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NS-Staat

Hamburger Justiz zeigt Ausstellung zur Wiederherstellung der Ehre der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944

Noch bis zum 26. April 2013 ist die Ausstellung „Der Prozess um den 20. Juli – Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer und die Befreiung vom Stigma des Landesverrates“ zu sehen. Sie thematisiert den Umgang der bundesdeutschen Justiz mit dem Widerstand im Dritten Reich zu sehen. Schulklassen sind zu Führungen eingeladen.

Die Ausstellung, getragen von der Behörde für Justiz und Gleichstellung und dem Generalstaatsanwalt, lenkt die Aufmerksamkeit auf einen Prozess, der sich in mehreren Bezügen mit der Frage Recht oder Unrecht beschäftigte und vor gut 60 Jahren in Braunschweig geführt wurde. Im Jahre 1952 erregte er die deutsche und die internationale Aufmerksamkeit wie zuvor die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse. Angeklagt vor dem Landgericht Braunschweig war Otto Ernst Remer. Die Anklage vertrat Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer.

Wie war es zu diesem Verfahren gekommen?

Major Remer war 1944 Kommandeur des Wachbataillons Großdeutschland. Auf persönlichen Befehl Hitlers hatte er den Staatsstreich vom 20. Juli in Berlin niedergeschlagen. Stauffenberg und drei weitere Offiziere waren noch in der Nacht zum 21. Juli standrechtlich erschossen worden. Ab August 1944 verurteilte der Volksgerichtshof unter Freisler den designierten Reichskanzler Goerdeler und zahlreiche Widerständler wegen Hochverrats und Landesverrats zum Tode. Sie wurden in Plötzensee hingerichtet. Remer wurde Generalmajor.

1949 gründete Remer die Sozialistische Reichspartei. Sie bestand fast nur aus ehemaligen NSDAP-Mitgliedern und glorifizierte die Nazi-Ideologie. 1951 zog sie mit 16 Abgeordneten in den Niedersächsischen Landtag ein. Im Mai 1951, im Wahlkampf, beschimpfte Remer die Widerständler des 20. Juli als Hochverräter und Landesverräter. Bundesinnenminister Lehr stellte Strafantrag wegen übler Nachrede. Er hatte dem Kreis um Goerdeler selbst angehört und am Widerstand des 20. Juli teilgenommen.

Generalstaatsanwalt Fritz Bauer zog das Verfahren an sich. Persönlich erhob er Anklage gegen Remer. Als Nebenkläger traten dem Verfahren die Angehörigen von vier Widerstandskämpfern bei, die hingerichtet worden waren. Generalstaatsanwalt Bauer argumentierte: Die Männer des 20. Juli sind keine Verräter. Sie handelten nicht zum Schaden, sondern zum Wohle Deutschlands, gegen den NS-Staat. Der NS-Staat war kein Rechtsstaat, sondern ein Unrechtsstaat. Remer wurde wegen übler Nachrede und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Er flüchtete nach Ägypten. Die Sozialistische Reichspartei wurde 1952 vom Bundesverfassungsgericht verboten.

„Hamburg erinnert sich 2013“

In der Ausstellung vermitteln eine Medienstation und mehrere Informationssäulen einen plastischen Eindruck von dem Prozess und der Rolle Fritz Bauers. Die Ausstellung ist Teil der Veranstaltungsreihe „Hamburg erinnert sich 2013“. Hamburg erinnert sich im Jahr 2013 vieler einschneidender historischer Ereignisse. In diesem Jahr jähren sich die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten zum 80., die Reichspogromnacht zum 75. und die verheerenden Luftangriffe alliierter Verbände auf Hamburg zum 70. Mal.

Ausstellung „Der Prozess um den 20. Juli – Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer und die Befreiung vom Stigma des Landesverrates“
im Plenarsaal des Hanseatischen Oberlandesgerichtes, Sievekingplatz 2, 20355 Hamburg
Öffnungszeiten: montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr.
Der Eintritt ist frei.

Öffentliche Führungen

Freitag, 12. April 2013, ab 10.30 Uhr
Donnerstag, 18. April 2013, ab 15 Uhr
Dienstag, 23. April 2013, ab 15  Uhr.

Schulklassen sind zu Führungen eingeladen
Schulklassen, die diese Ausstellung ansehen möchten, können im Vorfeld einen Termin vereinbaren, erhalten dann weiteres Informationsmaterial und werden während ihres Besuches im Oberlandesgericht von einer Staatsanwältin oder einem Staatsanwalt in Empfang genommen und können dort ergänzende Fragen stellen, auch zu den Abläufen im heutigen Strafverfahren. Anmeldungen nimmt Inga Makridis-Junck telefonisch unter (040) 4 28 43 17 10 oder per E-Mail [email protected] entgegen.

(Redaktion)


 


 

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