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Seeschifffahrt & Meeresforschung

20. Gesamtaufnahme der Nordsee in Vorbereitung

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie startet im August 2017 in Hamburg seine 20. Gesamtaufnahme der Nordsee.

Das irische Forschungsschiff „Celtic Explorer“ wird am 11. August 2017 auf seinem Liegeplatz am Süd-West-Terminal in Hamburg für die Expedition eingerichtet, am Morgen des 12. August soll es dort ablegen, um bereits vor Stade die ersten Proben auf der Elbe zu nehmen.

Auf der in diesem Jahr fast exakt 3.600 Seemeilen langen Forschungsfahrt sollen elf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Technikerinnen und Techniker aktuelle ozeanographische und meereschemische Daten ermitteln und das Seewasser auf die Konzentration ausgewählter künstlicher Radionuklide untersuchen, wie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mitteilt. Die Daten sollen einer aktuellen Zustandsbewertung der Nordsee und der Erfassung klimabedingter Veränderungen in der Nordsee dienen.

Der erste Abschnitt der Reise mit der „Celtic Explorer“ unter Leitung des Ozeanographen Holger Klein, soll am 3. September im schottischen Aberdeen enden. Dort beginnt gleichzeitig der zweite Abschnitt mit einer engmaschigen chemischen und ozeanographischen Beprobung der Deutschen Bucht und Messungen in der Ostsee unter der Leitung des Meteorologen Dr. Andreas Weigelt. Ende des zweiten Reiseabschnitts soll am 18. September in Kiel sein.

Datenerhebung an mehr als 100 festen Stationen

Seit 1998 fährt das BSH, die zentrale maritime Behörde der Bundesrepublik Deutschland, mit wechselnden Schiffen auf einem Raster ein Netz von ortsfesten Stationen ab, auf denen das Schiff für ozeanographische und chemische Profilmessungen und zur Entnahme von Wasser- und teilweise auch Sedimentproben einen Halt einlegt. Die auf den mehr als hundert Stationen erhobenen Daten dienten zur detaillierten Bestimmung der räumlichen Verteilung von Temperatur, Salzgehalt und Dichte des Seewassers, der Analyse von Nährstoffen, Spurenmetallen und organischen Schadstoffen, zur Bestimmung der Sauerstoffsättigung, der Alkalinität und des pH-Wertes des Seewassers, so das BSH. Ferner werden demnach die oberflächennahe Chlorophyll- und Trübstoffverteilung sowie die Sichttiefe des Meerwassers bestimmt. Diese Messungen dienen etwa der Überprüfung und Validierung optischer Sensoren auf Satelliten, die vom BSH ganzjährig zur Zustandsbewertung von Nord- und Ostsee genutzt werden.

Erfassung sichtbarer Verschmutzung und luftchemische Messungen

Zusätzlich wird seit 2014 die Meeresoberfläche mit einem feinmaschigen Schleppnetz stichprobenartig auf sichtbare Verschmutzungen untersucht wie zum Beispiel Mineralölprodukte (etwa Paraffinwachs) und Pflanzenfette, heißt es. Ein weiterer Schwerpunkt sind demnach die seit 2013 im Rahmen des Projektes „MeSMarT“ – Measurements of Shipping Emissions in the Marine Troposphere – durchgeführten luftchemischen Messungen zur Erfassung der Luftbelastung mit Schwefeldioxid, Stickoxiden und weiteren Schiffsemissionen.

Ein Teil der Daten werde bereits an Bord für eine erste Bewertung analysiert, eine detaillierte Aus- und Bewertung, insbesondere vieler chemischer Parameter, seiaber erst nach Rückkehr und zusätzlichen Analysen im Labor möglich, so das BSH. Das eingespielte wissenschaftlich-technische Team arbeite während der Gesamtaufnahme in drei Schichten rund um die Uhr (7/24). Die erhobenen Daten dokumentierten den aktuellen Nordseezustand und dessen langfristige Entwicklung über die letzten 20 Jahre. Damit seien sie auch ein wichtiger Beitrag zur Erfüllung der deutschen Monitoringverpflichtungen im Rahmen der europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) und helfen bei der Überprüfung von operationellen Ozeanmodellen.

Die Langfristigkeit dieser Messungen zusammen mit der Kombination von physikalischen und chemischen Parametern ist von besonderer Bedeutung für die Plausibilitätskontrolle von Klimaszenarien und die Bewertung klimabedingter Veränderungen in der Nordsee, wie das BSH betont. Erst derartig lange Zeitserien ermöglichten die Trennung der eigentlichen Klimasignale von der hohen natürlichen Variabilität der Nordsee. Damit lieferten die in den letzten 20 Jahren erhobenen Daten auch einen wichtigen Beitrag im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel und seien Grundlage für die vielfältigen Untersuchungen des Expertennetzwerkes „Wissen – Können – Handeln“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur zur Anpassung der Verkehrsträger an den Klimawandel sowie für das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „RACE-II – Regional Atlantic Circulation and Global ChangE“.

Parallel zu eigenen Analysen gibt das BSH seine Messdaten nach eigenen Abgaben auch an nationale und internationale wissenschaftliche Einrichtungen weiter. Durch die langfristige Erfassung und Archivierung maritimer Daten verfüge das BSH über lange Beobachtungsreihen und sei damit auch ein wichtiger Partner für andere wissenschaftliche Einrichtungen.

(Redaktion)


 


 

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