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Schlafgesundheit

Immer mehr Hamburger haben keine gute Nacht

Mehr als 41 von 1.000 Beschäftigten in Hamburg hatten 2017 mit ärztlich attestierten Ein- und Durchschlafstörungen zu tun. Das ist laut Barmer-Gesundheitsreport 2019 ein Anstieg von 75 Prozent in elf Jahren.

Gesunder Schlaf fördert die Gesundheit, das Leistungsvermögen und die Produktivität am Arbeitsplatz. Allerdings treten immer weniger Menschen ihren Arbeitstag ausgeschlafen an.

In Hamburg leiden mehr als 51.000 Beschäftigte, rund vier Prozent, unter ärztlich attestierten Ein- und Durchschlafstörungen. Anders gerechnet sind das 41 von 1.000 Beschäftigten. Zu diesem Ergebnis kommt der Barmer-Gesundheitsreport 2019. Die Dunkelziffer liege noch höher, wie eine repräsentative Befragung der Bevölkerung zur Schlafgesundheit aus dem letzten Jahr vermuten lasse. Hier geben rund 35 Prozent der Hamburger zwischen 15 und 74 Jahren an, nicht ausreichend lange zu schlafen und über 30 Prozent haben das Gefühl, unter einer Schlafstörung zu leiden.

Zusammenhang zwischen Schlafstörung und Fehlzeiten

Laut Report waren im Vergleich zu ihren ausgeschlafenen Kollegen die „Schlafmangel-Geplagten“ durchschnittlich 56 Tage im Jahr arbeitsunfähig und damit 36 Fehltage pro Jahr mehr krankgeschrieben. Die Kombination von Schlafstörung und psychischer Grunderkrankung führe zu einer signifikanten Erhöhung der Fehltage.

„Wer nicht ausgeruht ist, kann sich schlechter konzentrieren. In der Folge erhöht sich die Fehlerquote im Arbeitsalltag. Im schlimmsten Fall sind unausgeschlafene Beschäftigte sogar ein Sicherheitsrisiko, etwa dann, wenn sie einen Pkw oder Lkw fahren“, so Frank Liedtke, Landesgeschäftsführer Barmer in Hamburg. Er fordert mehr Prävention von Schlafstörungen in Schule und Beruf sowie eine höhere Behandlungskompetenz bei Ärzten, Therapeuten und Angehörigen anderer Gesundheitsberufe.

Viele Schlafmangelgeplagte gehen nicht zum Arzt

Erhielten im Jahr 2006 noch 24 von 1.000 Beschäftigte in Hamburg die Diagnose Ein- und Durchschlafstörung, stieg die Anzahl der betroffenen im Jahr 2017 auf 41 – ein Anstieg von knapp 75 Prozent. „Die aktuelle Entwicklung betrachten wir mit Sorge. Sind doch die Auswirkungen von Schlafstörungen auf die Gesundheit und das Leistungsvermögen von Beschäftigten bislang drastisch unterschätzt worden“, sagt Frank Liedtke. Denn stellt man die Befragungsergebnisse der Erhebung „Schlafgesundheit in Deutschland“ und die im Barmer Gesundheitsreport 2019 analysierten Diagnosezahlen gegenüber, wird sichtbar, dass weniger als die Hälfte der Betroffenen mit subjektiv empfundenen Schlafstörungen zum Arzt gehen.

Schlafstörungen eng mit psychischen Erkrankungen verbunden

Häufige Symptome von Schlafstörungen sind Tagesmüdigkeit mit Einschlafneigung, vermehrte Reizbarkeit oder Konzentrationsstörungen aber auch depressive Verstimmungen. Seelische Leiden drücken sich wiederum häufig in Schlafstörungen aus. So wurde bei rund 53 Prozent der Betroffenen eine anhaltende, krankhaft veränderte negative Grundstimmung, fachsprachlich eine affektive Störung, diagnostiziert.

Im Winter infektanfälliger

Auch die Funktion des Immunsystems kann durch Schlafstörungen beeinträchtigt sein. So nimmt zum Beispiel im Winter die Infektanfälligkeit durch Schlafstörungen zu. Erste wissenschaftliche Daten sprechen auch dafür, dass bei sehr langfristig bestehenden schweren Schlafstörungen möglicherweise das Krebsrisiko ansteigt. Längerfristig bestehende Schlafstörungen jeglicher Art erhöhen das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, es steigt zum Beispiel der Blutdruck, es nehmen Herzrhythmusstörungen zu, insbesondere das Risiko von Schlaganfällen steigt an.

Auch der Stoffwechsel des Organismus wird durch quantitative und/oder qualitative Schlafstörungen beeinträchtigt. Vor allem der Kohlenhydratstoffwechsel ändert sich durch eine zunehmende Insulinresistenz, damit steigt das Risiko für einen Diabetes bzw. ein sogenanntes metabolisches Syndrom.

Schichtarbeiter leben gegen den Biorhythmus

Beschäftigte im Schichtdienst leben oft entgegen einem natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus.
Das mit Abstand größte Risiko, an Schlafstörungen zu erkranken, haben unter den Beschäftigten Bus- und Straßenbahnfahrer, gefolgt von Maschinen- und Anlagenführern. Auch Beschäftigungen im Objekt-, Werte- und Personenschutz sowie Tätigkeiten in Callcentern bergen nach Analysen des Gesundheitsreports ein großes Risiko für diese Störungen. In den genannten Berufen kommt Schicht- und Nachtarbeit vergleichsweise häufig vor. Hier finden sich oft überdurchschnittlich viele erkrankungsbedingte Fehlzeiten je Jahr.

Lösungsansätze

Dr. med. Johannes Wiedemann, Facharzt für Innere Medizin/Pneumologie, Allergologie und Schlafmedizin beschreibt die Situation so: „Das grundsätzliche Problem liegt darin, dass wir unseren Körper nicht überlisten und unseren Biorhythmus nicht komplett umstellen können. Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, bei der Dienstplangestaltung, Beachtung bestimmter Schlafenszeiten am Tage und auch Optimierung der Lichtverhältnisse am Arbeitsplatz, Schlafstörungen in Folge von Schichtarbeit vorzubeugen.“

Hamburger Daten und Fakten zu Fehlzeiten

In Hamburg haben 2018 laut dem aktuellen Gesundheitsreport der Krankenkasse weniger Menschen krankheitsbedingt bei der Arbeit gefehlt als im Bundesdurchschnitt. Dennoch stiegen die Fehlzeiten in Hamburg im Vergleich zum Vorjahr um 3,75 Prozent auf durchschnittlich 16,6 Fehltage. Die Hamburger fehlten damit rund 1,7 Tage weniger als der Durchschnitt aller Berufstätigen in Deutschland. Eine Krankschreibung dauerte je Krankheitsfall in Hamburg durchschnittlich 14,3 Tage. Der Krankenstand stieg in Hamburg von 4,38 Prozent im Jahr 2017 auf 4,53 Prozent im Jahr 2018.

(Redaktion)


 


 

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