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Nicht alles ist erlaubt

Wann sich Grill-Freunde die Finger verbrennen

Lust auf ein saftiges Steak? Ran an den Grill! Doch Vorsicht: Nicht alles ist erlaubt. Die ARAG Experten servieren die Antworten auf Fragen rund um die sommerliche Essenszubereitung.

  • Wie oft darf man grillen?

Das kommt unter anderem darauf an, wo man wohnt. Hierzu gibt es sehr unterschied- liche Gerichtsurteile. Während das Landgericht Stuttgart die Grilldauer auf Balkon oder Terrasse auf dreimal zwei Stunden begrenzt (Az.: 10 T 359/96), sind die Richter in Bonn noch strenger: Sie erlauben das Grillvergnügen nur einmal monatlich mit vorheriger Ankündigung (AG Bonn, Az.: 6 C 545/96). 

Auch Bremer dürfen von April bis September einmal monatlich grillen, wenn sie die Nachbarn 48 Stunden vorher darüber informieren (AG Bremen, Az.: 6 C 545/96). Nach Auffassung des OLG Oldenburg (Az.: 13 U 53/02) kann es bis zu viermal im Jahr "sozialadäquat" sein, zu grillen. Und das Landgericht München entschied, dass das sommerliche Grillen im Garten erlaubt ist, wenn die Nachbarn dadurch nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigt werden (LG München I, Az.: 15 S 22735/01).

  • Darf man überall grillen?

Nein! Das Grillen auf dem Balkon eines Mehrfamilienhauses kann durch eine Regelung in der Hausordnung sogar ganz verboten werden. Halten sich die Mieter trotz Abmahnung nicht an das Verbot, so darf ihnen fristlos gekündigt werden (LG Essen, AZ.: 10 S 438/01).
Eine andere gültige juristische Entscheidung besagt, dass im Rahmen einer Eigentumswohnanlage durch schlichten Mehrheitsbeschluss der Eigentümer- versammlung ein grundsätzliches Grillverbot für Balkone und Terrassen ausgesprochen werden kann. Grund für diese richterliche Ansicht: Das Grillen sei kein fester Bestandteil unserer Wohnkultur (LG München, Az.: 22735/01).

Grillfreunde sollten darauf achten, dass Wärme- und Rauchentwicklung nicht überhand nehmen und dass die entstehenden Dünste nicht in die Nachbarwohnungen ziehen können. Hier hilft oftmals die Nutzung eines Elektro- oder Gasgrills, da dieser lediglich Essens-, aber keinen Ruß- oder gar Spiritusgeruch absondert.

  • Was steht im Gesetz zu Lärm und Gerüchen?

Es sind die widerstreitenden Rechte der Betroffenen, nämlich die dem Grundgesetz zu entnehmende allgemeine Handlungsfreiheit (Art. 2 Abs. 1 GG) des grillenden Nachbarn einerseits und das Recht auf einen ungestörten Gebrauch seines Hauses - also des Eigentums (Art. 14 GG) - andererseits, im Einzelfall abzuwägen und angemessen ins Verhältnis zu setzen.

Auch wenn man sich durch die rauchende Freizeitaktivität seines Nachbarn gestört fühlt, sind diese Störungen nur selten wesentliche Beeinträchtigungen im Sinne der gesetzlichen Vorschriften, gegen die man etwas unternehmen kann. Selbst wenn sie wesentlich sind, werden sie in Wohngebieten fast immer als ortsüblich zu betrachten sein. Es sei denn, man kann dem Nachbarn nachweisen, dass der Grill nicht fachgerecht betrieben wird, etwa durch das Verbrennen von Kunststoffen: Dann entstehen Abwehransprüche. 

Gemütliche Grillabende haben es sich, dass sie draußen stattfinden. Gerade in Verbindung mit einer Feier und mehreren Gästen kommt es häufig zur Lärmbelästigung - ein Aspekt, den man beim Thema Grillen ebenfalls berücksichtigen muss. Auch hier haben die Nachbarn jedoch das Recht auf Nachtruhe - nach 22 Uhr sollte es also deutlich ruhiger und die Feierlichkeit nach drinnen verlagert werden.

(Redaktion)


 


 

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