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Norddeutsche Gartenschau

Modell einer lebenden (Baum-) Legende als neue Besucherattraktion eingeweiht

Wer sich ein Bild vom größten Baum der Welt machen möchte, kann sich ab sofort in der Norddeutschen Gartenschau im Arboretum des Kreises Pinneberg eine naturidentische Nachbildung des kalifornischen Bergmammutbaums „General Sherman Tree“ ansehen. Das Modell ist begehbar und aus dem Inneren wächst ein lebender Bergmammutbaum heraus, der am vergangenen Freitag dort hineingelassen wurde.

Der „General Sherman Tree“ zählt mit seinem Alter von gut 2300 Jahren zu den lebenden Legenden. Auch hält der Bergmammutbaum den Rekord als der größte (volumenreichste) Baum der Welt. Er steht im kalifornischen Sequoia-Nationalpark und lockt jedes Jahr etwa 1,5 Millionen Touristen an. Ehrfurchtsvolles Staunen lösen seine Maße aus: Knapp 84 Meter hoch ist er und hat einen Stammumfang am Boden von 31 Metern. Das Volumen (Holzkern und Äste) wird auf mehr als 1500 Kubikmeter berechnet. Das ist so viel wie das Volumen von 23 großen Seefrachtcontainern.

Weltweit einzigartige Nachbildung des „General Sherman Tree“

Ein Eins-zu-eins-Nachbau des beeindruckenden unteren Stamms „General Sherman Tree“ bis in 11 Meter Höhe ist die neue Besucherattraktion in der Norddeutschen Gartenschau im schleswig-holsteinischen Ellerhoop. Der Clou: In die Mitte des oben offenen Kunstwerks wurde am vergangenen Freitag ein lebender 11,50 Meter großer Bergmammutbaum gepflanzt, der mit seiner Spitze über das Modell herausragt. Der Innenraum des Kunstbaums ist begehbar, so dass die Besucher sich den 30 bis 40 Jahre jungen Baum ansehen können. In voraussichtlich 2000 Jahren soll dieser Baum einen solchen Umfang erreicht haben, dass er die Betonhülle sprengen wird.

Professor Dipl.-Ing. Hans-Dieter Warda, ehrenamtlicher Leiter der Norddeutschen Gartenschau: „Der ‚General Sherman Tree‘ ist eine wahrhaftige Baumkathedrale und hat eine unglaubliche Anziehungskraft. Es ist überwältigend, vor diesem gigantischen Baum zu stehen. Mit unserem naturgetreuen Modell möchten wir Bewunderung und tiefe Ehrfurcht vor der Baumwelt weitergeben und das Bewusstsein stärken, dass die Bäume und Wälder dieser Welt unsere Lebensgrundlagen geschaffen haben und die Welt immer noch antreiben. Der eingepflanzte Mammutbaum soll ein lebendes Symbol dafür sein.“

Der Bergmammutbaum (Sequoiadendron giganteum)
Der Baumgigant – auch Riesenmammutbaum genannt – ist in der kalifornischen Sierra Nevada beheimatet. Dort wächst er in Höhenlagen von über 1300 bis zu 2500 Metern. In diesem natürlichen Lebensraum sind nur noch zwei Drittel früherer Bestände erhalten. Der Bergmammutbaum gilt dort als eine von der Ausrottung bedrohte Art und steht in den Nationalparks (Sequoia, Yosemite, Kings Canyon) und den „National Forests“ unter Schutz. Außerhalb seines heutigen natürlichen Verbreitungsgebiets ist der Bergmammutbaum dagegen durch Pflanzenkultur weltweit zu finden. In West- und Mitteleuropa wird er seit Mitte des 19. Jahrhunderts als weitgehend winterharter Baum in Parkanlagen genutzt (Quelle Wikipedia). Mammutbäume mit identischer Genetik waren vor den Eiszeiten auch in Europa heimisch. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Gattung hier wieder Fuß fassen wird.

Mittelpunkt einer geplanten Baumerlebniswelt

Das Gesamtkunstwerk soll den Mittelpunkt einer Baumerlebniswelt mit vielen spannenden Exponaten bilden, die auf dem Gelände der Norddeutschen Gartenschau am Ende des schulbiologischen Bereichs entsteht. Ab dem nächsten Jahr werden sich Tagesgäste und Schulklassen dort über die Entwicklungsgeschichte der Bäume, ihre Funktionsweise und ihren Wert für die Natur informieren können, so der Plan. „Wir werden auch Wissenswerte aus der erlebten Geschichte des ‚General Sherman Tree‘ erzählen, der zum Beispiel die Vertreibung der Indianer miterlebt hat. Die Baumerlebniswelt soll außerdem dazu beitragen, an die in Vergessenheit geratene tiefe Baumverehrung der Menschen früherer Zeiten zu erinnern – dazu gehören Traditionen wie die Rechtsprechung unter Bäumen, Tanzlinden, und der Baum als Briefkasten verliebter Paare. Für unsere Besucher werden die Baumerlebniswelt und der ‚Kunstbaum mit Echtbaumfüllung‘ eine tolle und informative Bereicherung“, so Professor Warda.

