Weitere Artikel
Wirtschaftsförderung

Hamburg Invest 2018: China und Deutschland wichtigste Quellmärkte für Ansiedlungen

Im Mittelpunkt der Hamburger Wirtschaftsförderung standen im letzten Jahr Unternehmen mit dem Schwerpunkt wissens- und technologieorientierter Wertschöpfung. Auch der Brexit war als Wirtschaftsstandort für Hamburger Unternehmen ein wichtiges Thema.

6.419 Arbeitsplätze, 1.153 betreute Unternehmen und ein Investment von 455 Millionen Euro – das sind die Kennzahlen, die die HIW Hamburg Invest Wirtschaftsförderungsgesellschaft Mitte Februar für das Jahr 2018 bekannt gab. Der Fokus lag demnach auf Zukunftsbranchen, vor allem Unternehmen mit dem Schwerpunkt wissens- und technologieorientierter Wertschöpfung. Wichtigste Quellmärkte für Ansiedlungen waren China und Deutschland.

Wissenschaft und anwendungsbezogene Forschung würden an der Elbe verzahnt, so Wissenschaftssenator Michael Westhagemann in der Mitteilung. Hamburg Invest komme dabei die Aufgabe zu, durch gezielte Unternehmensansiedlungen die wissens- und technologiebasierte Wertschöpfung zu erhöhen. „Es geht nicht um reines Mengenwachstum, sondern um die strukturelle und nachhaltige Stärkung des Innovationsstandorts.“

Unterstützung des Strukturwandels

Dr. Rolf Strittmatter, Geschäftsführer von Hamburg Invest, sagt, mit der Geschäftsaufnahme der Start-up-Unit zum Jahresbeginn 2018 und dem Auftrag zur Entwicklung der Innovationsparks habe der Hamburger Senat das Profil der Wirtschaftsförderung geschärft. Unternehmen mit technologischem Hintergrund hätten inzwischen den höchsten Anteil unter den Kunden von Hamburg Invest. „Aber natürlich sind wir weiterhin Ansprechpartner für Handwerksbetriebe und Unternehmen aller Branchen. Mit der Übertragung der städtischen Gewerbe- und Industrieflächen können wir diese jetzt noch besser bei Ansiedlung und Expansion unterstützen.“

Beispiele für die Neuausrichtung der Hamburg Invest

Um den Strukturwandel zu verdeutlichen, fand das Jahrespressegespräch von Hamburg Invest in den Virtual Reality Headquarters (VRHQ) in der Hamburger Speicherstadt statt. Hier können sich Kreative mit modernen VR-Anwendungen beschäftigen und sich mit anderen austauschen. Die Initiatoren des VRHQ, die vier Hamburger Start-ups Noys VR, Spice VR, Spherie und VR Nerds, richteten im Kreativspeicher eine gemeinsame Arbeits- und Ausstellungsfläche ein.

Egbert Rühl, Geschäftsführer Hamburg Kreativ Gesellschaft mbH: „Mit dem Einzug des VR Headquarters sowie des VR-Forschungs- und des Transferzentrums der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) entstehen neue Chancen, denn: Virtual Reality ist längst kein Nischenthema mehr. Die Kreativwirtschaft kann neue Wege aufzeigen, um die vielfältigen Potenziale der Technologie zu nutzen.“

Beispiele der Ansiedlungen aus dem technologie- und wissensorientierten Bereich, die Hamburg Invest 2018 nach eigenen Angaben betreut hat:

Spherie wurde vor drei Jahren in Hamburg gegründet. Die Gründer Nicolas Chibac und Jonathan Hesselbarth entwarfen mit Spherie bereits 2014 die weltweit erste Drohne, die vollsphärische hoch immersive 360-Grad-Aufnahmen liefert, ohne sich dabei selbst zu filmen.

Chibac und Hesselbarth bringen mit ihren weiteren Unternehmen Spice VR (VR und 360-Grad-Filmproduktion) und Wingcopter (Transportdrohne) die entsprechenden Vorkenntnisse mit in das Projekt. Durch Projekte für den WDR, DNV-GL oder die HHLA hat Spherie sehr schnell gezeigt, welche einzigartigen Aufnahmen das System liefert. Das Projekt „Inside Auschwitz“, das mit Spherie für den WDR produziert wurde, wurde 2017 mit dem Deutschen Webvideopreis ausgezeichnet.

2018 investierte die HHLA in das junge Unternehmen, das mittlerweile ein Team von elf Mitarbeitern in Vollzeit beschäftigt.

XCharge Europe mit Sitz in Hamburg ist eine Tochtergesellschaft der Bejing X-Charge Technology, die im Mai 2015 in Peking gegründet wurde. Als Lösungsanbieter offeriert XCharge von der AC-Wallbox bis hin zum DC-Schnellladesystem ein umfassendes Set von Hardware mit einer darauf abgestimmten cloudbasierten Softwareplattform. Diese soll Betreibern helfen, die Betriebskosten zu senken und die Umsätze zu steigern.

In den vergangenen dreieinhalb Jahren lieferte XCharge etwa 30.000 Ladestationen aus. Zu den Kunden gehören zum Beispiel der Energiekonzern State Grid, Ladenetzbetreiber Prime Union und die Automobilhersteller Nio, XPeng, Audi sowie DiDi‘s Orange Energy. In Deutschland konnten im Rumpfgeschäftsjahr bereits Energieversorger, Stadtwerke, Betriebe des ÖPNV, Ladenetzbetreiber, Logistikdienstleister und Autohäuser als Kunden gewonnen werden.

