Sie sind hier: Startseite Hamburg Leben Gesundheit & Sport
Weitere Artikel
Medikamentenpackungen

Schummelei bei der Arznei-Abrechnung?

Medienberichten zufolge haben Apotheken bei der Abrechnung von Medikamentenpackungen getrickst, um sich Zusatzprofite zu sichern. Omeprazol, ein beliebtes Magenmedikament, sei beispielsweise häufig in mehreren kleinen, statt einzelnen Großpackungen ausgegeben worden. Die Kleinpackungen seien aber auf die gleiche Menge hochgerechnet günstiger als die Großpackung. Die Apotheker werden jedoch beschuldigt, bei den Krankenkassen die höheren Preise der Großpackungen abgerechnet zu haben.

Stückelung sehr weit verbreitet

Laut einem Bericht des ARD-Magazins "Report München" scheint diese Stückelung von Medikamentenpackungen ziemlich verbreitet zu sein, denn eine häufig verwendete Apotheker-Software gibt dem Pharmazeuten sogar an, welchen Zusatzgewinn er jeweils mit welcher Stückelung erzielen kann. Einige Apotheker gehen sogar soweit, mehrere Kleinpackungen mit Klebeband zu einer Großpackung zusammenzukleben. Bei normalen Konsumgütern ist es für gewöhnlich so, dass, gemessen an der Gesamtmenge, kleinere Packungen deutlich teurer sind als Großpackungen. Warum gerade bei Medikamenten die Lage andersherum sein sollte, leuchtet zunächst nicht ein. Prof. Gerd Glaeske, Sachverständiger der Bundesregierung vermutet, dass die Pharmahersteller durch solche Profite den Apotheker an ihre Produkte binden wollen.

Gerade wenn die Entscheidung über ein bestimmtes Produkt vom Arzt an den Apotheker abgetreten wird, könnte laut Glaeske der Apotheker dazu geneigt sein, sich für einen Hersteller zu entscheiden, der ihm den größten Gewinn bietet. Allein bei Omeprazol könnte die Differenz laut "Report München" jährlich bei rund 20 Millionen Euro liegen ˆ ein ungeheurer Schaden für die Krankenkassen. Der Pharmaverband Pro Generika und der Hersteller Stada wollten sich gegenüber den Reportern zu den Vorwürfen nicht äußern. Thomas Bellartz vom Deutschen Apothekerverband erklärte, dass die Stückelung Gang und Gäbe sei und zum Alltag in der Apotheke gehöre. Dies läge an der Lieferfähigkeit der Produzenten. Die Stückelung zum alleinigen Zwecke der Gewinnmaximierung sähe er allerdings auch als falsch an und ein solches Verhalten müsse geahndet werden.

Gängige Praxis in Apotheken

Im Test stellten die Journalisten Erstaunliches fest. Eine Stichprobe bei KKH-Allianz-Versicherten ergab, dass in sechs von zehn Fällen gestückelt wurde und dass tatsächlich fünf Millionen mehr 15er-Packungen vom Hersteller eingekauft wurden, als per Rezept abgerechnet, während zwei Millionen mehr Rezepte für 60er- und 100er-Packungen bei den Krankenkassen abgerechnet wurden, als die Apotheken einkauften.

Testkäufe mit einem Rezept für eine 60er Packung zeigten, welche Profite durch die Stückelungen möglich sind. Bei einer Abgabe von vier 15er-Packungen macht der Apotheker über 100 Prozent Gewinn, zwei 30er Packungen brächten ihm gar 137 Prozent Zusatzprofit ein. In einem Fall wurde statt einer 100er Großpackung Omeprazol von der Apothekerin vorgeschlagen, sieben 15er-Packungen zu kaufen, was ihr ganze 200 Prozent Mehrgewinn eingebracht hätte - mit dem Produkt eines Konkurrenzherstellers wären es sogar 350 Prozent gewesen. Dabei hätten jedoch verbotenerweise 105 statt der verschriebenen 100 Tabletten den Besitzer gewechselt.

Eine weitere Apothekerin verriet sich beim Einlösen des Test-Rezepts, sie hatte die Abrechnung bereits mit der Pharmazentralnummer für die 60er-Großpackung bedruckt, wollte dem Patienten aber zwei 30er-Packungen aushändigen.

(Redaktion)


 


 

Apotheke
Medikamente
Abrechnung
Mogelpackungen
Skandal
Pharma
Bestechung

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Apotheke" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: