Sie sind hier: Startseite Hamburg Aktuell News
Weitere Artikel
Business-on.de exklusiv

Online-Buchhändler Amazon ging sorglos mit Rufnummern seiner Kunden um

Nachdem der Online-Buchhändler Amazon jüngst von mehrern Skandalen erschüttert wurde, recherchierte Business-on.de exklusiv, dass der internationale Buchhandelskonzern noch bis vor Kurzem recht sorglos mit sensiblen Kundendaten umging.

Amazon war kürzlich in die Kritik geraten, da man mit einer Fernlöschaktion ausgerechnet die elektronische Variante des George-Orwell-Buchs  "1984" von den Kindle E-Books seiner Kunden gelöscht hatte. Seitdem fragen sich viele Nutzer des Geräts, was der Konzern mit dem Kindle noch so alles kann. Laut einer Erklärung des Unternehmens war unter anderem eine digitale Version des Buchs "1984" vom Unternehmen Mobile Reference in den Online-Shop von Amazon eingestellt worden. Der Rechteinhaber Houghton Mifflin Harcourt habe Amazon dann jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass Mobile Reference überhaupt keine Rechte an dem Werk besitze. Daraufhin reagierte der Online-Buchhändler, indem er die Synchronisierungsfunktion des Kindle zur Fernlöschung der bereits verkauften Bücher einsetzte. Den Kunden sei der Kaufpreis zurückerstattet worden, heißt es von Seiten Amazons. Nach einer Welle der Empörung entschuldigte sich der Gründer und Chef von Amazon schließlich persönlich bei seinen Kunden und erklärte, dass sich der "dumme und gedankenlose Vorgang" nicht wiederholen werde. Künftig will das Unternehmen in solchen Fällen anders verfahren.

Recht sorgloser Umgang mit Telefonnummern

Business-on.de konnte nun exklusiv recherchieren, dass der Online-Buchhändler über Jahre hinweg recht sorglos mit den Telefonnummern seiner Kunden umging. Das Unternehmen verstieß hierbei auch gegen seine eigene Datenschutzstandards. Wie Business-on.de herausfand, druckte das Unternehmen die Telefonnummern seiner Kunden ohne besonderes Einverständnis auf seinen Paketen ab. Kunden-Rufnummern waren so innerhalb der gesamten Lieferkette für Mitarbeiter, Zeitarbeitskräfte, Mitarbeiter der von Amazon beauftragten Logistikunternehmen und Zusteller einsehbar. Auch aus dem Briefkasten herausragende Amazon-Buchsendungen konnten Dritten anhand ihres Etiketts aufschlussreiche Informationen über den Empfänger liefern. In der Datenschutzerklärung von Amazon heißt es zwar:

"Diese Dienstleister haben Zugang zu persönlichen Informationen, die zur Erfüllung ihrer Aufgaben benötigt werden. Sie dürfen diese jedoch nicht zu anderen Zwecken verwenden. Darüber hinaus sind sie verpflichtet, die Informationen gemäß dieser Datenschutzerklärung sowie den deutschen Datenschutzgesetzen zu behandeln",

doch das Bundesverfassungsgericht hat zum Persönlichkeitsrecht im sog. "Volkszählungsurteil" vom 15. Dezember 1983 ausgeführt, dass das in Art. 1 Abs.1 sowie Art. 2 Abs. 1 Grundgesetz verankerte Persönlichkeitsrecht auch das Recht des Einzelnen, seine Privatsphäre nach außen zu schützen umfasst. Demnach kann jeder grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten bestimmen. Dieses Recht auf "informationelle Selbstbestimmung" soll es dem Einzelnen ermöglichen, sich seine Intim- und Privatsphäre zu erhalten.

Versandhändler schlug Sonderweg ein

Im vorliegenden Fall hatte Amazon einen Sonderweg eingeschlagen und anders als andere Versandhändler ohne Einverständnis seiner Kunden selbst sensible Daten wie Telefon-Geheimnummern öffentlich gemacht, die dann für zahlreiche außenstehende Personen einsehbar waren. Wer eine geheime Telefonnummer besitzt , wird jedoch kaum deren Veröffentlichung wünschen. Amazon hat die Praxis nach Recherchen von Business-on.de Anfang 2009 beendet. Kunden-Rufnummern befinden sich seitdem nicht mehr auf den Paketen des Unternehmens.

(Onur Yamac)


 


 

Amazon
Versandhändler
Bücher
Datenskandal
Telefonnummern
Datenschutz
Kunden

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Amazon" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: