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  • 16.04.2015, 07:21 Uhr
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  • Berlin
Studie

Deutsches Stiftungswesen will mehr, als es leisten kann

Deutsche Stiftungen sehen ihre Rolle mehrheitlich darin, staatliche Leistungen zu ergänzen oder gar ganz zu übernehmen, können diesem Anspruch jedoch nicht gerecht werden. Es mangelt an finanziellen Mitteln, Strategie und Nachhaltigkeit - nicht jedoch an Selbstbewusstsein und Engagement.

 Das ist das vorläufige Ergebnis der ersten unabhängigen wissenschaftlichen Untersuchung zum Selbstverständnis deutscher Stiftungen, durchgeführt von der Berliner Hertie School of Governance und dem Centrum für soziale Investitionen und Innovationen der Universität Heidelberg unter der Leitung von Helmut K. Anheier, Soziologieprofessor und Präsident der Hertie School.

Das deutsche Stiftungswesen wird getragen vom ehrenamtlichen Engagement der über 18.000 meist kleinen privaten Stiftungen, die mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein, klaren, aber oft hoch gesteckten Zielen und letztlich knappen Mitteln einen Beitrag leisten möchten. Über zwei Drittel (67 Prozent) haben ein Jahresbudget von unter 100.000 Euro. Ein fast genauso hoher Anteil (63 Prozent) der Stiftungen sieht sich in der Rolle, für den Staat einzuspringen. Mit geschätzten 12,5 Mrd. Euro, die deutsche Stiftungen jährlich für ihre Ziele ausgeben, lassen sich staatliche Leistungen jedoch nicht einmal annähernd ausgleichen, sondern allenfalls punktuell ergänzen oder anstoßen. Als Impulsgeber versteht sich aber nur eine Minderheit der Stiftungen. "Ein Großteil der Stiftungen muss die eigene Selbsteinschätzung dringend an die tatsächlich gegebenen finanziellen Möglichkeiten anpassen", empfiehlt Helmut Anheier.

Insgesamt attestiert die Studie dem deutschen Stiftungswesen ein ausgeprägtes Engagement für die Gesellschaft und eine Haltung des "Sich-Kümmerns", insbesondere im lokalen und regionalen Rahmen. Hier engagieren sich tausende von Stiftern und Ehrenamtlichen für das Gemeinwohl. Professionell arbeitende Groß-Stiftungen mit hauptamtlichen Mitarbeitern, die im nationalen und internationalen Rahmen agieren, bilden die Ausnahme. Deren Selbstwahrnehmung unterscheidet sich deutlich vom Durchschnitt. Helmut Anheier sieht in dieser Heterogenität eine besondere Herausforderung und wünscht sich ein stärkeres Engagement der Politik: "Obwohl das deutsche Stiftungswesen breit aufgestellt ist und eines der größten der Welt darstellt, gibt es bisher kein politisches Konzept und kaum Interesse. Hier besteht großer Nachholbedarf, damit Stiftungen in ihrer Gesamtheit auch das leisten, was sie könnten." So stelle sich die Frage, ob angesichts der großen Unterschiede in der Stiftungslandschaft mit ihren vielen kleinen und wenigen großen Stiftungen, die aber geschätzte 90 Prozent der Ausgaben tätigten, eine einheitliche Stiftungspolitik und Verbandsstruktur sinnvoll sei. Für die Studie wurden 1.000 Stiftungen aus einer für die Untersuchung neu zusammengestellten Grunddatei von etwa 18.000 privaten Stiftungen ausgewählt und durch TNS Infratest zu ihrer selbst wahrgenommen Rolle und Arbeitsweise, ihrem Verhältnis zu Staat, Wirtschaft und Öffentlichkeit sowie ihren Stärken und Schwächen befragt. Die Stichprobe wurde so gewichtet, dass die Ergebnisse nach Bundesländern, Gründungszeitraum und Hauptzwecken repräsentativ sind. Die vollständigen Ergebnisse des bis zum Herbst 2015 laufenden Forschungsprojekts werden 2016 veröffentlicht. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Bildung und Erziehung, Wissenschaft und Forschung, Soziales sowie Kunst und Kultur. Die Umfrage wurde ermöglicht durch die Unterstützung der Robert Bosch Stiftung, der Volkswagen Stiftung und des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft.

Eine Zusammenfassung der ersten Studienergebnisse steht unter http://bit.ly/Stiftungsstudie zum Download bereit. (Quelle: News Aktuell)

(Redaktion)


 

 

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