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Triennale der Photographie Hamburg

Anton Corbijn: „Music was the biggest thing for me“

„Anton Corbijn. The Living and the Dead“ heißt die umfangreiche Ausstellung, die das Bucerius Kunst Forum dem international renommierten Fotografen Anton Corbijn widmet. Die Schau ist einer der Höhepunkte der Triennale der Photographie Hamburg 2018; sie läuft bis zum 6. Januar 2019.

Seit mehr als vier Jahrzehnten prägt Anton Corbijn mit seinen ikonischen Porträts das Image internationaler Bands und Musiker wie Joy Division, Depeche Mode, U2 und Tom Waits und ist durch sie berühmt geworden. Mit „Anton Corbijn. The Living and the Dead“ zeigt das Bucerius Kunst Forum zum ersten Mal eine umfassende monografische Werkschau eines lebenden Künstlers. In der Ausstellung sind den meist im Auftrag entstandenen Musikerporträts rund 40 freie Arbeiten des Künstlers gegenübergestellt. Dabei spürt die Ausstellung der Frage nach, wann Fotografie zu Kunst wird.

Im Zentrum der Ausstellung steht Corbijns autobiografischste Serie: a. somebody. Für diese inszenierte sich Corbijn als Musiker und fotografierte sich in der ländlichen Umgebung seines Geburtsorts Strijen. Die Faszination für die Idole seiner Jugend, wie John Lennon, Jimi Hendrix oder Janis Joplin, wurde für den Künstler prägend. Sie half ihm, sich geistig von der einengenden Provinz und der Fixierung seines religiösen Elternhauses auf das Leben nach dem Tod zu befreien. „I wanted to be freer, and the music represented that for me”, so Corbijn. „Music was the biggest thing for me“.

In der Ausstellung sind 119 analog entstandene Arbeiten des niederländischen Fotografen aus 40 Schaffensjahren zu sehen, darunter 20 bisher unveröffentlichte Aufnahmen. Franz Wilhelm Kaiser, Direktor des Bucerius Kunst Forum, hat die zweiteilige Schau in Zusammenarbeit mit Anton Corbijn kuratiert. Zum ersten Mal hängen Corbijns Foto-Serien gemischt in einer Ausstellung – geordnet nach ästhetischer Affinität, „um sein Bildsprache deutlicher hervortreten zu lassen“, wie Franz Kaiser in Anwesenheit des Künstlers im Pressegespräch erläutert. Corbijns Wurzeln vor der Fotografie liegen in der Musik. Daher fokussiert sich Ausstellung auf Musikerporträts.

Corbijns Stil: unglamouröse Mischung aus Arroganz und Natürlichkeit

Im ersten Teil der Ausstellung findet sich eine Auswahl von 77 seiner bekanntesten Fotografien – Musikerporträts, die meist als Auftragsarbeiten entstanden. Dabei handelt es sich um Arbeiten aus verschiedenen Serien, die jeweils ein eigenes Format und eine eigene Ästhetik aufweisen. Viele davon wurden zu ikonischen Bildern. Sein imperfekter, narrativer Stil prägte das Image zahlreicher Musiker und passte zu dem Selbstverständnis dieser Künstler, die sich von den Rockmusikern der älteren Generation abheben wollten. Corbijns völlig „unglamouröse Mischung von leicht arroganter Pose und Natürlichkeit“ war etwas ganz Neues in der Musikfotografie. Bei seinen Auftragsarbeiten erkämpfte Corbijn sich schon früh schöpferische Freiheit, um seinen sehr eigenen Stil umsetzen zu können.

Sinnfragen in einer Welt von Celebrities und Glamour

Seit langem lebt Anton Corbijn in einer Welt von Celebrities und Glamour, und so mag es verwundern, dass er sich immer wieder mit Sinnfragen des Lebens auseinandergesetzt hat. Dass viele der von ihm fotografierten Musiker relativ jung starben, beschäftigte Corbijn fortwährend. Ein früher Beleg dafür ist seine Anfang der 1980er-Jahre entstandene Serie von Grabmonumenten auf katholischen Friedhöfen. Corbijns Suche nach dem „Warum“ kulminierte zwanzig Jahre später in seinem Projekt a. somebody.

Der zweite Teil der Ausstellung setzt den meist im Auftrag entstandenen Musikerporträts freie Arbeiten des Fotografen entgegen. Für die zweiteilige Serie a. somebody begibt sich Corbijn in der Maskerade von Musikern in die ländliche Umgebung seiner Kindheit und Jugend. Den in Strijen entstandenen Farbfotografien stehen hochformatige Schwarz-Weiß-Fotografien gegenüber, die im Studio aufgenommen wurden und an Passbilder erinnern. Diese Arbeiten sind die wohl freiesten Fotografien des Künstlers. In ihnen drücken sich die beiden bestimmenden Obsessionen seines Lebens aus: die seiner Eltern mit dem Leben nach dem Tod (sein Vater war Pastor) und seine eigene mit der Musikwelt – seine verzweifelten Versuche, dort jemand (a somebody) zu sein.

Für die Serie „Cemeteries“ fotografierte Anton Corbijn keine Menschen, sondern ausnahmsweise Grabmonumente in seiner charakteristischen Bildsprache. Diese bisher nicht veröffentlichte Serie entstand 1982, in der Zeit Corbijns großen Durchbruchs – und passte damals nicht zu der ikonischen Fotografie, die ihn berühmt machte.

Wie viele Fotografen hat Corbijn lange an der Schnittstelle zwischen freier und angewandter Fotografie gearbeitet. Und so untersucht die Ausstellung anhand seiner Porträts von Bands und Musikern, seiner Musiker-Selbstporträts und der bisher noch nie gezeigten Cemeteries-Serie nicht nur Corbijns Auseinandersetzung mit „den Lebenden und den Toten“, sondern thematisiert zudem eine selten gestellte Frage: Wie oder wann wird Fotografie Kunst? ... Eine Fragestellung, die bestens in das Thema „Breaking Points“ der diesjährigen Triennale der Photographie passt – ebenso wie Anton Corbijns neuer Stil, der die Musikfotografie ab den 80er-Jahren prägt, einen Wendepunkt darstellte.

Begleitet wird die Ausstellung von einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen, Lesungen, Konzert, Diskussionen, Freiluftkino, Künstlergespräch, einem Poetry Slam und einem Pub Quiz. Außerdem gibt es Kinderprogramm, Familienführungen, Atelierkurse und Ferienprogramm.

Die Ausstellung „Anton Corbijn. The Living and the Dead“ im Bucerius-Kunst-Forum, Rathausmarkt 2, 20095 Hamburg, ist bis zum 6. Januar 2019 zu sehen, täglich 11 bis 19 Uhr, donnerstags 11 bis 21 Uhr. Weitere Information und Ticketvorverkauf: www.buceriuskunstforum.de

Die 7. Triennale der Photographie Hamburg findet bis September in Kooperation mit den großen Hamburger Museen, kulturellen Institutionen, Galerien und weiteren Veranstaltern in Hamburg statt. Zum Motto „Breaking Point. Searching for Change“ reflektiert das Festival die momentanen ökologischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen durch den Blickwinkel der Fotografie. Begleitet wird die Triennale von Künstlergesprächen, fachspezifischen Diskussionen, Vorträgen und Portfolio-Sichtungen.

Lesen Sie dazu den Beitrag Sommer-Kulturhighlight in Hamburg: Gut besuchte Triennale der Photographie Hamburg 2018

(Redaktion)


 


 

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