Die Entstehung des Baumkunstwerks mit „Echtbaumfüllung“

In Rekordgeschwindigkeit hat die Norddeutsche Gartenschau den Nachbau des Rekordhalters in der Pflanzenwelt umgesetzt. Nachdem der Dendrologe (Baumwissenschaftler) Hans-Dieter Warda die Idee gut fünfzehn Jahre im Kopf hatte, nahm das Projekt vor einem Jahr konkrete Gestalt an: Im Herbst 2012 begannen die Ausschreibung. Ab März 2013 entstand ein sternförmiges Fundament, auf das die Bauarbeiter ein Stahlgerüst setzten. Im nächsten Schritt ummantelten sie dieses mit einem groben Stahlgeflecht und legten darüber ein dünnmaschiges Gewebe. Dieses diente ab Juni 2013 den Spritzbeton-Experten, die auch  Kunstfelsen im Tropen-Aquarium Hagenbeck formten, als Grundlage, um darauf den Baum in drei Lagen zu gestalten – mit grauem Unterbeton, dann mit Kunststoff versetztem Modellierbeton und zuletzt mit rotbraun durchgefärbtem Modellierbeton.

Erklärtes Ziel: eine bis zu den Wurzelausformungen, Borkenleisten und Rindenkerben absolute Originaltreue. Professor Warda und sein Mitarbeiter Richard Bischoff reisten noch im Juni dieses Jahres in den Sequoia-Nationalpark, um sich die gewaltigen Wurzeln und die Struktur der Borke des „General Sherman Tree“ genau anzusehen. Auch begutachteten sie die arttypische Form von Bruchkanten bei Bergmammutbäumen. Für die Untersuchungen und Vermessungen im Stammbereich des streng bewachten Giganten erhielten Warda und Bischoff eine Sondererlaubnis von der Nationalpark-Verwaltung.

In Ellerhoop nahm der Baumriese weiter Gestalt an und begeisterte von Woche zu Woche bereits zahlreiche Besucher. Im August war der Rohbau abgeschlossen. Es folgten abschließende Malerarbeiten, um dem Mammutbaum seine individuellen rotbraunen Farbschattierungen zu geben wie auch stellenweise Schwärze, die am Original durch Waldbrände entstanden ist. Zum Abschluss des Projekts folgte am 4. Oktober die Pflanzung des jungen Bergmammutbaums in das Baumkunstwerk hinein. Geladene Gäste und Besucher des Arboretums verfolgten die außergewöhnliche Aktion, bei der der zusammengebundene Jungbaum mit etwa sieben Tonnen schwerem Wurzelballen per Telekran von oben in das Baummodell hineingesetzt wurde – begleitet von Musik Richard Wagners, denn, so erzählte Warda den Zuschauern später, Bäume nehmen Geräusche wahr und mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: „Bäume lieben Wagner“.

Begeistert und sichtlich erleichtert dankte Warda zum Abschluss der Pflanzaktion und Einweihung für die finanzielle Unterstützung der Otto-Henneberg-Poppenbüttel-Stiftung, der Objektgestalter KaGo & Hammerschmidt, der Baumschule Bruns aus Bad Zwischenahn, die den lebenden Bergmammutbaum spendete, und dem Förderkreis Arboretum Baumpark Ellerhoop-Thiensen e.V. sowie allen Beteiligten für ihren Einsatz an diesem besonderen Projekt.

Tipp der Redaktion:
„Indian Summer“ im Wasserwald des Arboretum-Sees

Die Norddeutsche Gartenschau ist nahezu ganzjährig geöffnet (Ausnahme: geschlossen vom 1. Dezember bis 15. Januar) und lädt jeder Jahreszeit zu spannenden und erholsamen Spaziergängen ein. Sie bietet eine erlebenswerte Kombination aus Schulbiologie, Baumwissenschaft und ökologischen Aspekten einerseits sowie Gartenkultur, Gartenkunst mit einer Fülle an Blumen-, Strauch- und Baumarten in kunstvoll gestalteten Themen- und Farbgärten. Ein besonderer Höhepunkt im Oktober ist die stimmungsvolle Herbstfärbung des „Indian Summer“ im Wasserwald des Arboretum-Sees. Dazu findet am 26. und 27. Oktober 2013 ein Herbstfest statt.

Norddeutsche Gartenschau im Arboretum des Kreises Pinneberg
Thiensen 4, 25373 Ellerhoop

Eintrittspreise: 7 Euro Erwachsene, 2 Euro Kinder (8 bis 16 Jahre)
Aktuelle Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr. Letzter Einlass eine Stunde vor Schließung des Parks. Weitere Informationen: www.norddeutsche-gartenschau.de

(Redaktion)


 


 

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