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  • 04.07.2013, 09:29 Uhr
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  • Münsterland
Schweinefleisch-Probleme

Dem Ebergeruch auf der Spur

Das Nackensteak brutzelt auf dem Grill. Bevor das Wasser im Mund endgültig zusammenläuft, meldet die Nase einen Duft, als sei es in Gülle mariniert worden. In diesem Fall stammt das gute Fleischstück von einem männlichen Schwein - der sogenannte Ebergeruch macht es ungenießbar.

Seit Jahrhunderten werden männliche Ferkel betäubungslos kastriert, um den Ebergeruch des Fleisches zu vermeiden. Dieser Alltag wird aus Tierschutzgründen bald Geschichte.

Die Genossenschaft zur Förderung der Schweinezucht (GfS) in Ascheberg ist mit Eberhaltern, Schlachthöfen und Wissenschaftlern dem Geruch auf der Spur. Nur acht von zehn Menschen riechen ihn, höchstens 40 Prozent der Tiere tragen ihn in sich. Dr. Meike Friedrichs, stellvertretende GfS-Geschäftsführerin, erklärt: „Der Ebergeruch setzt sich im Fett ab, besonders stark im Nacken. Bisher wird dieser Speck jedes Tieres auf den Schlachthöfen erhitzt und Mitarbeiter riechen dann, ob der Duft da ist.“

Eine elektrische Nase, die menschliche Schnüffelei zum Finden von „Stinkern“ ablöst, ist bisher nicht gefunden worden. Anders sieht es beim Vererben des Geruchs aus. „Wir weisen nach langen Analysen jetzt geruchsarme Eber aus, die sich für die Ebermast eignen“, berichtet Friedrichs. Langfristig lasse sich der unangenehme Duft züchterisch halbieren, glaubt die Expertin, aber: „Er wird sich nicht völlig ausschließen lassen.“

Unkastrierte Tiere verwerten das Futter besser und verbrauchen weniger, sodass die Kosten nicht steigen. Zudem haben sie ein besseres Fleisch/Fettverhältnis. Mit der Mast von Ebern hat Landwirt Georg Freisfeld dazu beigetragen, dass solche Ergebnisse vorliegen. Der Ascheberger will helfen, dass „wir Landwirte die größte Herausforderung in der Schweinemast, die es je gegeben hat, bewältigen können.“

Seine Erfahrung ist positiv: „Wir haben weniger Probleme, als viele vermutet haben.“ Jungeber seien deutlich lebhafter als die weiblichen Tiere, kreischten, drängelten und rempelten mehr. Die Ungeduld hat Freisfeld beim Füttern erlebt. Als er zuerst weibliche Tiere bediente, machten die Eber Krawall, jetzt sind sie zuerst an der Reihe und es herrscht schnell Ruhe im Stall. Solche Erkenntnisse bringen die Landwirtschaft weiter. Beendet ist die Suche nach Lösungen aber nicht.

(Theo Heitbaum)


 


 

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