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  • 19.05.2020, 07:43 Uhr
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  • Hamburg
Wirtschaftslage

Deutlicher Anstieg bei Firmeninsolvenzen durch die Corona-Pandemie erwartet

Im Jahr 2019 meldeten 19.005 Unternehmen bundesweit eine Insolvenz an. Durch die Corona-Pandemie könnten 2020 mehr als 29.000 Betriebe betroffen sein. Und auch 2021 ist von einer hohen Zahl an Firmenpleiten auszugehen, weil Krisen die Wirtschaft erst mit Zeitverzug treffen.

2020 werden angesichts der Corona-Krise wieder deutlich mehr Firmen in Deutschland in die Pleite rutschen, so Hochrechnungen des Informationsdienstleisters Crifbürgel. Im vergangenen Jahr meldeten insgesamt 19.005 Unternehmen eine Insolvenz an, die Zahl der Insolvenzen war damit 2019 zum zehnten Mal in Folge gesunken. „Für das laufende Jahr erwarten wir bei Crifbürgel allerdings einen deutlichen Anstieg. Unter der Voraussetzung, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft genauso stark sind, wie in der Finanzkrise 2008, rechnen wir in diesem Jahr mit über 29.000 Firmeninsolvenzen“, erläutert Geschäftsführer Dr. Frank Schlein. Vor dem Ausbruch des Corona-Virus war die Wirtschaftsauskunftei noch von 19.500 Fällen für 2020 ausgegangen.

Vergleich mit der Finanzkrise 2008

Die Wirtschaftsauskunftei hat nach eigenen Angaben in einer Szenarioanalyse die gesamtwirtschaftliche Lage der Unternehmen in Deutschland und die Firmeninsolvenzen aus dem Jahr 2008, also dem Höhepunkt der Finanzkrise, mit der Situation im Jahr 2019 verglichen. Demnach beträgt der durch diese Berechnung generierte Faktor 1,54. Das heißt, im schlimmsten Fall kann es in Deutschland im Jahr 2020 um 54 Prozent mehr Insolvenzen geben. Nicht eingerechnet in die Analyse seien Liquiditätshilfen und KfW-Kredite. Bei einem Großteil der Hilfen handele es sich jedoch um Darlehen, also um Schulden, die irgendwann zurückgezahlt werden müssen. Dabei stelle sich die Frage, wie selbst bislang erfolgreiche Firmen, die aufgrund ihres Geschäftsmodelles wenig Gewinn und eher geringe Rücklagen erwirtschafteten, zusätzliche Kredite abbezahlen sollen.

„Da die Insolvenzstatistik stets die Vergangenheit abbildet, also gewissermaßen ein Blick in den Rückspiegel darstellt, werden die genauen Auswirkungen der Corona-Krise wohl erst im zweiten Halbjahr und im kommenden Jahr sichtbar werden. Die Insolvenz-Welle wird auch noch ins Jahr 2021 hineinreichen. Das Ausmaß ist noch offen und hängt auch von der Dauer der Pandemie ab“, so Schlein.

Ähnlich war es auch in der Finanzkrise: Der Höhepunkt der Pleitewelle wurde erst 2009 mit 33.762 Firmeninsolvenzen erreicht.

Vor allem in der Tourismus-, Gastro- und Eventbranche sieht die Wirtschaftsauskunftei einen hohen Anstieg an Insolvenzen. Zudem werden Messebauer, Automobilzulieferer, Kinos und auch der Einzelhandel sowie die exportabhängige Industrie die Folgen des Lockdowns zu spüren bekommen. Unternehmen aus diesen Bereichen mit geringen Liquiditätsreserven dürften kaum wieder auf die Beine kommen.

Insolvenzrecht in Deutschland bietet verschiedene Handlungsmöglichkeiten

Eine durch die Corona-Pandemie verursachte Insolvenz muss nicht heißen, dass das Unternehmen vom Markt verschwindet. Das Insolvenzrecht in Deutschland bietet viele Möglichkeiten. In diesem geht es nicht nur darum, Firmen abzuwickeln oder zu schließen. Eine Variante besteht auch darin, die Firma in Eigenverwaltung der bisherigen Eigentümer zu sanieren, zum Beispiel im Rahmen eines Insolvenzplans, in dessen Rahmen sich das Unternehmen mit den Gläubigern einigen muss, auf welchen Teil der Schulden diese verzichten und wie viel die Firma zurückzahlen kann. Eventuell zielen Firmen auch darauf ab, neue Kapitalgeber ins Unternehmen zu holen.

Es gibt aber auch Branchen, die von der Corona-Pandemie profitieren. Dazu zählen unter anderem der Online- und Versandhandel, Lieferdienste, Unternehmen der Pharma- und Medizintechnikbranche sowie Online-Dienste und Software-Anbieter für Remote-Working-Lösungen.

(Redaktion)


 


 

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