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Perspektive Arbeit & Gesundheit

70 Prozent der Ratsuchenden sind Frauen

In der Schanzenstraße 75 erhalten Beschäftigte und Betriebe seit Anfang 2016 kostenlose Beratung rund um die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Zur Halbzeit zieht die Anlaufstelle „Perspektive, Arbeit & Gesundheit“ (PAG) ein positives Fazit: Das Angebot kommt gut an.

Fast 17 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage bundesweit, in Hamburg sogar 22 Prozent, gehen auf psychische Erkrankungen zurück. Diese stehen damit nach den Muskel- und Skeletterkrankungen auf Platz zwei (DAK-Gesundheitsreport 2015). 43 Prozent der bundesweiten Rentenneuzugänge aufgrund von Erwerbsunfähigkeit waren 2014 auf diese Diagnose zurückzuführen (Statistik der Deutschen Rentenversicherung 2015). Die betroffenen Frührentnerinnen und Frührentner sind zudem mit durchschnittlich 48 Jahren relativ jung, wenn sie aus dem Erwerbsleben ausscheiden müssen.

Niedrigschwelliges Angebot der PAG

Vor diesem Hintergrund startete im Januar 2016 der dreijährige Modellversuch „Perspektive Arbeit & Gesundheit“ (PAG) in Hamburg. Die Anlaufstelle für Beschäftigte und Betriebe ist als niedrigschwelliges und kostenloses Beratungsangebot aufgebaut. Sie wird von der Hamburger Gesundheits- sowie der Sozialbehörde finanziert und vom Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und maritime Medizin (ZfAM) wissenschaftlich begleitet.

In einer Mitteilung der Gesundheitsbehörde zur Halbzeit heißt es, das Angebot komme gut an. Danach nutzten seitdem 206 Beschäftigte und 112 betriebliche Akteure das Angebot, sich Tipps zur psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz zu holen. Insgesamt 820 Beratungskontakte fanden zwischen dem Beraterteam und den Ratsuchenden statt. 70 Prozent davon entfielen auf Rat suchende Arbeitnehmerinnen.

Ziel der Anlaufstelle in der Sternschanze ist es, mit einer orientierenden Erstberatung die persönliche berufliche oder die allgemeine betriebliche Belastungssituation mit Ratsuchenden zu klären, Problemlösungen zu besprechen und gegebenenfalls an originäre Stellen weiter zu vermitteln. Eine einzige orientierende Beratung habe in einer Vielzahl der Fälle genügt, heißt es.

Erstberatung mit qualifizierter Weiterleitung

Mehr als zwei Dritteln der Beschäftigten (70 Prozent) und etwa jedem fünften betrieblichen Akteur (16 Prozent) empfiehlt die Anlaufstelle eine weiterführende Stelle, die konkrete Hilfe leisten kann. Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks: „Damit wird das Ziel der PAG erreicht, eine präventive, orientierende Erstberatung zur Klärung weiterer Schritte und eine qualifizierte Weitervermittlung zu leisten. Die Beratungen zeigen, dass Fragen der Beschäftigungsfähigkeit vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftebedarfes in Unternehmen eine wichtige Rolle spielen.“

Von den betrieblichen Funktionsträgern nutzten zur Halbzeit des Modellversuchs vor allem Mitarbeitervertretungen (38 Prozent) sowie Geschäftsleitungen und Führungskräfte (20 Prozent) das Beratungsangebot der PAG. Während betriebliche Funktionsträger besonders häufig Rat zur systematischen Beurteilung von Arbeitsbedingungen suchen (70 Prozent), sind für mehr als die Hälfte der Beschäftigten vor allem Probleme in den sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz bedeutsam (53 Prozent). Das Thema „Beschäftigungsfähigkeit“ nimmt bei beiden Gruppen eine prominente Stellung ein.

Schwerpunkt im Gesundheits- und Sozialwesen

Vor allem kleinere Betriebe mit weniger Kenntnissen und Ressourcen im Arbeits- und Gesundheitsschutz nutzten das kostenlose Angebot der PAG: 44 Prozent der Ratsuchenden kamen aus kleinen und mittelgroßen Betrieben (KMU). Der Blick auf die Wirtschaftszweige zeigt einen deutlichen Schwerpunkt im Gesundheits- und Sozialwesen: 26 Prozent der Rat suchenden Funktionsträger aus Unternehmen und 27 Prozent der Rat suchenden Beschäftigten stammen aus diesen Bereichen. Jeweils etwa ein Fünftel der Ratsuchenden arbeitet in der Dienstleistungsbranche. Die Ergebnisse einer anonymen schriftlichen Befragung Rat suchender Beschäftigter zeigt, dass sie die Beratung als sehr hilfreich empfinden.

Während betriebliche Funktionsträger über den Kontakt zu einer Gewerkschaft, über Bekannte und über die Medien von der PAG erfahren, finden Rat suchende Beschäftigte vor allem über Akteure im Gesundheitswesen und betriebliche Kontakte den Weg zur Beratung. 70 Prozent der Nutzenden der Anlaufstelle sind weiblich. Etwa ein Drittel der Ratsuchenden ist zwischen 40 und 50 Jahren alt, nur wenige sind jünger als 31 Jahre (6 Prozent) oder älter als 60 Jahre (5 Prozent).

Regionale Ausweitung im Blick

Die Ergebnisse der Evaluation sollen für die Umsetzung des Modellvorhabens in ein regelhaftes Angebot und eine mögliche Ausweitung auf die Metropolregion Hamburg genutzt werden. Darüber hinaus sollen weitere Träger zur Unterstützung gewonnen werden.

(Redaktion)


 


 

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