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Korruption in Hamburg

Tatort Wirtschaft: Wenige Bestechungsfälle, hoher Bedrohungsgrad, große Schäden

Korruption ist ein (noch) seltenes, aber sehr gefürchtetes Phänomen in der Hamburger Wirtschaft, das sehr hohe Schäden für die Unternehmen verursacht. Dies sind die wichtigsten Teilergebnisse einer Befragung des Vereins PRO HONORE und der Handelskammer unter mehr als 400 Unternehmen der Hansestadt zum Thema „Korruption“.

Die Umfrage ist Teil einer Studie über Wirtschaftskriminalität in Hamburg, die im Rahmen der im April 2008 von Senat und Wirtschaft geschlossenen „Kooperation gegen Wirtschaftskriminalität und Wirtschaftsspionage“ durchgeführt wurde und im Herbst 2009 veröffentlicht wird. 

So berichte nur jede 20. der befragten Firmen von konkreten Korruptionsfällen, so Nikolaus von der Decken, Vorsitzender von PRO HONORE.

Die Bedrohung durch Korruption werde aber deutlich höher eingeschätzt: Eins von neun Unternehmen sehe sich aktuell bedroht, mehr als ein Drittel erwarte einen Anstieg in den nächsten fünf Jahren. Die von den Unternehmen gemeldeten Schadenshöhen lägen selten unter 10.000 Euro, aber auch Schäden in Millionenhöhe seien möglich. Ein weiteres Resultat der Befragung: Korruption betrifft alle Branchen und ist ein Phänomen sowohl bei kleinen als auch großen Firmen. Eine besondere „Korruptions-Affinität“ bei Behördenentscheidungen belegt die Umfrage nicht. Dazu von der Decken: „Die präventiven Antikorruptionsveranstaltungen und die Arbeit der Dienstelle Interne Ermittlung scheinen somit zu greifen.“ 

Der persönlich haftende Gesellschafter der Creditreform Hamburg, warnte davor, dass sich Abschöpfung von durch Korruption erlangten Gewinnen, Schadenersatz an Vertragspartner oder Wettbewerber einschließlich Zinsen, Strafzahlungen und der Verlust wichtiger Auftraggeber gerade bei lang laufenden korruptiven Beziehungen zu existentiellen Risiken für die Beteiligten auswachsen könnten. Die Wirtschaft könne sich gegen Korruption schützen, indem die Mitarbeiter in Schulungsprogrammen für das Thema sensibilisiert und sie zu Hinweisen auf Verdachtsfälle ermutigt und Hinweisgeber geschützt würden,  ein Ansprechpartner – ein „ Compliance Officer“ – ernannt sowie die Einschaltung von externer Hilfe (Ombudsmann/Vertrauensstelle) ermöglicht würde. Hier gebe es laut von der Decken allerdings noch Handlungsbedarf, denn nur etwa zehn Prozent der Befragten hätten dies in ihrem Haus bereits geregelt. Auch die Hilfsangebote der Handelskammer, PRO HONORE und der Stadt seien noch mehr als zwei Drittel der Unternehmen unbekannt, nur zehn Prozent nutzten sie. 

Von der Decken forderte den Gesetzgeber auf, unnötige bürokratische Belastungen abzubauen. Insbesondere dort, wo die Betroffenen Entscheidungen, zum Beispiel aufgrund der Regelungsdichte, nicht mehr nachvollziehen könnten, befürchteten sie Benachteiligung durch Korruption. „Der Paragrafen-Dschungel kann ein guter Nährboden für Korruption sein.“    

Ulrich Brehmer,  Leiter des Handelskammer-Stabsbereichs „Sicherheit in der Wirtschaft“ sagte über die Bedeutung des Themas ins Hamburg:

„Korruption und Wirtschaftskriminalität schaden den Unternehmen, schaden dem Wirtschaftsstandort und verursachen erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden.“ Deshalb unterstütze die Handelskammer und die gesamte Hamburger Wirtschaft jede Aktivität zum Kampf gegen Korruption und Wirtschaftskriminalität. Dabei sei die Vertrauensstelle der Hamburger Wirtschaft ein ganz herausragendes Beispiel für die Eigeninitiative der Unternehmen zum Kampf gegen Korruption. Brehmer wörtlich: „Immer wieder wird uns bescheinigt, dass wir damit im bundesweiten Vergleich ein besonders deutliches und sichtbares Signal gegen unredliches und strafbares Verhalten in der Wirtschaft setzen. Gemeinsam mit den Verantwortlichen von Seiten der Justiz und der Strafverfolgungsbehörden, gemeinsam mit dem Dezernat Interne Ermittlungen der Behörde für Inneres, dem Landeskriminalamt und der Staatsanwaltschaft kämpft die Hamburger Wirtschaft gegen Korruption und Wirtschaftskriminalität, die uns allen, den Unternehmen, deren Mitarbeitern und unserem Wirtschaftsstandort insgesamt erheblichen Schaden zufügt.“

Über PRO HONORE

PRO HONORE wurde 1925 insbesondere als Reaktion auf die während der vorausgegangenen Hyperinflation grassierenden Unsitten in der Hamburger Wirtschaft gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern zählte neben Bürgermeister Karl-Friedrich Petersen und dem Bankier Max M. Warburg auch die Handelskammer. Motto des Vereins war der „Kampf gegen das Bestechungs- und Schmiergeldunwesen und für Ehrbarkeit in Handel und Wandel“. 2003 wurde zusätzlich eine Vertrauensstelle zur Bekämpfung der Korruption in der Hamburger Wirtschaft eingerichtet. Betroffene und Hinweisgeber können sich an die Einrichtung wenden und sich unter Wahrung ihrer Anonymität beraten lassen.

(Redaktion)


 


 

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1 Kommentar

von Karin Schneider
28.08.09 09:06 Uhr
Umfragen verschleiern die Wahrheit !

Eher seltenes Phaenomen? Fakt ist dasWirtschaftskriminalität wie Korruption-Spionage-Bestechung-Sabotage etc in deutschen abber auch internationalen Unternehmen eine gängige Machart sind und unter dem Deckmantel des Schweigens zum guten Ton gehört.
Auslöser sind das Streben nach Macht,Gier und mit teilweise obskuren
Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Politik.Skandal und Affären sind zu 90 % hausgemacht zumal es erhebliche Defizite im Sicherheitsmanagement gibt. Karin Schneider ManagerSOS

 

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