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Ratgeber für Existenzgründung

Ein Business-Punk provoziert das Establishment

„Brich alle Regeln“, mit diesem Grundsatz haben James Watt und Martin Dickie ihre Craft-Beer-Brauerei BrewDog erfolgreich aufgezogen. In seinem Buch „Business für Punks“ zeigt James Watt, wie es gelungen ist, innerhalb weniger Jahre zu der am schnellsten expandierenden Brauerei Großbritanniens zu werden.

Weil sie nicht das Bier fanden, das ihnen schmeckte, gründeten die beiden Schotten James Watt und Martin Dickie im Jahr 2007 kurzerhand ihre eigene Brauerei, nannten sie BrewDog und mischten schon bald den britischen Biermarkt auf. Denn schnell stellte sich heraus, dass das von Watt und Dickie hergestellte Bier nicht nur den Firmengründern selbst gut schmeckte. Heute ist ihr Unternehmen BrewDog eine weit über die britischen Grenzen hinaus erfolgreiche Brauerei mit eigenen Bars in zahlreichen Metropolen dieser Welt.

„Vernünftig sein ist was für anspruchslose Weicheier“

Einer der Gründer, James Watt, hat jetzt ein Buch veröffentlicht, in dem er die Grundsätze beschreibt, nach denen er und sein Freund James Watt die Firma gegründet und etabliert haben. Das Buch hat den Titel „Business für Punks“ und ist genauso ungewöhnlich und unkonventionell wie das Bier, das sie brauen.

Schon der Blick ins Inhaltsverzeichnis bestätigt diesen Eindruck und so geht es auch im Lauftext weiter. So schreibt Watt über Motivationsredner: „Das sind alles nutzlose, geldgierige Scharlatane. Man sollte sie verbrennen wie Hexen.“ Marktlücken sind ebenfalls etwas, was Watt nicht mag: „Falls dir irgendjemand sagt, du sollst nach einer Marktlücke Ausschau halten, dann jag ihn zum Teufel. Ich habe keinen blassen Schimmer, warum jemand so etwas Dämliches tun sollte. Diese eingebildete Lücke (...) ist der schnellste Weg ins Aus.“ Netzwerken hält er ebenfalls für total überflüssig. O-Ton Watt: „Netzwerken ist wirklich was für Idioten, berauscht von der Illusion ihrer eigenen Bedeutsamkeit. Sie füttern ihre zerbrechlichen Egos mit lauwarmen Canapés, billigem Champagner und Schulterklopfen ihrer Idiotenkollegen“. So geht es munter weiter über insgesamt rund 250 Seiten. Punk halt.

Verkaufen? Überflüssig.

Watts Buch unterscheidet sich nicht nur durch seine markige Sprache von den üblichen Ratgeberbüchern. Auch inhaltlich wirft er so manche Regel auf den Misthaufen. Verkaufen zum Beispiel hält er für überflüssig. Zumindest am Anfang. Zuerst, schreibt er, kommt es darauf an, ein wirklich erstklassiges, einzigartiges Produkt oder eine Dienstleistung zu kreieren: „Du musst dich darauf konzentrieren, etwas wirklich Beachtliches zu machen, etwas Tolles, etwas, das die Leute verzweifelt haben wollen“. Dann kommen die Kunden schon von selbst. Oder die Sache mit Fehlern, aus denen man lernen soll. Quatsch mit Soße, sagt Watt: „Aus Fehlern zu lernen ist was für Loser! Trost in der Tatsache zu finden, dass Fehler dich manchmal etwas lehren, ist jene dämliche Logik, die von geringeren Sterblichen verwendet wird, um damit ihre eigenen Unzulänglichkeiten zu rechtfertigen.“ Peng, das sitzt.

Roter-Reiter-Fazit: Ein brutal starkes Buch! Sprachlich wie inhaltlich ein Kontrapunkt zur üblichen Ratgeberliteratur für Gründer. Man muss nicht jede Meinung teilen, um Freude an diesem Buch zu haben. Und eins steht zudem fest: Dümmer wird man durch die Lektüre ebenfalls nicht. Im Gegenteil. Daher: Volle Punktzahl.

Das Buch: James Watt, „Business für Punks“, Redline Verlag, ISBN 3868816429

(Damian Sicking / www.Roter-Reiter.de)


 


 

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