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Strategien der Natur

Was uns ein gackernder Hühnerhaufen zu sagen hat

Bevor die Hühnchen einträchtig nebeneinander auf dem Grill ihre Runden drehen, haben sie ein anstrengendes Leben hinter sich. Haben sich mit viel Kraft und Einsatz einen Platz in ihrer Gesellschaft erkämpft, einen eindeutigen Rang in der „Hackordnung“. Was wir daraus lernen können, sagt uns Matthias Nöllke in seinem Buch „Von Bienen und Leitwölfen, Strategien der Natur im Business nutzen“

Aus Prozessen und Strategien in der Tierwelt Rückschlüsse für menschliches Verhalten zu ziehen, ist kein neues Verfahren. Und doch gelingt es Matthias Nöllke, aus den Natur-Themen neue Funken zu schlagen. Er schreibt erhellend über Alpha-Tiere, Konkurrenz und Konflikte, Teamarbeit und Kooperation, Organisation und Selbstorganisation, Innovation und Wachstum, Tarnen und Täuschen und über Schwarm-Intelligenz und Evolution. Gut, dass er sein 2003 erstmals erschienenes und dann lange vergriffenes Buch jetzt, neu überarbeitet, noch einmal auflegt. Pointiert und eingängig geschrieben, stellt der routinierte Journalist und Autor prägnante und verblüffende Natur-Strategien vor und regt uns an, daraus Rückschlüsse für den Business-Alltag zu ziehen. So erweist sich die allseits bekannte Hackordnung im Hühnerhof als sinnvoller Hinweis darauf, Hierarchien in Unternehmen genau im Auge zu behalten (und je nach Motivlage als erstes den bisherigen Leithahn vom Hof zu jagen).

Kein Patentrezept, sondern kluge Strategien

Von der Termite zum Hering, von der Fledermaus zu den Pavianen, von den Spinnen bis zum Heuschreckenkrebs. Um welche Tierart es sich auch handelt, Matthias Nöllke bringt deren Strategien spannend auf den Punkt. Und er schafft es, uns zur kreativen Auseinandersetzung mit den Anforderungen in unseren Jobs zu animieren. Denn es geht ums Netzwerken, um Führung, um Teamwork, kurz, um alle wesentlichen Aspekte im Business. Gutes Gedankenfutter für alle, die gerne selber denken.

Von wegen Recht des Stärkeren

Es ist ein Verdienst Matthias Nöllkes, allzu platte Naturanalogien zu differenzieren. So kommt er zu überraschenden Einsichten und interessanten Thesen, über die nachzudenken sich lohnt. Drei seiner am Ende des Buches formulierten zehn Kernaussagen zeigen das bestens:

  1. Die Natur kennt keinen Perfektionismus. Alle Organismen sind mehr oder minder gelungene Kompromisslösungen, austariert zwischen widerstreitenden Anforderungen wie etwa Schnelligkeit und Stärke.
  2. Es gibt nicht eine „Strategie der Sieger“. Vielmehr existiert eine ungeheure Fülle an Möglichkeiten zurecht zu kommen. Jeder Organismus ist gefordert, seine eigene Überlebensstrategie zu entwickeln – angepasst an seine Möglichkeiten und an seinen Lebensraum.
  3. Es gibt kein naturgegebenes „Recht des Stärkeren“. Raubtiere sind nicht die erfolgreichere Lebensform im Vergleich zu ihren Beutetieren. Nicht zufällig gibt es weit mehr Singvögel als Raubvögel.

Es geht also nicht darum, die Natur zu imitieren, sondern von ihr zu lernen und auf neue Ideen zu kommen.

Mathias Nöllke: Von Bienen und Leitwölfen,
Haufe, 19,80 €

Quelle: Wolfgang Hanfstein, www.Managementbuch.de

(Redaktion)


 


 

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