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Mikroplastik

Bundesratsinitiative für Verbot von Kunststoffen in Kosmetika

Hamburg setzt sich im Bundesrat für ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetikprodukten ein.

Haar-Shampoo, Duschgel, Bodylotion – in vielen Kosmetikprodukten verwenden die Hersteller winzige Kunststoffteilchen, zum Beispiel als Hautpeeling-Perlen, die die Umwelt belasten. Das Problem ist schon lange bekannt, und die Industrie hatte einen freiwilligen Verzicht in Aussicht gestellt. Dennoch ist festes und vor allem flüssiges Mikroplastik noch immer in Tuben und Flaschen aus dem Körperpflege-Regal zu finden. Hamburg setzt sich gemeinsam mit Thüringen im Bundesrat dafür ein, auf ein Verbot von festem und flüssigem Mikrokunststoff hinzuwirken. Das teilte der Hamburger Senat mit.

Hamburgs Senator für Umwelt und Energie, Jens Kerstan, sagt: „Plastikperlen in Shampoos und Duschgels sind eine unterschätzte, aber tückische Gefahr für die Umwelt. Sie sind oft so winzig, dass die heutigen Kläranlagen sie nicht vollständig herausfiltern können. Eine Umrüstung wäre teuer und müsste von den Wasserkunden finanziert werden. Es wäre viel einfacher, wenn die Hersteller endlich auf Mikroplastik verzichten würden. Freiwilligkeit hat hier bislang wenig bewirkt, deshalb wollen wir jetzt über den Bundesrat ein Verbot der Kunststoffteilchen in Kosmetika erreichen.“

Vielfältige Quellen von Mikroplastik

Mikroplastik gelangt nicht nur als bewusster Zusatz zu Kosmetika, sondern auch als Abrieb von Reifen und Textilien, Kunstrasen oder anderen Produkten über die Abwässer in Flüsse, Seen und Meere. Durch Klärschlämme, Agrarkunststoffe, belasteten Kompost und Überschwemmungen wird Mikroplastik auch direkt in die Böden eingebracht. Damit kann Mikroplastik ungewollt Teil der Nahrungskette werden. Neben einem Verbot von bewusst zugegebenem Mikroplastik in Kosmetik fordert der Senat von der Bundesregierung, auch für die anderen Problemfelder Lösungen zu entwickeln, etwa indem abriebarme und verwitterungsbeständige Kunststoffe eingesetzt werden, so dass bei der Nutzung kein Mikroplastik entsteht.

Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik von 2018 hat die weltweite Plastikproduktion im Zeitraum von 1970 bis 2013 um 620 Prozent zugenommen hat. Die Studie geht davon aus, dass in Deutschland rund 330.000 Tonnen Mikroplastik pro Jahr freigesetzt werden. Allein durch Kosmetika gelangen in Deutschland jährlich 922 Tonnen festes Mikroplastik in die Kanalisation. Es ist demnach davon auszugehen, dass sich Mikroplastik bereits in allen Bereichen der Umwelt befindet: In der Luft, im Trinkwasser und in Nahrungsmitteln.

In Klärwerken werden große Mengen Schmutzstoffe aus dem Abwasser entfernt. Jährlich fischt Hamburg Wasser rund 8.000 Tonnen Müll alleine über Siebe aus dem Abwasser, darunter Hygieneartikel, Speisereste und Kunststoffe. In seiner Reinigungsleistung übertrifft das Klärwerk Hamburg in vielen Fällen die gesetzlichen Anforderungen an kommunale Kläranlagen. Dennoch können einige Stoffe nicht vollständig im Klärwerk abgebaut werden. Dazu zählt auch Mikroplastik. Etwa 40 Tonnen davon werden zwar jährlich aus dem Klärschlamm, der bei der Abwasserreinigung anfällt, herausgefiltert. Ein Teil der Kunststoffe kann jedoch nicht in der Kläranlage zurückgehalten werden und gelangt über den Klärwerksablauf in die Gewässer.

Obwohl diese Spurenstoffe nur in sehr geringen Mengen auftreten, belasten sie die Gewässer. Denn Umweltgifte, wie Pestizide, lagern sich an Mikroplastik an und gefährdet damit Tiere und Pflanzen im Wasser. Auch Hamburg Wasser fordert deswegen ein Verbot solcher Stoffe, die biologisch nicht abbaubar sind und keinen gesellschaftlichen Nutzen haben.

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) der EU-Kommission empfiehlt, die langlebigen Kunststoffpartikel in der EU zu verbieten, da sie die langfristigen Auswirkungen von Mikroplastik in der Umwelt bisher nicht abschätzen kann.

(Redaktion)


 


 

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