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Schwarzmalen hilft!

Wie Unsicherheit für den entscheidenden Wachstumsvorteil sorgen kann

2) Schwarz malen dürfen

Von Geschäftsführern und Führungskräften wird oft unmenschlich viel verlangt. Fragt man Mitarbeiter, was sie über ihre Vorgesetzten denken, so könnte man oftmals meinen, es ist die Rede von Maschinen und Übermenschen: Sie haben stets den Überblick, sind Vorbild, kennen jeden Mitarbeiter inklusive Lebenslauf und persönlicher Situation und werden nie krank. Schnell erinnern diese Aussagen an die Beschreibungen von Kindern, wenn diese über ihre idealisierten Väter sprechen: „Mein Papa kann alles!“. So unrealistisch dieses Bild ist, so sehr beherrscht es doch bis heute das Unternehmertum. Als Vorgesetzter muss man stets den Überblick und alles im Griff haben und auf alle Fragen eine Antwort haben. Etliche Sprichworte unterstreichen diese Denkweise, wie bspw. „Der Fisch stinkt stets vom Kopf“. Was steckt dahinter? Wenn etwas im Unternehmen schief läuft, liegt die Ursache dafür stets beim Kopf der Unternehmens, dem Inhaber. Je mehr sich Unternehmer in diese Rolle drängen lassen, desto schwerer ist die Last, die auf ihren Schultern weilt. Kommen nun noch unsichere Zeiten und besondere Herausforderungen hinzu, ist die Überforderung absehbar. Dieser Punkt stellte die maximal mögliche Distanz dar, die man zu der beschriebenen Gelassenheit und Abenteuerlust haben kann.

Um hier wieder Leichtigkeit und Gelassenheit zu schaffen, ist es wichtig, offen mit den eigenen Bedürfnissen umzugehen. Niemand ist der beschriebene Übervater, auch wenn viele Mitarbeiter dies gerne in ihrem Vorgesetzten sehen möchten. Vielmehr sind Unternehmer ebenso Menschen, die sich sorgen, unsicher und auch von Zeit zu Zeit ratlos sind. Wer es schafft mit diesen Zweifeln offen umzugehen, verteilt die Last auf verschiedene Schultern, wird offen für Impulse von Außen und kann sich motivieren lassen. An dieser Stelle ist es wichtig mit einem alten Missverständnis aufzuräumen: Ein Unternehmen fängt nicht an zu wanken, wenn der Unternehmer seine Untersicherheit zeigt. Tatsächlich beginnt der Schlingerkurs, wenn die Wahrnehmung der Mitarbeiter und das kommunizierte Selbstbild des Inhabers nicht mehr stimmig sind. Die Belegschaft eines Unternehmens ist gut darin, Stimmungen des Chefs wahrzunehmen, schließlich geht es um die eigene Existenz. Wenn der Chef zeitgleich berichtet, dass alles in bester Ordnung sei, so entsteht eine emotionale Dissonanz und der Chef wird nicht mehr als authentisch und aufrichtig erlebt. Dies ist der tatsächliche Auslöser für Krisen. Schnell brodelt die Gerüchteküche. Verheimlicht der Inhaber etwas? Was will er uns nicht sagen? Steht es so schlecht um das Unternehmen? Verlieren wir alle unsere Jobs? Die Spirale lässt sich beliebig weiterdrehen. Geht der Chef allerdings offen mit seinen eigenen Unsicherheiten um, wird er als stimmig und ehrlich erlebt und die Belegschaft fühlt sich ernstgenommen und ist gleichsam aufgefordert aktiv zu werden.

Praxistipp: Unsicherheit und Zweifel zu verbergen bringt nichts Gutes! Zeigen Sie Ihre Sorgen und Ratlosigkeit gegenüber Ihren Mitarbeitern. So steigen Sie aus der isolierten Alleinverantwortung aus und schaffen Platz für wertvolle Tipps, Ideen und Lösungsansätze. Der aus dem amerikanischen kommende Daueroptimismus findet sich zwar immer öfter auch in deutschen Unternehmen, ist aber alles andere als gesund. Im Gegenteil, er ist aufgesetzt, unrealistisch und macht neuesten Studien zu Folge sogar krank! Gesund ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Positivem und Negativem. Nur wer sich traut von Problemen zu sprechen, kann auch Lösungen finden. Ohne das Problem benannt zu haben, ist jede Lösung falsch!

