit aus. Alles, was besprochen wird, ist streng vertraulich und verlässt nicht die Räumlichkeiten des Dinner Talks. Ein ganz ähnliches Format ist für Pressesprecher geplant. Hier werden natürlich keine Agenturen zu dieser Veranstaltung zugelassen, denn dann könnte die vertrauliche Atmosphäre so nicht entstehen. Daneben bieten wir natürlich Vorträge, Veranstaltungsreihen, Workshops u.a. an, die grundsätzlich von allen Mitgliedern genutzt werden können.

hamburg.business-on.de: Es gibt in der DPRG einen Arbeitskreis „PR im Mittelstand“. Inwieweit spielt der Mittelstand eine besondere Rolle für Sie?

Mario Rosendahl: Grundsätzlich kann in der DPRG jeder Mitglied werden, der in der Kommunikationsbranche tätig ist, und jedes Mitglied kann sich in den Arbeitskreisen engagieren. Der Mittelstand spielt dabei insoweit eine große Rolle, als dass ein Großteil unserer Wirtschaft darauf fußt. Und weil wir natürlich viele Mitglieder aus mittelständischen Unternehmen haben, ist es sinnvoll, deren Interessen in einem eigenen Arbeitskreis zu erarbeiten.

Die Arbeitskreise beschäftigen sich mit ganz unterschiedlichen Themen, Themen, die für eine bestimmte Gruppe unserer Mitglieder besonders relevant sind. Beispielsweise hat sich vor kurzem der Arbeitskreis "Digital Relations//:Social Media“ gegründet und sofort einen sehr großen Zuspruch gefunden. Das Thema scheint für viele akut zu sein.

hamburg.business-on.de: Was erwächst aus der Arbeit dieser Arbeitskreise?

Mario Rosendahl: Der jeweilige Arbeitskreis beschäftigt sich intensiv mit seinem Thema. Zu Beginn geht es erst einmal darum, Begriffe zu definieren und das Thema zu umreißen. Nehmen wir beispielsweise „Digital Relations“. Was versteht man in diesem Zusammenhang unter Social Media, unter Web 2.0, wie verhält es sich mit Online-Relations? Was ist mit dem Bereich der Bewegtbildkommunikation? Gehört New-TV auch zu diesem Themengebiet? Wie sind New-TV, IP-TV und Video-on-demand zu definieren? All dies sind Fragen, die es in dem Arbeitskreis zu beantworten gilt. Es müssen einheitliche Begrifflichkeiten, eine einheitliche Sprache festgelegt werden. Die Ergebnisse werden dann in einem Factsheet zusammengefasst und den Mitgliedern zugänglich gemacht.

hamburg.business-on.de: Die DPRG engagiert sich stark in der Aus- und Weiterbildung des PR-Nachwuchses und zertifiziert Studiengänge und Weiterbildungen. Im März 2007 haben sie gemeinsam mit den beiden anderen großen deutschen Kommunikationsverbänden, dem Bundesverband deutscher Pressesprecher (BdP) und der Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA), die Prüfungs- und Zertifizierungsorganisation der deutschen Kommunikationswirtschaft GmbH" (PZOK) gegründet, die seit Januar 2008 operativ tätig ist. Welche Qualitätskriterien musste ein Weiterbildungsinstitut bisher für die Zertifizierung der DPRG erfüllen? Was hat sich bzw. wird sich im Rahmen der PZOK-Zertifizierung ändern?

Mario Rosendahl: Es war uns und den anderen Kommunikationsverbänden wichtig, eine unabhängige Organisation für die Zertifizierung von Aus- und Weiterbildungen ins Leben zu rufen, um nicht in den Ruf zu kommen, dass die Zertifizierung von den Interessen einzelner Verbände gesteuert wird.

Während die DPRG sehr übergreifende und damit auch interpretierbare Qualitätsstandards gesetzt hat, ist die Kommunikationskompetenz im Rahmen der PZOK auf vier Säulen gestützt. Hierbei wird neben Organisation und Umfeld der PR auch theoretisches Wissen abverlangt und Kontextkompetenz gefordert. Das bringt dem Berufsfeld natürlich ein unglaubliches, wissenschaftliches Fundament, was bis zur Gründung der PZOK nicht ganz so stark ausgeprägt sein konnte.

hamburg.business-on.de: Arbeiten Sie auch über die PZOK mit den anderen Kommunikationsverbänden in Deutschland zusammen? Wenn ja, inwiefern?

Mario Rosendahl: Die Präsidenten der drei Verbände stehen im regen Austausch miteinander. Es gibt natürlich auch überschneidende Mitgliedschaften. Sicherlich konkurrieren wir alle um die Gunst der Mitglieder, und jeder Verband für sich möchte natürlich die Statistik anführen bzw. die anderen überholen. Aber es findet kein Konkurrenzkampf statt. Es geht eher darum, die Vorteile, die jeder Verband hat, klar herauszuarbeiten und zu kommunizieren.

hamburg.business-on.de: Die DPRG ist Mitglied des europäischen PR-Dachverbands „Confédération Européenne des Rélations Publiques (CERP)“ und arbeitet mit der weltweit agierenden „International Public Relations Association (IPRA)“ zusammen. Wie sieht diese Zusammenarbeit auf internationaler Ebene aus? Welche Aufgaben erfüllt die DPRG in diesem Kontext?

Mario Rosendahl: Es gibt vor allem einen Austausch auf internationaler Ebene. Der Bundesvorstand und das Präsidium der DPRG kümmern sich um diese Aufgabe. Man kann sich die Arbeit auf internationaler Ebene ähnlich der eines Arbeitskreises vorstellen. Es gibt eine Agenda, die ausgearbeitet wird und an deren Ende die Entwicklung einheitlicher Standards steht. Sicherlich ist dies im internationalen Kontext weitaus schwieriger, da kulturelle Unterschiede und Besonderheiten eine bedeutende Rolle spielen. Daher gilt es, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden.

hamburg.business-on.de: Welchen Stellenwert nimmt der Standort Hamburg in der deutschen Kommunikationslandschaft ein?

Mario Rosendahl: Wir wollen Hamburg als Kommunikationshauptstadt in Deutschland etablieren. Sicherlich haben viele andere große Städte den gleichen Anspruch. Hamburg hat unbestritten eine Medientradition: Heinrich Bauer, Gruner + Jahr, Axel Springer – viele bedeutende Medienverlage sind hier ansässig. Von Hamburg geht eine große Mediengewalt aus, und wo viele Journalisten sind, da gibt es auch viele PR-Berater und Agenturen. Das ist ein Grund, warum man Hamburg durchaus als PR-Hochburg bezeichnen kann. Allerdings ist der Hamburger eher zurückhaltend und posaunt dies nicht unbedingt heraus. Wir müssen die Success Stories aus dem PR-Umfeld kommunizieren und zeigen, welche Bedeutung Hamburg in der Kommunikationsbranche einnimmt. Und natürlich wollen wir auch mit Veranstaltungen wie dem Deutschen PR-Manager-Tag und der Deutschen PR-Night, die am 6. März zum zweiten Mal stattgefunden hat, deutlich machen, wieviel Hamburg als PR-Standort zu bieten hat.

hamburg.business-on.de: Herr Rosendahl von der Hamburger PR-Agentur EYECANSEE vielen Dank für das Gespräch.

(Redaktion)



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Bild Nr. 1 © EYECANSEE


 

Mario Rosendahl
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