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Sharing Economy

Studie: Kunden bejahen Gesetzesbrüche bei Startups

Kunden lieben Anarchie bei Unternehmen der Sharing Economy – besonders wenn sie das übertretene Gesetz für illegitim halten. Das zeigt eine wissenschaftliche Studie an der Universität Hohenheim.

Privat-Taxis zum günstigen Preis kommen bei vielen gut an. Und wenn der Anbieter dabei bestehende Gesetze bricht, sollte man ihn erst Recht unterstützen. Vor allem wenn es sich um eine unsinnige Rechtsvorschrift handelt. Diese Kunden-Sicht ist der Tenor einer Untersuchung an der Universität Hohenheim.

Wie die Hochschule bekanntgab, haben Prof. Dr. Marion Büttgen und Mattias Steinert vom Fachgebiet Unternehmensführung untersucht, wie potenzielle Kunden anarchisches Verhalten von Startup-Unternehmen der Sharing Economy empfinden. Steinert führte dazu im Rahmen seiner Masterarbeit ein Online-Experiment durch, bei dem er insgesamt 650 Probanden (davon 334 abgeschlossene Befragungen) Szenarien zu einem fiktiven Carsharing-Unternehmen vorlegte.

Die Fall-Konstellation: Das Unternehmen Driver4U vermittelt mittels Handy App Fahrgäste an Privatpersonen, die sich mit ihrem Privat-PKW als Chauffeure anbieten – zu einem Preis weit unter den üblichen Taxi-Tarifen. Die Billig-Konkurrenz ist den etablierten Taxi-Unternehmen ein Dorn im Auge. Sie reichen Klage gegen Driver4U ein. Ein Gericht verbietet Driver4U den Geschäftsbetrieb.

Dann hätten sie das anarchische Verhalten des Unternehmens und die Legitimität der gebrochenen Rechtsvorschrift für verschiedene Teilnehmer-Gruppen variiert, erklärt Prof. Dr. Büttgen das Experiment.

Variation des anarchischen Verhaltens nach fiktivem Gerichtsurteil

Variante 1: Die Probanden in dieser Gruppe erfahren, dass sich Driver4U einen Tag nach dem Urteil reumütig zeigt und ab sofort die ortsüblichen Taxitarife verlangen will. Zusätzlich ermuntert es seine Fahrer, einen Personenbeförderungsschein zu erwerben und will die Kosten dafür tragen.

Variante 2: Hier feiert Driver4U einen Tag nach dem Urteil, in den letzten 24 Stunden ein beispielloses Wachstum bei Neuanmeldungen zu verzeichnen. Ganz so, als wäre die Schlappe vor Gericht ein Marketingcoup. Die Driver4U-Fahrer rollen trotz Verbot weiter.

Variation der Legitimität der gebrochenen Rechtsvorschrift

Variante 1: Den Probanden wird als gesetzliche Grundlage des Urteils eine historische Reichsverordnung von 1941 benannt. Sie begrenze die maximale Wochenarbeitszeit bei der Personenbeförderung, um die Wehrtauglichkeit der Chauffeure nicht zu gefährden.

Variante 2: Grundlage des Urteils ist bei dieser Variante ein Gesetz, das Geringverdienern wie Taxifahrern eine Existenzgrundlage schaffen soll. Dazu zählt die Zusicherung eines gesetzlichen Mindestlohns.

Anarchisches Verhalten kann bei Kunden punkten

Im Anschluss an die Beschreibung des jeweiligen Szenarios erhielten sämtliche Studienteilnehmenden einen Fragebogen. Das Ergebnis: Im Fall des anarchischen Unternehmensverhaltens sind die Probanden eher bereit, das Angebot zu nutzen als im Fall des rechtskonformen Verhaltens. Dieser Effekt werde noch verstärkt, wenn die übertretene Rechtsvorschrift als illegitim anzusehen sei“, so Prof. Dr. Büttgen.

Bei der Kombination von Varianten, bei der das Urteil auf der historischen Reichsverordnung beruhe und Driver4U es einfach ignoriere, empfänden die Befragten dann auch das Leistungsangebot des Unternehmens als nützlicher und würden es eher weiterempfehlen. Ein reumütiges Unternehmen, das ein Herz für Geringverdiener habe, sähen die Probanden dagegen als weniger nützlich an und würden es auch kaum weiterempfehlen.

„Beide Faktoren, die wir im Versuch variiert haben – das anarchische Verhalten und die Legitimität der gebrochenen Rechtsvorschrift – können daher für den wirtschaftlichen Erfolg von Startup -Unternehmen von Bedeutung sein. Anarchisch agierende Unternehmen gelten als rebellisch und können von diesem Coolness-Faktor bei ihren potenziellen Kunden profitieren“, betont die Forscherin.

(Redaktion)


 


 

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