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Terroranschläge in Paris

Steht uns eine Spaltung der Gesellschaft bevor?

„Je suis Charlie“ – der Börsen- und Osteuropa-Experte Andreas Männicke wirft einen aktuellen Blick auf die Terroranschläge in Paris und der Welt, beleuchtet die Situation in der Ukraine und die volatile Moskauer Börse.

Die Terroranschläge in Paris am 7. und 8. Januar 2015, wo durch drei Terroristen 17 Menschen starben, hat die westliche Welt aufgeschreckt und zu der Solidaritätsaktion „Je suis Charlie“ (Ich bin Charlie) mobilisiert. Es ist gut, wenn nun Moslems, Juden und Christen sich solidarisieren, denn das Säen von Hass und die Spaltung der Gesellschaft müssen unbedingt vermieden werden. „Nicht in meinen Namen“ sollten aber nicht nur bei Terroranschlägen in der westlichen Welt, sondern überall in der Welt gelten, was leider nicht überall so wie jetzt in Paris der Fall ist.

Nicht wenige Menschen fühlten sich an den Terroranschlag 11. September 2011 in New York erinnert. Wieder waren es drei Anhänger des radikalen Islams, die die Welt schockten. Über eine Million Menschen fanden sich am 11. Januar 2015 in Paris ein und über 30.000 am Freitag in Dresden, um gegen Terror und für die westlichen Werte wie Demokratie , Meinungs- und Pressefreiheit unter dem Motto „Je suis Charlie“ (Ich bin Charlie) einzutreten.

Andere Terroranschläge – auch in Nigeria – finden (zu) wenig Beachtung

(Zu) Wenig Beachtung finden allerdings die Terroranschläge, die international oft auch im Namen Allahs in Irak und Syrien, Jemen, Libanon, Afghanistan, Pakistan und vor allem in Nigeria stattfinden. In Nigeria wurden letzte Woche im Norden 20 Menschen ermordet, weil ein ahnungsloses 10-jähriges Mädchen mit Sprenggürtel bewaffnet und losgeschickt wurde. Die gefürchtete Terrorgruppe Boko Haram macht regelmäßig Terroranschläge, um einen Gottesstaat und einen Islamisierung in Nigeria herbeizuführen. Sieben Menschen starben fast zeitgleich bei einem Sprengstoffanschlag in Libanon am 9. Januar. Ähnlich brutal sind weiterhin die IS-Krieger in Syrien und im Irak. Auch gibt es immer wieder Terroranschläge durch die Taliban in Afghanistan und in Pakistan. Daran hat sich die Menschheit offensichtlich gewöhnt.

Nun fand aber einen Terroranschlag mitten im Paris statt, wobei zehn Redaktionsmitglieder von der Zeitschrift „Charlie Hebdo“ und zwei Polizisten brutal erschossen wurden. Charlie Hebdo machte sehr moslemfeindliche Karikaturen und Berichte, was auch heißt „Öl ins Feuer zu gießen“. Dies rechtfertigt aber in keiner Weise einen Terroranschlag gegen die Redaktionsmitglieder. Die wahren Hintergründe und der Sponsoren dieses Terroranschlags müssen nun noch ermittelt werden. Es ist aber auffällig, dass jetzt schon wieder – wie auch am 11. September 2011 – ein Pass im Auto gefunden wurde, der sofort auf die richtige Spur von Al-Kaida-Kämpfern und Dschihadisten führte. Wirklich?

Spaltung der Gesellschaft schreitet voran

Neben der Aufklärung des Terroranschlags und den Ermittlungen der wahren Hintermänner müssen sich die Politiker auch Gedanken machen, wie es immer wieder zu diesen Hass- und Gewaltaktionen von radikalisierten Moslems, die zu allem bereit sind (bis zum Selbstmordanschlag), kommt. In den Vorstädten von Paris gab und gibt es öfters Straßenschlachten gegen die hilflose Polizei, weil die Jugendarbeitslosigkeit zu hoch ist und hier besonders Ausländer aus Nordafrika ausgegrenzt werden. In den USA werden immer noch – trotz Obama – Schwarze ausgegrenzt und viele werden deswegen gewaltige Verbrecher. Ein Grund sind auch die zu großen sozialen Unterschiede. Terroranschläge kann es demnächst auch in anderen Großstädten geben oder brennende Autos in Vorstädten. Währet den Anfängen, denn dies wären die Vorstufen zu einem Bürgerkrieg und einer Spaltung der Gesellschaft, den sich einige Falken und Hardliner in den USA angeblich sogar wünschen.

Krieg der Kulturen oder mehr Verständnis für andere Kulturen?

Es ist gut, wenn sich alle Religionsgemeinschaften gegen Terror und für Frieden aussprechen. Es ist auch gut, wenn Moslems jetzt Mahnwachen am Brandenburger Tor abhalten. Noch besser wäre es, wenn jetzt regelmäßig diesbezüglich gemeinsame Gottesdienste mit Juden, Christen und Moslems stattfinden, um mehr die Gemeinsamkeiten als das Trennende zu betonen. Morde im Namen Gottes darf es nicht mehr geben; darüber sind sich alle Welt-Religionen im Grundsatz einig. Und dennoch geschieht es immer wieder. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus als die Apelle einiger Verbandssprecher.

