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Scheidungskinder rauchen mehr

Scheidungskinder greifen früher und öfter als Gleichaltrige aus klassischen Familienverhältnissen zur Zigarette. Das ist das zentrale Ergebnis einer neuen DIW-Studie.

DIW-Forscher: „Stressfaktor Elterntrennung lässt Jugendliche zur Zigarette greifen.“

Scheidungskinder greifen früher und öfter als Gleichaltrige aus klassischen Familienverhältnissen zur Zigarette. Das ist das zentrale Ergebnis einer neuen DIW-Studie. Demnach haben Jugendliche und junge Erwachsene ein deutlich höheres Rauchrisiko, wenn sie in Alleinerzieher-Haushalten aufwachsen. „Insbesondere die Scheidung der Eltern während der Kindheit erhöht das Rauchrisiko“, sagt DIW-Experte Thomas Siedler. „Das Aufwachsen mit einer alleinerziehenden Mutter oder der Tod des Vaters haben dagegen keinen großen Einfluss auf das Rauchverhalten Jugendlicher und junger Erwachsener.“

Gut 40 Prozent der jungen Leute aus Alleinerzieher-Haushalten sind Raucher. Dagegen liegt der Raucheranteil nur bei 35 Prozent, wenn die Jugendlichen bei beiden Eltern aufwachsen. Das betrifft vor allem Ostdeutschland: Fast ein Drittel der Jugendlichen in den neuen Bundesländern wächst in nicht-traditionellen Familien auf. „Generell ist der Tabakkonsum bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Osten etwas höher als im Westen“, sagt Thomas Siedler, Autor der Studie. „Aber auch der Zusammenhang zwischen Familienform und Rauchverhalten fällt in Ostdeutschland besonders auf.“ Die DIW-Studie beruht auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) über den Zusammenhang zwischen dem Rauchverhalten und dem Familienumfeld junger Menschen, die zum Zeitpunkt der Befragung durchschnittlich 24 Jahre alt waren. Unterschieden wurde dabei zwischen ostdeutschen, westdeutschen sowie Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Scheidung erhöht Rauchrisiko um rund ein Viertel

Der entscheidende Auslöser für den Griff zur Zigarette ist bei allen drei untersuchten Bevölkerungsgruppen die Scheidung der Eltern: Bei Westdeutschen steigt das Rauchrisiko von Scheidungskindern um 14 Prozentpunkte, bei Menschen mit Migrationshintergrund und Ostdeutschen sogar um rund 25 Prozentpunkte.
Insgesamt steigt die Rauchwahrscheinlichkeit im Westen um acht Prozentpunkte, im Osten und bei Migranten um 16 Prozentpunkte, wenn die Kinder nicht in einer „klassischen Familie“ aufwachsen. Zusätzlich ist auch der durchschnittliche Tabakkonsum höher: Die Wahrscheinlichkeit, täglich zehn Zigaretten oder mehr zu rauchen, erhöht sich in allen drei Bevölkerungsgruppen. Großen Einfluss hat zudem das Rauchverhalten der Mutter: Greift sie zur Zigarette, steigt die Rauchwahrscheinlichkeit ihrer Kinder um etwa 20 Prozentpunkte. 

Tabakkonsum in Deutschland sinkt

Die Raucherquote in Deutschland geht seit Jahren zurück, momentan raucht noch ein Drittel der Erwachsenen. „Vor allem bei Jugendlichen haben politische Maßnahmen gewirkt“, so DIW-Experte Siedler. Dazu zählten etwa die Anhebung der Tabaksteuer, ein Abgabeverbot an Minderjährige, Rauchverbote in öffentlichen Einrichtungen sowie die Einführung eines Chipkartensystems für alle Zigarettenautomaten. Um den Tabakkonsum weiter effektiv zu bekämpfen seien aber weitere Maßnahmen nötig. Thomas Siedler: Die Scheidung der Eltern ist für junge Menschen ein großer Stressfaktor, der oft zum Griff nach der Zigarette führt.“ 

(DIW Berlin)


 


 

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