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Naturschutz in Hamburg

Säugetier-Atlas belegt artenreiche Fauna

Der „Atlas der Säugetiere Hamburgs“ weist mehr als 50 Arten nach. Darunter befinden sich äußerst seltene Arten vor wie Haselmaus und Große Bartfledermaus, Rückkehrer wie Biber und Fischotter und exotische Neuankömmlinge wie Marderhund und Nutria.

Insgesamt ließen sich in der Hansestadt 54 Säugetierarten nachweisen – vom rund 200 Kilogramm schweren Rothirsch im Duvenstedter Brook bis zur etwa 5 Gramm wiegenden Mückenfledermaus im Wohldorfer Wald und von der Kegelrobbe (wiegt bis zu einer Drittel Tonne) vor Scharhörn bis zur Zwergspitzmaus in den Vier- und Marschlanden. Im Vergleich zur letzten Bestandsaufnahme 2002 habe sich die Lage der Säugetiere in Hamburg insgesamt kaum verändert, teilte die Behörde für Umwelt und Energie mit. Es seien acht Tierarten weniger gefährdet, acht Arten mehr und alle übrigen entweder als unverändert eingestuft oder es lägen nicht genug Daten zur Beurteilung vor.

Zählung der Säugetierarten

Um den Säugetieratlas zu erstellen, ließ die Behörde nach eigenen Angaben das Stadtgebiet in 243 je vier Quadratmeter große Quadrate aufteilen, in denen vier Jahre lang alle Säugetierarten gezählt wurden. Grundlage dieser systematischen Erfassung und Beobachtung (Monitoring) ist Paragraph 6 des Bundesnaturschutzgesetzes, der eine fortlaufende Ermittlung und Bewertung des Zustands der Natur vorschreibt. Die Ergebnisse fließen in die Aktualisierung der Roten Listen (Verzeichnisse gefährdeter Tier- und Pflanzenarten) ein. Sie stellen die Basis für Planungen im Arten- und Naturschutz sowie in der Landschaftsplanung dar. Voraussetzung ist, dass sie regelmäßig aktualisiert werden.

Für Spitzmäuse und Nagetiere wurden laut Behörde zwischen 2011 bis 2014 Lebendfallen im gesamten Hamburger Stadtgebiet aufgestellt und insgesamt rund 2.000 Kleinsäuger aus 12 Arten gefangen. Dies sei die erste flächendeckende systematische Untersuchung dieser Tiere seit 30 Jahren in Hamburg gewesen. Weitere Daten stammten aus verschiedensten Quellen, darunter von vielen ehrenamtlichen Naturschutzschützern. Insgesamt standen 33.209 Datensätze zu Funden von Säugetieren aus den Jahren 1900 bis 2015 zur Verfügung.

Besonders artenreich sei Wohldorf-Ohlstedt mit 38 Säugetierarten pro Quadrant, während im städtischen Bereich durchschnittlich etwa zehn verschiedene Arten vorkämen. Hier stellten die großen Grünanlagen entscheidende Rückzugsräume dar, so wurden auf dem Ohlsdorfer Friedhof bis zu 20 verschiedene Arten pro Quadrant nachgewiesen, so die Behörde.

Biber und Fischotter in Hamburg heimisch

Der Biber ist 2002 nach Hamburg zurückgekehrt und hat seitdem mehrere Reviere besetzt. Dabei wandert er von Geesthacht kommend entlang des Elbstroms sowie der Dove- und Gose-Elbe bis nach Wilhelmsburg und in den Holzhafen. Auch der Fischotter wandert weiter nach Hamburg ein und ist sowohl im Norden entlang der Alster als auch im Südosten in den Vier- und Marschlanden ansässig sowie ganz neu in Harburg.

Der Feldhase, in Deutschland als gefährdet auf der Roten Liste geführt, kommt in Hamburg mit stabilen Beständen vor. Die Hausspitzmaus, die seit 1900 als ausgestorben galt, konnte sogar erstmals wieder in Hamburg nachgewiesen werden. 14 Fledermausarten leben in Hamburg – so viele wie nie zuvor. Zahlreiche sind jedoch durch Gebäudesanierungen und die modernen, glatten Fassaden gefährdet. Bekannte Tierarten wie Fuchs, Reh und Wildschwein erobern die Innenstadt und profitieren vom zunehmend waldartigen Charakter mancher Gärten und Parks. In Siedlungen, die an Waldbereiche angrenzen, werden Wildschweine sogar zunehmend zum Problem.

