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Touristikbranche

Strategisches Auslandsmarketing als touristischer Aspekt der Olympia-Bewerbung – Norddeutsches Tourismusforum tagte in Hamburg

Internationalisierung als norddeutsche Herausforderungen

Für die Hansestadt Hamburg, sieht Tourismus-Chef Dietrich von Albedyll als Handlungsfeld etwa die Internationalisierung. Längst habe Hamburg noch nicht internationale Standards erreicht, um fremdsprachige und aus anderen Kulturkreisen stammende Gäste zu empfangen. Dies gelte es weiter voranzutreiben. Zudem baue Hamburg die Barrierefreiheit weiter aus, was auch im Zuge der Paralympics von großer Bedeutung sei. Außerdem wolle die Hansestadt in Zusammenarbeit mit der Region einen integrierten Marketingplan entwickeln.

In Sachen Internationalisierung noch nicht ausreichend gewappnet zu sein, um ein stärkeres Interesse internationaler Gäste rund um Olympia zu bedienen, bestätigte auch Harry Glawe für Mecklenburg-Vorpommern. Wenig anders sieht es in Schleswig-Holstein und der Lüneburger Heide aus. Es fehlten oft einfache Dinge wie Stadtführungen oder Websites in weiteren europäischen Fremdsprachen neben Englisch, so Barbara Schwartz vom Küstenland e.V. Noch optimierungsbedürftiger schätzt Ulrich von dem Bruch die Situation in der Lüneburger Heide ein. Im ländlichen Raum seien sogar die Defizite in englischer Sprache dramatisch. Da müsse man erst einmal Hausaufgaben machen, bevor man von Internationalisierung reden könne, so von dem Bruch. Auch die Anpassung der Ausstattung der Betriebe – etwa bei Hotelbetten – auf internationale Anforderungen müsse erfolgen.

Gute Verkehrsinfrastruktur gefordert

Das Auslandsgeschäft in der Heide-Region leide außerdem am zu wenig ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr. Es fehlten Verbindungen, die Gästen Mobilität ermöglichen würden. Wachsende Mobilität und größere Reichweite bedeuteten wiederum, dass etwa der Transport von Flughäfen zur Reiseziel durchorganisiert werden müsse. Hier sieht von dem Bruch eine große Chance in der Vernetzung mit Hamburg. Auch für Claudia Gilles gilt es, die zentrale Frage zu beantworten: Wie kommt der Gast schnell zum Ziel? Gute Anbindung per Schiene und Straße müssten es den Gästen komfortabel machen, schnell dort hinzu kommen, wo sie hin wollen.

Image ist laut Barbara Schwartz und Andrea C. Bayer der Schlüssel für die Auslandswerbung von Hamburg und anderen Regionen. Der Fokus von Küstenland e.V. liegt derzeit auf Hamburg und Kiel. Normalerweise kosteten Imagekampagnen viel Geld. Im Zuge der Olympia-Bewerbung sei die Chance gegeben, international mit starken Bildern auf die Region neugierig zu machen – sei es Lübeck, Rostock, Warnemünde oder das Wattenmeer und die Halligen.

Julia Grundmann, DZT, sieht in der Vielfalt der Angebote das große Potenzial für neue Zielgruppen: Ob Kreuzfahrt oder vergleichsweise kurze Wege in Deutschland, die er ermöglichen, spannende Städte und Regionen zu kombinieren.

Auslandsmarketing: Norddeutsche Länder setzen derzeit auf Anrainerstaaten

Die Lüneburger Heide setzt im strategischen Auslandsmarketing in den nächsten Jahren vorrangig auf Zielgruppen aus den Anrainerländer. Bedingt durch einen begrenzten Etat richtet sich das Augenmerk laut von dem Bruch dabei speziell auf die zwei starken Märkte Dänemark und die Niederlande sowie in geringerem Umfang die Schweiz. Von Kanada und den USA könne man derzeit nur träumen. Olympia biete hier die Chance, die Reichweite zu erhöhen.

Ähnlich sieht es in Schleswig-Holstein aus. Das Auslandsmarketing für 2024 ist Andrea C. Bayer zufolge „noch weit weg“. Bisher gebe es aus finanziellen Gründen kein aktives Auslandsmarketing seitens der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein. Das soll sich ab 2016 ändern, wenn diese aktiv in die Marktbearbeitung einsteigt. Geplant ist, sich mit kleinem Budget auf die A-Märkte (Dänemark, Österreich, Schweiz) zu konzentrieren. Aus den A- und B-Märkten (Schweden, Norwegen, Niederlande) kommen rund 75 Prozent der Gäste.

Küstenland e. V. nutzt nach Information von Barbara Schwartz derzeit ein Budget von 100.00 Euro plus den gleichen Betrag von der DZT für die Bearbeitung der Potenzialmärkte Italien und Russland. Für die kommenden Jahre sei geplant, mit neuer Bildsprache und Videospots einen modernen Blick auf Sehenswürdigkeiten zu richten und verstärkt Bloggerreisen anzubieten. Man wolle die Jugend der Welt zum sportlichen Miteinander aufrufen. Der Medienserver der Metropolregion soll in diesem Zuge auf das gesamte Küstenland ausgeweitet werden, um Medienanfragen noch besser bedienen zu können.

Themen aus der Region – wie Sport, „aktiv sein“, Land und Leute –, die für Olympia eine Rolle spielten, lassen sich nach den Experten auch im Nachgang weiternutzen. In puncto nachhaltige Entwicklung untermauert eine von der DZT in Auftrag gegebene Studie die positiven Effekte. Demnach soll es bis 2030 ein prognostiziertes kräftiges Wachstum für Incoming aus dem Auslandsmärkte geben: 38 Millionen mehr Übernachtungen aus Europa und 16 Millionen Übersee.

Peter Siemering, Geschäftsführer der Bremer Touristik Zentrale, signalisierte die Bereitschaft seiner Stadt, „Hamburg die Hand zu reichen“. Um die gemeinsame norddeutsche Großchance zu nutzen, könne man alle Möglichkeiten der Stadt übergreifend über alle Ressorts für Marketing, Kommunikation, für Image, Bekanntheit für dieses Event mit einbauen und Multiplikator sein.

Auf nationaler Ebene stehen von der DZT und des DTV alle weltweiten Kanäle – in 30 Märkten – für die Vermarktung der Olympischen Spiele 2024 bereit.

Fazit

Die sich dem Norden eröffnenden einmaligen olympischen Tourismusperspektiven optimal zu nutzen, so der übereinstimmende Appell aller Experten, erfordert, dass alle Akteure aus Politik, Sport und Wirtschaft an einem Strang ziehen. Olympia könnte oder sollte also der langfristige Hebel für eine gemeinsame Vermarktung sein, die die norddeutschen Regionen bisher nicht erreicht haben. Deutlich wurde in den Beiträgen jedoch auch, dass die Vermarktung einzelner Regionen selbst im gemeinsamen Schulterschluss eine schwierige Aufgabe sein wird, die nicht von heute auf morgen zu lösen ist. Wenn Hamburg den Zuschlag für Olympia erhält, muss in den Tourismusorganisationen vieles neu und deutlich internationaler ausgerichtet werden, um „Gold für Norddeutschland“ zu holen.

(Tanja Königshagen)


 


 

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