Galaxus: Kurz vor dem Markteintritt in Deutschland hat der Schweizer Onlineshop Galaxus seine Deutschlandzentrale in Hamburg eröffnet. „Für Hamburg haben wir uns hauptsächlich wegen der Rekrutierung entschieden“, sagt Frank Hasselmann, Geschäftsführer von Galaxus Deutschland. „Die Stadt ist für Spezialisten aus den Bereichen E-Commerce und Medien enorm attraktiv, davon wollen wir profitieren“. Das Büro in Hamburg ist fürs Erste auf 40 Arbeitsplätze ausgelegt.

ContiTech InnovationLab: Der Innovation Hub am Standort Harburg wird innerhalb des Continental-Konzerns zum neuen Herzstück und Ideenschmiede der weltweiten Digital- und Innovationsaktivitäten der Industriedivision ContiTech ausgebaut. Auf 8.000 Quadratmetern entstehen zum Start mit sechs festen Mitarbeitern und 18 zusätzlichen Arbeitsplätzen Flächen und Kooperationsmöglichkeiten für Start-ups und Partner aus Wirtschaft und Forschung.

Harburg-Freudenberger Maschinenbau: In der Harburger Schlachthofstraße entsteht seit Herbst 2018 der Neubau des Firmensitzes der Harburg-Freudenberger Maschinenbau, kurz HF Group, einem Konzernunternehmen der Possehl-Gruppe aus Lübeck. Auf dem Gelände mit einer Gesamtfläche von rund 20.000 Quadratmetern entstehen unweit des bisherigen Firmensitzes ein Bürogebäude mit einer Fläche von 7.700 Quadratmetern sowie ein angeschlossenes Montage- und Technologiezentrum von 5.500 Quadratmetern.

XLase ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von HSG Laser, Foshan, China. Das Ziel der Hamburger Neugründung ist es, als europäische Zentrale eines der Marktführer in China, das innovative Produktspektrum von Hochleistungs-Lasermaschinen für die industrielle Materialbearbeitung auch für Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum zugänglich zu machen und sich den Markt durch den Auf- und Ausbau des Vertriebs- und Servicenetzes zu erschließen.

Nordic Volt: Die inhabergeführte schwedische Top-Werbeagentur Volt Stockholm hat einen Standort in Hamburg unter dem Namen Nordic Volt eröffnet. Das Mutterhaus Volt Stockholm ist Teil des unabhängigen Netzwerks Creative North und beschäftigt etwa 50 Mitarbeiter.

Quinyx, der führende schwedische Anbieter für cloud-basierte Workforce-Management-Lösungen, setzt seine europäische Expansion mit der Niederlassung in Hamburg fort. Das Unternehmen zählt bereits heute mehr als 700 Kunden mit 500.000 Anwendern weltweit, darunter namhafte wie McDonalds, Burger King, Rituals und seit Neuestem auch die Odeon/UCI-Kinos und Mobilcom Debitel. Einige von ihnen setzen Quinyx auch bereits in Deutschland ein.

Global Fiberglass Solutions Inc. (GFS) ist ein industrielles Recycling- und umweltfreundliches Produktionsunternehmen mit Hauptsitz in Bothell, im Bundesstaat Washington. Es konzentriert sich auf die wachsende Nachfrage nach Ressourcen zur Wiedergewinnung von wiederverwertbaren Materialien wie Glasfaser und Kohlefaser und erstellen recycelte Produkte durch ein eigenentwickeltes System. Seit 2018 sitzt GFS in Hamburg.

Scada Minds, ein dänischer Konzern der Softwarelösungen für die Windindustrie sowie fortschrittliche 3D-Druck-Technik anbietet, hat in Hamburg seine deutsche Niederlassung eröffnet.

Blick ins Jahr 2019

Obwohl die Bundesregierung aktuell die Wachstumsprognose für 2019 für Deutschland um 0,8 Prozentpunkte nach unten korrigiert hat, geht Hamburg Invest nach eigener Aussage gemeinsam mit der Hamburger Wirtschaftsbehörde für die Beschäftigten- und Arbeitsmarktentwicklung für Hamburg weiterhin von einer positiven Entwicklung aus.

Vor dem Hintergrund des Brexits habe Hamburg Invest vorerst einige Ansiedlungsvorhaben zurückgestellt. Im vergangenen Jahr haben die Wirtschaftsförderer nach eigenen Angaben intensiv im Vereinigten Königreich für Hamburg als Wirtschaftsstandort und für eine weitere enge Zusammenarbeit mit Großbritannien geworben. Dabei arbeitet Hamburg Invest eng mit „London & Partners“, der Wirtschaftsförderung in London, zusammen.

Auch 2019 werde die Wirtschaftsförderungsgesellschaft daran arbeiten, „für alle vom Brexit betroffenen Unternehmen eine Lösung zu finden, die individuell die betriebswirtschaftlich sinnvollste ist“. Gleichzeitig werde das Serviceangebot für Start-ups und Technologieunternehmen weiter ausgebaut und der Technologiestandort beispielsweise auf der Hannover Messe vermarktet.

(Redaktion)


 


 

Hamburg Invest
Deutschland
Wirtschaftsförderer
Unternehmensansiedlung
Brexit
Start-up-Unit
Wertschöpfung
Arbeitsplätze

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Hamburg" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: