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Unternehmensnachfolge im Mittelstand

Weibliche Nachfolge: Wie der Einstieg ins Familienunternehmen gelingt

Führung und Nachfolge im Familienunternehmen haben eine lange männliche Tradition. Dadurch bleibt viel Potenzial unbeachtet. Hier setzt das „Praxishandbuch weibliche Nachfolge“ an, es rückt Unternehmertöchter als mögliche Nachfolgerinnen in den Fokus. Es macht ihnen Mut, sich für den Einstieg ins Familienunternehmen zu entscheiden, die Nachfolge einzufordern und anzutreten. Dafür gibt das Buch Selbstcoaching-Rüstzeug an die Hand, die Übernahme erfolgreich zu gestalten.

In der Einleitung beleuchten die Autorinnen Daniela Jäkel-Wurzer, Susanne Dahncke und Nicola Buck fundiert die derzeitige Situation im deutschen Mittelstand in Bezug auf anstehende Generationswechsel, die Rolle von Frauen in Spitzenpositionen und die Chancen und Herausforderungen, die sich aufgrund weiblicher Nachfolge ergeben. Zudem gibt es zwei Vorworte von Bettina Gräfin Bernadotte, Geschäftsführerin der Mainau GmbH, und Dr. Rena Haftlmeier-Seiffert, Geschäftsführerin der EQUA-Stiftung.

Töchter als Kandidatinnen für die Unternehmensnachfolge wahrnehmen

Wer wird einmal den mittelständischen Betrieb in der nächsten Generation übernehmen? Diese Frage stellt sich zu gegebener Zeit jedem Familienunternehmer, gilt es doch den Fortbestand des Betriebes über die eigene aktive Phase hinaus zu sichern. Traditionell haben Unternehmer dabei Söhne oder auch Schwiegersöhne im Blick. Töchter kommen bisher vor allem in Betracht, wenn es keinen männlichen Nachfolger gibt oder dieser eine berufliche Laufbahn außerhalb der Familien anstrebt. „Dass Väter und Familien offener dafür werden, Töchter als Kandidatinnen für die Unternehmensnachfolge wahrzunehmen, ist vergleichsweise neu“, so die Autorinnen. Kein Wunder also, dass der Mittelstand in Deutschland derzeit von einer gleichberechtigten Übergabe an Söhne und Töchter noch ein Stück weit entfernt ist.

Die Autorinnen werten dies als ungenutzte Chancen – für die Unternehmen wie auch für die Unternehmertöchter selbst. Frauen sind heute oftmals top ausgebildet und können neben hervorragenden Abschlüssen viele Qualifikationen für eine Unternehmensführung vorweisen. Gleichzeitig sei die Übernahme eine Familienbetriebes „eine interessante Möglichkeit, Berufs- und Familienziele zu verbinden“.

75 Tools für die Selbstreflexion

Jäkel-Wurzer, Dahncke und Buck gehören selbst Unternehmerfamilien an. Als Beraterinnen und Coaches begleiten sie Menschen rund um Nachfolgeprozesse und Unternehmensübergaben. Ihr Praxishandbuch sehen sie „als kleinen Beitrag im immer größer werdenden Engagement rund um die Förderung weiblicher Nachfolge“. Dafür haben sie 75 gängige Tools aus ihrer Coaching-Praxis zusammengetragen, die speziell für die Selbstreflexion weiterentwickelt wurden.

Das Herzstück des Ratgebers bilden drei Praxisteile – „Standortbestimmung“, „Nachfolgegestaltung“ und „Rückspiegel“ –, die in Selbstcoaching-Kapitel untergliedert sind. Die Coaching-Tools bauen aufeinander auf. Die Expertinnen für Familienunternehmen empfehlen daher, die Kapitel im eigenen Coaching-Prozess chronologisch zu bearbeiten. Jeder neuen Selbstcoaching-Aufgabe stellen sie eine Kurzbeschreibung und eine Erläuterung des Nutzens voran. Hintergrundinformationen, praxisrelevante Tipps und Fallbeispiele helfen der Leserin, den Erfahrungsprozess auch mental gut zu verorten. Die jeweiligen Schritte zur Durchführung der Aufgaben sind klar gegliedert. Dabei lässt sich das Buch angenehm lesen und die Leserin erfährt eine einfühlsame und respektvolle Ansprache.

Roter Faden durch alle Stationen der Unternehmensnachfolge

Die Expertinnen laden Unternehmertöchter zu einer Reise zu deren Wurzeln und Ressourcen ein. Sie unterstützen die Selbstklärung und die Klärung aller für die Nachfolge relevanten Bereiche. Sie geben Impulse für die Entwicklung des individuellen Führungsstils und den Umgang mit Zweifeln, Rückschlägen und Konflikten. Und sie ermuntern dazu, Bilanz zu ziehen sowie einen weiten Blick in die Zukunft zu wagen – auf die Generation, die nach ihnen kommen wird. So bietet das Buch den roten Faden durch alle Stationen der Unternehmensnachfolge von der Entscheidungsfindung bis zur Übernahme und es ist geeignet, den gesamten Prozess zu begleiten.

Dabei kann die Leserin zu jedem Zeitpunkt der Nachfolge in die Struktur des Buches einsteigen: Nach der Schulausbildung, als Studentin, als Berufsanfängerin oder als Tochter, die bereits aktiv im Unternehmen der Eltern tätig ist. Durch das Selbstcoaching gewinnt sie Klarheit über die eigene Position in der Familie und im elterlichen Unternehmen sowie die damit verbundenen Rollen von der Unternehmerin und Gesellschafterin bis hin zur Ehefrau und Mutter. Zur Unterstützung des Arbeitsprozesses stehen auf der Website www.nachfolgeworkshop.de alle Arbeitsblätter und vier Meditationsanleitungen zum Download bereit.

Fazit: Das „Praxishandbuch weibliche Nachfolge“ ist ein gut strukturiertes, inhaltsreiches Arbeitsbuch. In jedem Teil wird deutlich, wie sehr sich die Autorinnen mit der Nachfolge von Unternehmertöchtern in all ihren Facetten auseinandergesetzt haben. Das Buch bietet der Leserin – oder vielleicht auch dem an einem Selbstcoaching interessierten Leser – eine sehr gute Grundlage, um über die intensive Selbstreflexion die Unternehmensnachfolge erfolgreich anzugehen.

Das Buch: Daniela Jäkel-Wurzer/Susanne Dahncke/Nicola Buck, „Praxishandbuch Weibliche Nachfolge – Selbstcoaching-Tools für den gelungenen Einstieg ins Familienunternehmen“, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2017, 339 Seiten, Hardcover 39,99 Euro, ISBN 978-3-662-52829-7, E-Book 29,99 Euro, ISBN 978-3-662-52830-3.

(Redaktion)


 


 

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