Verschiedene Mausarten neu auf der Roten Liste

Es mussten aber auch Arten neu in die Rote Liste aufgenommen werden, zum Beispiel Erd-, Feld- und Waldmaus. Diese Arten leiden offensichtlich sehr unter der Industrialisierung Landwirtschaft und der zunehmenden Zerschneidung der Landschaft. Auch eng an den Menschen gebundene Arten wie Hausmaus und Hausratte sind inzwischen stark gefährdet bzw. von der Ausrottung bedroht. Für diese Arten sind offensichtlich durch die Umwandlung des Hafens vom Stückgut- zum Containerhafen viele Refugien verloren gegangen.

Bisam und Wanderratte werden bekämpft

Auch eingeschleppte oder eingewanderte Säugetierarten leben in Hamburg: Bisam und Wanderratte sind bereits lange in Hamburg etabliert und werden als Schädlinge systematisch bekämpft. Der Waschbär ist etwa seit den 1980er-Jahren in Hamburg nachgewiesen, der Marderhund hat sich erst in den vergangenen 15 Jahren etabliert und dringt inzwischen bis in die Innenstadt vor. Die Nutria (Sumpfbiber), ursprünglich in Südamerika beheimatet, breitet sich ebenfalls entlang der Elbe aus und wird in Hamburg immer häufiger gesehen.

Artenschutz in der Stadt

Beim geförderten Mietwohnungsneubau mache die Stadt zur Bedingung, dass Quartiere für Gebäudebrüter und Fledermäuse, beispielweise Nistkästen, in die Fassaden eingebaut werden. Biber und Fischotter fallen nicht selten dem Verkehr zum Opfer. Bei neuen Bauvorhaben an Straßen und Bahnlinien werde deshalb speziell darauf geachtet, otter- und biberfreundliche Gewässerdurchlässe (Bermen) zu gestalten, die auch anderen Arten zugutekommen, die sich entlang der Gewässer bewegen. Biber und Fischotter in Hamburg profitierten von der gestiegenen Wasserqualität und der besseren Durchlässigkeit der Gewässer. Hier zahlten sich entsprechende Maßnahmen bei der Umsetzung der EU-Wasserrahmen-Richtlinie und die Aktivitäten der „Stiftung Lebensraum Elbe“ aus, heißt es.

Neue Pflege- und Entwicklungspläne für Hamburgs Naturschutzgebiete

Dass Hamburg trotz immer dichter werdender Bebauung und weiter steigender Bevölkerungszahl artenreich bleibe, sei „ein wesentlicher Gradmesser für erfolgreichen Naturschutz“, so Umweltsenator Jens Kerstan. „Da die Stadt weiter wachsen soll, legen wir über den Säugetieratlas hinaus nach durch neue Managementpläne für alle Naturschutzgebiete, durch zahlreiche Einzelmaßnahmen und die Ausweisung von drei neuen Naturschutzgebieten bis 2018.“

Zu effektivem Natur- und Artenschutz sollen neue Pflege- und Entwicklungspläne für Hamburgs Naturschutzgebiete (NSG) gehören. Drei wurden seit 2015 fertiggestellt, elf seien in Bearbeitung und bis 2018 würden alle NSG damit ausgestattet sein, so die Umweltbehörde. Bis dann soll Hamburg auch drei neue NSG haben: die Allermöher Wiesen (106 Hektar), die noch in diesem Jahr ausgewiesen werden sollen, die Neuländer Moorwiesen (255 Hektar, 2017) und das NSG Duvenwischen in Volksdorf (43 Hektar, 2018). Dann werden 9,5 Prozent der Fläche Hamburgs unter Naturschutz stehen, so viel wie weiterhin in keinem anderen Bundesland.

Per Senatsbeschluss von Mitte August seien zudem einige bestehende NSG im Zusammenhang mit der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU um zusammen etwa 30 Hektar erweitert worden.

Der neue „Atlas der Säugetiere Hamburgs“ ist kostenfrei erhältlich unter www.hamburg.de/saeugetieratlas und bei der Hamburger Umweltbehörde.

(Redaktion)


 


 

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