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Olympische Sommerspiele 2024

Olympia in Hamburg: Kritik nimmt zu

Rund um die Kostenschätzung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2014, die der Hamburger Senat veröffentlicht hat, mehren sich kritische und ablehnende Stimmen. Offen ist weiterhin, in welchem Umfang sich der Bund an den Gesamtkosten von 11, 2 Milliarden Euro beteiligen wird.

Nach einem Bericht des Hamburger Abendblatts vom 15. Oktober 2015 schließt die Bundesregierung eine Finanzbeteiligung in Höhe der vor Hamburg erwarteten 6,2 Milliarden Euro aus. So sei die Regierung weder mit der Höhe der Kosten noch mit der Aufteilung zwischen dem Bund und der Hansestadt einverstanden, heißt es in dem Bericht. Wenige Wochen vor dem geplanten Referendum im November liegen den wahlberechtigten Hamburgerinnen und Hamburgern derzeit also trotz eines umfassenden Finanzplanes keine ausreichenden Informationen vor, wer welche Kosten übernimmt.

Die als Netzwerk NOlympia zusammengeschlossenen Gegner der Olympischen Sommerspiele in Hamburg beanstanden ebenfalls, dass die Schätzung des Finanzrahmens nicht ausreichend ist, weil besonders die Betriebs- und Folgekosten für den Unterhalt der Sportstätten im Finanzreport unberücksichtigt seien, berichtete Sat1 Regional am 14. Oktober. Weitere Kritikpunkte sind dem Bericht nach, dass die Haushalte von Hamburg und dem „extrem belastet“ würden und es eine „rasante Mietpreissteigerung“ geben werde. Weitere Informationen: www.nolympia-hamburg.de.

Nachttanzdemo gegen den Olympia-Wahnsinn

Aus dem Grund bittet NOlympia zum Tanz gegen den Wahnsinn rund um Olympia in Hamburg und für eine soziale Stadt. Die Aktion findet statt am 16. Oktober um 18 Uhr an der HAW (U-Bahn Berliner Tor), organisiert vom Anti Olympischen Dance Komitee. Weitere Informationen: https://www.facebook.com/events/407411912787650/

Hafenwirtschaft fürchtet um Gelder für die Instandhaltung der Hafenanlagen

Auch die Hafenwirtschaft bleibt kritisch. So enthielten die vom Senat bezifferten Gesamtkosten in Höhe von insgesamt 11,2 Milliarden Euro zwar auch olympiabedingte Kosten im Hafengebiet in Höhe von 1,36 Milliarden Euro. Allerdings könne es sich hierbei nur um eine vorläufige Kostenschätzung handeln, da die Gespräche mit den betroffenen Hafenunternehmen über erforderliche Verlagerungen und weitere notwendige Maßnahmen im Hafen noch nicht abgeschlossen seien, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmensverband Hafen Hamburg e.V. Und weiter: Der Vorschlag des Senats, die Finanzierung notwendiger öffentlicher Infrastruktur im Hafen und die Schaffung von neuen Flächen für die Verlagerung von planungsbetroffenen Unternehmen über Hafenmieten und Pachten sei nicht solide und wiederspreche den bisherigen Finanzierungsregeln im Hafen. Der Senat wolle wesentliche olympiabedingte Kosten über einen Zeitraum von 30 Jahren aus Mieten und Pachten finanzieren. Bisher würden jedoch Miet- und Pachteinnahmen auch zur laufenden Unterhaltung der Hafenanlagen genutzt. Die Pläne des Senats bedeuteten demnach, dass dem Hafen und der Hafenbehörde Hamburg Port Authority (HPA) erneut ein wesentlicher Teil seiner Finanzierungsgrundlagen entzogen würde. Der Verband fordert stattdessen, dass „alle olympiabedingten Verlagerungskosten aus dem Haushalt durch besondere Zuwendungen an die HPA und nicht aus laufenden Einnahmen der HPA zu finanzieren sind“.

Olympiakritik aus der Wissenschaft

Umfangreiche Argumente gegen die derzeitigen konzeptionellen und finanzielle Planungen der Olympischen Spiele kommen zudem von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Hochschulen und wissenschaftlicher Institute in Hamburg. Sie haben ein Positionspapier zur Bewerbung um Olympische und Paralympische Sommerspiele 2024 veröffentlicht. Der Debatte um eine mögliche Bewerbung um Olympische Sommerspiele mangele es bisher „an einer ergebnisoffenen Abwägung der Argumente für und gegen die Durchführung dieser Veranstaltung in Hamburg“, heißt es darin. Auch ließen „die Olympia-BefürworterInnen aus Politik, Wirtschaft, Sportmarketing und Verbänden bislang wesentliche Konfliktpunkte unerwähnt oder unbeantwortet“. „Wir plädieren für eine Offenlegung der Risiken, die mit diesem Megasportevent in Kooperation mit dem internationalen olympischen Komitee (IOC) verbunden sind.“

So seien Olympische Spiele sind das finanziell riskanteste Großprojekt für Städte überhaupt. Es gebe keine konkreten Zahlen, die langfristig positive Effekte für Veranstaltungsorte belegen. Die Olympischen Spiele von 1960 bis 2012 seien jeweils deutlich teurer geworden als vorab geschätzt. Weiterhin seien die über Modelle und Machbarkeitsstudien präsentierten Szenarien „methodisch intransparent“ und „etablierte Qualitätskriterien nicht eingehalten“. Auch habe der Senat die Gesamtplanung der Olympia-Infrastruktur in die Hände von international tätigen Planungsbüros gegeben, die zuvor schon für Megaevents in Städten aktiv waren, die den hohen Nachhaltigkeitserwartungen und Transparenzansprüchen der HamburgerInnen nicht entsprächen.

Während Befürworter das Konzept der Olympischen Spiele als nachhaltig herausstellen, widersprechen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Idee ökologischer Nachhaltigkeit. So müssten „Veranstaltungsstätten und Infrastrukturen gebaut und umgebaut werden“, für die es anschließend keine Nachnutzungsbedarfe mehr gebe. Der daraus resultierende hohe Materialverbrauch widerspreche dem „Grundsatz von Nachhaltigkeit, der eine langfristige Nutzung und Recycling von Ressourcen vorsieht“. Auch könne sich die grundsätzliche nötige Infrastrukturentwicklung in der Stadt zugunsten olympiarelevanter Bereiche verschieben.

Unberücksichtigt blieben im dem derzeitigen Olympia-Konzept außerdem die treibhausgasintensiv An- und Abreisen der Sportlerteams, Medienschaffenden und Olympia-Gästen. Die Kompensation dieser Emissionen würde enorme Kosten verursachen, die bisher nicht einkalkuliert seien. Mehr Informationen: www.olympiakritik-aus-der-wissenschaft.de.

(Redaktion)


 


 

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