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Rolfs Kolumne

Keine Angst vor der eigenen Angst!

Die Lernpsychologie sieht die Entstehung von Angst (von lat. Angustus eng, schmal) in einer Assoziation der angstauslösenden Situation mit einem traumatischen Ereignis und die Ursache für psychische Störungen wie Neurosen, Phobien und Depressionen. Aber Angst ist nicht gleich Angst. Sie kann sogar in manchen Situationen einen wichtigen Zweck erfüllen.

Experten unterscheiden grundsätzlich zwischen normaler und krankhafter Angst. Darüber hinaus grenzen sie zwischen den Primärängsten (vor allem Spontanängste und Phopien) von den sekundären Angststörungen ab, die seelische und körperliche Ursachen haben.

Es ist also offensichtlich nicht verkehrt, ein wenig ängstlich zu sein. „Angst“, schrieb der dänische Philosoph Sören Kirkegaard, „enthält die unendliche Möglichkeit des Könnens, die den Motor menschlicher Entwicklung bildet.“ Laut wissenschaftlicher Studien gilt das nicht nur in Bezug auf das nackte Überleben – vielmehr hilft uns eine gewisse Portion Angst dabei, voranzukommen und Erfolg zu haben. Ebenso kann sie uns anstacheln und uns zur Höchstleistung herausfordern.

Bemerkenswert ist, dass es besonders die kreativen Geister waren, die durch besondere Ängstlichkeit auffielen. So ist von Charles Darwin, dem genialen Begründer der Evolutionstheorie, bekannt, dass er einige Jahre vor seinem dreißigsten Geburtstag unerklärliche Anfälle von Luftnot, Herzrasen, Zittern, Weinen und sogar regelrechter Todesangst bekam, die er danach nie wieder loswurde. Selbst der bekannte Komiker Heinz Erhardt trug bei seinen Auftritten stets eine Brille mit Spezialglas, durch die er sein Publikum nur verschwommen erkennen konnte. Es war bekannt, dass er ohne diesen Trick, der ihm einen gewissen Abstand zu den Zuschauern vorgaukelte, sein größtes Maß an Lampenfieber nicht unter Kontrolle bekommen hätte. Sogar unser „Dichterfürst“ Johann Wolfgang von Goethe sowie seinen Schriftstellerkollegen Samuel Beckett und Franz Kafka sagt man nach, immer unter regelmäßigen Panikattacken gelitten zu haben. Selbst Sigmund Freud, der Begründer der Psychotherapie, soll ein Kandidat dieser Attacken gewesen sein.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass ihre Versagensängste zweifellos der Impuls waren, der sie zur Höchstleistung antrieb. Der Zusammenhang zwischen Versagensangst und Leistung ist deshalb nicht neu. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts hat der amerikanische Psychologe Robert M. Yerkes herausgefunden, dass ein geeignetes Maß an Angst respektive Furcht Menschen zu Höchstleistungen beflügeln kann.

Faktum ist, dass es dem Menschen angeboren ist, mit dem Gefühl der Angst reagieren zu können. Es wirkt wie ein Alarmsystem in unserem Körper, so dass wir bei einer Gefahr bereit sind für Kampf, Flucht oder Stillstand. Dabei unterstützt die Angst die Leistungsfähigkeit unseres Körpers und sorgt dafür, dass wir eine Bedrohung erkennen und angemessen darauf reagieren können. Problematisch wird es allerdings, wenn sich die Angst in Panik steigert und wir in eine Stresssituation kommen, in der wir keinen klaren Gedanken mehr fassen können. Die Gefahr ist dann gegeben, dass wir Angst bekommen, obwohl keine akute Gefährdung für die Situation bzw. Leben besteht.

Fazit: Wer aus dem Teufelskreis der Angst vor der eigenen Angst herauskommen möchte, sollte sich stets der Kraft seiner eigenen Gedanken bewusst werden und die Angst nicht als übermächtigen Feind, sondern als besorgten Freund wahrnehmen.

(Rolf Burmester)


 


 

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