Was ich vermisse, ist eine klare Antwort der friedfertigen Moslems auf radikale Moslems. Das Problem ließe sich am besten „intern“ unter den Moslems lösen, auch in Koranschulen. Dies ist aber nicht möglich, wenn Sunniten Schiiten grundlos töten und umgekehrt. Dies ist auch nur möglich, wenn es mehr interne Kritikfähigkeit, Toleranz und Aufklärung gibt. So eine Krise kann auch eine Chance des Aufbruchs in neue Zeiten für die Moslems sein anstelle des Rückfalls ins Mittelalter. Millionen von friedfertigen Moslems müssten jetzt weltweit auf die Straße gehen und sich für Weltoffenheit, Frieden, Toleranz und Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen. Das wäre der Durchbruch, aber das geschieht leider nicht! Warum eigentlich nicht?

Droht ein neuer Ukraine-Krieg und dann ein Atomkrieg?

Es drohen aber nicht nur Terrorattacken weltweit aufgrund der zum Teil weltweit gut vernetzten IS-Krieger, sondern es droht auch ein neuer Krieg in der Ost-Ukraine, der sogar zu einem Weltkrieg führen kann. Kein Geringerer als Michail Gorbatschow hat vor kurzem eindringlich davor gewarnt, dass der Konflikt Europa gegen die USA über den Ukraine-Konflikt weiter verschärft wird, denn dieser Konflikt könne am Ende sogar zu einem Atomkrieg führen, den dann kaum einer überleben wird. Auch Syrien plant jetzt angeblich die Atombombe heimlich unterirdisch, ähnlich wie der Iran? Auch diese Konfliktherde werden die Weltgemeinschaft in diesem Jahr noch aufhorchen lassen. Zudem geht der Handels- Finanz-, Währungs- und Ölkrieg USA und Europa gegen Russland in eine neu runden, wobei Russland und China angeblich schon jetzt einen „adäquaten“ Gegenangriff planen.

Gorbatschow ist gegen Sanktionen und Isolierung Russlands

Gorbatschow hält zwar Reformen in Russland für dringend geboten; er ist aber auf der Seite von Putin, wenn es um die Sanktionen und den Versuch der Isolierung Russland geht, denn dies könne in einem Atomkrieg enden. Er ist daher jetzt – ebenso wie ich – für eine neue Entspannungspolitik, die auch möglich ist. Weitere Sanktionen im Falle eines fortgesetzten Ukraine-Krieges wären der falsche Weg.

Ukraine bekommt Unterstützung von der EU und Deutschland

Es ist fraglich, ob das von Poroschenko angeregte Gespräch mit Putin, Merkel und Hollande am 15. Januar in Kasachstan stattfinden kann, was aber sehr wichtig wäre, um endlich den Weg für einen politischen Prozess in der Ost-Ukraine zu ebenen. Der ukrainische Premier Jazenjuk war am 9. Januar in Berlin, auch um weiter Gelder einzufordern. Die Ukraine bekommt nun weiter 500 Millionen Euro von Deutschland und 1,8 Milliarden Euro als Sofort-Hilfe. Gleichzeitig rüstet die Ukraine aber auf und verdoppelt den Militäretat. Auch die USA und Polen wollen nun Waffen schicken.

Weltbörsen fast unbeeindruckt von den Terroranschlägen in Paris

Die Weltbörsen reagierten beim Terroranschlag am 7. Januar 2015 erst unbeeindruckt, am 9. Januar aber – auch aus anderen Gründen – mit leichten Minusankündigungen auf die Terroranschläge in Paris, aber nicht mit Panik. Der DAX gab um 1,67 Prozent auf 9.655 Indexpunkte, der Dow Jones Industrial Index um 0,92 Prozent auf 17.720 Indexpunkte und der Nikkei-Index um 2,51 Prozent auf 16.120 Indexpunkte nach.

Moskauer Börse durch schwachen Ölpreis weiter unter Druck

Der russische RTS-Aktienindex (Russian Trading System) brach sogar um 4,1 Prozent auf 786 Indexpunkte ein, wobei der Euro zum Rubel um 0,72 Prozent auf 72,81 Euro/Rubel zulegen konnte. Der RTS-Index stieg aber seit dem 17. Dezember im Hoch um 40 Prozent, was die großen Trading-Chancen auch in der Krise aufzeigt. Der MICEX-Index (Moscow Interbank Currency Exchange) stieg in diesem Jahr auf Rubel-Basis schon um 8 Prozent auf 1.515 Indexpunkte. Gazprom gab nach der Kurserholung in den Vortagen am 9. Januar um 5,66 Prozent auf 3,92 Euro nach. Der für Russland sehr bedeutsame Brentölpreis fiel um 1,78 Prozent auf das neue Tief von 51,22 US-Dollar/ Barrel und damit schon um über 50 Prozent in einem Jahr. Der Euro fiel auf gleich zu Jahresbeginn auf ein neues Tief von 1,18 Euro/US-Dollar. Der Goldpreis stieg in Euro schon um 14 Prozent in einem Jahr auf 1.030 Euro.

(Redaktion)


 


 

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