3) Andere Farben entdecken

Ging es in den ersten beiden Tipps um das Entdecken der Farbe Schwarz als etwas Positives und den Mut auch selbst mal Pessimismus zu zeigen, also schwarz zu malen, geht es nun um andere Farben. Je mehr Farben auf der Palette zur Verfügung stehen, desto unterschiedlicher und realistischer werden die Bilder auf der Leinwand. Was heißt das konkret? Sammeln Sie neue Farben auf Ihrer Palette! Manche Unternehmer machen es bereits von sich aus. Man findet sie in Werbespots, wie bei Hipp Babynahrung und Liqui Moly Öle. Oder es ist gar verankert in den Unternehmensstatuten, wie bei Mc Donalds: Dort stehen Führungskräfte auch mal im Verkauf. Ziel ist es, den eigenen Horizont zu erweitern. Wer als Unternehmer selbst Hand anlegt, einen Tag mit seinen Mitarbeitern verbringt, sich nach Außen in Werbespots zeigt oder selbst am Produktionsband steht, der sammelt neue Eindrücke und gewinnt Erfahrungen. Er erweitert seine Farbpalette! Genau diese Erfahrungen helfen in Krisenzeiten auf ein erweitertes Repertoire an Wissen, Kenntnissen und Handlungskompetenzen zurückgreifen. So entsteht Gelassenheit! Wer in kontinuierlichem Kontakt mit seinen Mitarbeitern ist, weiß stets Bescheid über die Bedürfnisse und Nöte im Unternehmen und kann gelassen reagieren.

Praxistipp: Verbringen Sie einen Tag im Monat außerhalb Ihres Büros, aber innerhalb des Unternehmens. Arbeiten Sie mit in der Produktion, verkaufen Sie oder helfen Sie in der Verwaltung. Setzen Sie sich jede Woche einmal beim Mittagessen zu Ihren Mitarbeitern und hören Sie zu. Sammeln Sie neue Eindrücke, frischen Sie alte Kenntnisse wieder auf und erweitern Sie Ihr Repertoire. Setzen Sie sich so auch mit unliebsamen Themen auseinander und Angstthemen, die Ihnen schon lange im Magen liegen. So bleiben Sie auch in stürmischen Zeiten gelassen, weil Sie nichts aufgeschoben haben und gleichsam einen weit größeren Handlungsspielraum besitzen!

4) Nicht immer der schwarze Anzug

Bei Kleidung sagt man, dass man mit schwarz nie etwas falsch machen würde – elegant, zurückhaltend, dezent, unaufdringlich und zu den meisten Anlässen passend. Doch so einfach ist es leider nicht immer. Gerade wenn es um Entscheidungen geht, gibt es längst nicht mehr richtig oder falsch. Jede Entscheidung birgt immer Vor- und Nachteile, die sich teilweise gar nicht abschätzen lassen zum Zeitpunkt des Abwägens. Denkt man an die Rolle Deutschlands innerhalb der EU wird dies deutlich. Zahlt Deutschland weiterhin einen kapitalen Anteil des Rettungsschirms, fehlt dieses Geld im eigenen Haushalt. Reduziert Deutschland den eigenen Anteil, so bliebe womöglich mehr im eigenen Haushalt, nur fehlt es dann anderen Ländern. Deren Kaufkraft würde sinken, Deutschland könnte nicht mehr dorthin exportieren und so fehlt das Geld wieder im eigenen Haushalt. Diese Gedanken lassen sich endlos weiterführen. Gibt Deutschland einen Kredit an Griechenland, so ist das Land in der Lage seine Schulden bzw. Zinsen zu tilgen. Nachdem Deutschland ein großer Kreditgeber ist, wandert der Kredit schnurstracks wieder zurück nach Deutschland. Ist das nun sinnvoll oder Augenwischerei? Diese Entscheidung ist hochkomplex und zeigt, wie schwierig solche Entscheidungen in Zeiten flächendeckender Interdependenzen sind. Es gibt kein klares richtig oder falsch mehr. Diese Tatsache kann belasten, aber auch befreien, denn Entscheidungen führen somit nur zu neuen Entscheidungen, nicht aber unweigerlich ins Aus. Vielmehr sind sie mittlerweile immer so gut, wie konsequent sie umgesetzt werden.

Praxistipp: Wechseln Sie Ihren Anzug – entscheiden Sie schlicht einmal anders, als Sie dies für gewöhnlich tun! Je ungewöhnlicher Ihre Entscheidungen sind, desto größer wird Ihr Handlungsspielraum, weil sie immer mehr Entscheidungskonsequenzen kennenlernen. Beginnen Sie mit kleinen Entscheidungen und sehen Sie, wohin sie führen. Erweitern Sie so Ihre Entscheidungslandkarte und begehen Sie kontinuierlich neue Wege. So entsteht Gelassenheit, weil Ihnen fortan immer mehrere Alternativen zur Verfügung stehen!


 


 

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