Sie sind hier: Startseite Wirtschaftslexikon
Weitere Artikel

Für weitere Artikel aus dem Wirtschaftslexikon bitte den Anfangsbuchstaben auswählen:

Handelsvertreter

Definition: Handelsvertreter

Als Handelsvertreter werden Gewerbetreibende bezeichnet, die Geschäfte an andere Unternehmen vermitteln oder in deren Namen Geschäfte abschließen. Handelsvertreter sind nicht bei dem Unternehmen angestellt, für das sie arbeiten, sondern Selbstständige nach § 84 I 2 HGB.

Inhaltsverzeichnis zur Handelsvertreter-Definition:

  1. Pflichten und Rechte des Handelsvertreters
  2. Steuerliche Behandlung von Handelsvertretern
  3. Der Handelsvertreter und die Sozialversicherung
  4. Wie kann die Rentenversicherungspflicht umgangen werden?
  5. Einsatzbereiche von Handelsvertretern
  6. Welche Arten von Handelsvertretern gibt es?
  7. Provision
  8. Vertretungsbefugnisse von Handelsvertretern

Pflichten und Rechte des Handelsvertreters

Die Hauptaufgabe des Handelsvertreters ist der Abschluss und die Vermittlung von Geschäften, weiterhin ist er verpflichtet, die Interessen des Unternehmens, in dessen Namen er handelt, zu vertreten. Er ist verpflichtet zur persönlichen Dienstleistung, darf aber Hilfspersonen einsetzen. Einem Wettbewerbsverbot unterliegen Handelsvertreter nicht, solange nicht eines der Unternehmen geschädigt wird. Zu den Rechten des Handelsvertreters gehört die Bereitstellung von Arbeitsunterlagen durch da Unternehmen sowie ein Benachrichtigungsrecht über die Annahme oder Ablehnung vermittelter Geschäfte. Weiterhin hat der Handelsvertreter das Recht auf Provisionen und auf die Erstattung von Aufwendungen. Letzteres allerdings nur, wenn dies vertraglich vereinbart wurde. Die Kündigungsfristen bei unbefristeten Verträgen richten sich nach der Dauer der Zusammenarbeit und betragen im ersten Jahr einen Monat, im zweiten Jahr zwei Monate und vom dritten bis zum fünften Jahr drei Monate.

Steuerliche Behandlung von Handelsvertretern

Wie alle Selbstständigen zahlt der Handelsvertreter Einkommenssteuer (Definition Einkommenssteuer), Gewinne werden durch Einkünfte aus Gewerbebetrieb nach § 2 I Nr. 2 EStG erwirtschaftet. Die Umsatzsteuerpflicht ergibt sich aus der Art der Zusammenarbeit mit dem Unternehmen: Handelt der Handelsvertreter im eigenen Namen, entstehen auf der einen Seite zu Vertragsbeziehungen zwischen Kunde und Handelsvertreter sowie zwischen Handelsvertreter und Unternehmen. Die Vorgänge sind umsatzsteuerlich getrennt zu behandeln. Häufiger ist der Fall, dass der Handelsvertreter im Namen eines Unternehmens handelt. Dann fungiert er als Vermittler zwischen Kunde und Auftraggeber, lediglich die eigene Provision unterliegt dann der Umsatzsteuer . Eine Ausnahme bilden zum Beispiel Versicherungsvertreter, bei ihnen ist die Vermittlungsleistung steuerbefreit.

Der Handelsvertreter und die Sozialversicherung

In manchen Fällen ist der Handelsvertreter trotz seiner Selbstständigkeit verpflichtet, Abgaben an die Rentenversicherung zu entrichten. Möglich ist dies in folgenden Situationen:

  • Der Handelsvertreter ist im Wesentlichen nur für einen Arbeitgeber tätig.
  • Im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit beschäftigt der Handelsvertreter keinen weiteren Arbeitnehmer mit einem Gehalt von mehr als 450 Euro.

Die Rentenversicherung erkennt eine dauerhafte Tätigkeit für einen Arbeitgeber dann an, wenn wenigstens fünf Sechstel des Einkommens des Handelsvertreters von diesem Auftraggeber stammen. Der Selbstständige wird in diesem Fall als „Arbeitnehmerähnliche Person“ eingestuft. Eine Scheinselbstständigkeit ist per Gesetz ausgeschlossen. Wenn ein Handelsvertreter nicht als arbeitnehmerähnlicher Selbstständiger eingestuft wird, unterliegt er in keinem Fall der Sozialversicherungspflicht. Er kann sich allerdings in allen Bereichen freiwillig versichern.

Wie kann die Rentenversicherungspflicht umgangen werden?

Es besteht die Möglichkeit, dass Handelsvertretungen, die als eigenständige juristische Person tätig sind, die Pflicht zur Rentenversicherung umgehen. Das ist z. B. beim Mitvertrieb in Call-Centern oder bei Vertriebsgesellschaften im Außendienst der Fall. Hierbei sind die einzelnen Mitarbeiter, dem Status nach freischaffende Handelsvertreter, selbst für ihre Versicherung verantwortlich. Unternehmensgründer, die als arbeitnehmerähnliche Selbstständige eingestuft wurden, haben überdies die Möglichkeit, sich für die ersten drei Jahre nach der Existenzgründung von der Rentenversicherungspflicht befreien zu lassen.

Einsatzbereiche von Handelsvertretern

Die Einsatzbereiche von Handelsvertretern sind vielfältig. Sie sind sowohl im B2B - als auch im B2C-Bereich tätig. Zu den Hauptkunden deutscher Handelsvertretungen gehören das produzierende Gewerbe und der Handel. In diesem Zusammenhang sind Handelsvertreter vor allem für den Vertrieb relevant. Das liegt nicht zuletzt an der aus ihrer selbstständigen Arbeitsweise begründeten Motivation und ihrer sehr guten Marktkenntnis.

Wenn eine hohe Beratungsintensität notwendig ist, die von einzelnen Mitarbeitern nicht mehr abgebildet werden kann, setzt man eher keine Handelsvertreter mehr ein. Hier fließen nämlich auch betriebswirtschaftliche, technische und rechtliche Aspekte in die Angebotserstellung ein. Hier ist ein ganzes Verkaufsteam erforderlich. Auch wenn es möglich ist, den Abverkauf über den Direktvertrieb abzubilden, wird kein Handelsvertreter eingesetzt.

Welche Arten von Handelsvertretern gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man drei verschiedene Arten von Handelsvertreter, den Einfirmen-/Mehrfirmenvertreter, den Vermittlungsvertreter/Abschlussvertreter und den Bezirksvertreter/Alleinvertreter:

Die verschiedenen Vertreter
Der Einfirmenvertreter• Vertreter ist für ein einzelnes Unternehmen tätig
• Sortiment so vielfältig, dass er voll ausgelastet ist
Der Mehrfirmenvertreter• vertritt mehrere Firmen mit unterschiedlichen Produkten
• Interessenkonflikte möglich
• Vertreter darf keine Produkte konkurrierender Unternehmen vertreten
Vermittlungsvertreter• Vertreter ist ausschließlich mit der Vermittlung der Geschäfte betraut
Abschlussvertreter • Vertreter ist berechtigt, Geschäftsabschluss im Namen des Unternehmens selbst durchzuführen
Bezirksvertreter • Vertreter ist für einen bestimmten Bezirk bzw. Kundenkreis verantwortlich
• auch dann Anspruch auf Provision, wenn ohne Mitwirkung Verträge im Bezirk geschlossen werden
Alleinvertreter • Bezirksvertreter mit zusätzlich erhöhtem Kundenschutz
• hat Anspruch darauf, dass vertretene Firma weder selbst noch durch Stellvertreter in dem entsprechenden Gebiet tätig wird

Provision

Die Vergütung des Handelsvertreters erfolgt üblicherweise über eine Provision. Das bedeutet, dass er einen festgelegten Prozentsatz des erwirtschafteten Gewinns bekommt. Die Voraussetzungen für den Erhalt einer Provision sind in § 87 Abs. 1 HGB geregelt. Darin steht, dass die Arbeit des Vertreters zu einem Vertragsschluss zwischen dem Kunden und dem Unternehmen führen muss. Die Höhe des Provisionssatzes ist dabei unterschiedlich. Sie wird individuell ausgehandelt. Einen Einfluss auf die Höhe haben dabei vor allem die Branche und der Wert der verkauften Ware.

Vertretungsbefugnisse von Handelsvertretern

Bei Handelsvertretern unterscheidet man vier verschiedene Arten von Vertretungsbefugnissen. Hier gibt es den Vermittlungsvertreter, den Abschlussvertreter, den Bezirksvertreter als Vermittlungsvertreter und den Bezirksvertreter als Abschlussvertreter.

Vermittlungsvertreter:

Der Handelsvertreter darf keine rechtsgültigen Abschlüsse durchführen, also keine Willenserklärung abgeben. Häufig wird der Kundenschutz dabei gem. § 84 Satz 1 HGB umgangen, indem die Mitwirkungspflicht so umfassend wie möglich geregelt wird.

Abschlussvertreter:

Der Abschlussvertreter kann rechtsgültige Willenserklärungen für den Anbieter abgeben. Der Anbieter kann die Vertragserfüllung nur im Ausnahmefall ablehnen. Das ist z. B. bei mangelhafter Solvenz oder bei Lieferengpässen der Fall. Der Vertreter genießt allerdings keinen Bezirksschutz. Das heißt, der Anbieter kann jederzeit selbst ähnliche Aufträge oder Folgeaufträge abschließen, ohne dass er dem Vertreter eine Provision zahlen muss.

Bezirksvertreter als Vermittlungsvertreter:

Dieser Vertreter ist berechtigt, Kundenanfragen zu besorgen, eine Provision zu erhalten und selbst oder mit Dritten im bestimmten Bezirksschutz zu verhandeln. Für den Vertreter ist diese Position günstig, da er für alle Aufträge aus seinem Bezirk Provision erhält, egal, ob es sich um direkte oder indirekte Aufträge handelt. Der Unternehmer hat allerdings das Recht, Aufträge bei Lieferengpässen abzulehnen oder Konditionen neu zu verhandeln.

Bezirksvertreter als Abschlussvertreter:

Bei dieser Konstellation hat der Handelsvertreter umfassende Befugnisse. Im regulären Vertriebsgeschäft ist sie allerdings eher selten. Die zwei wichtigsten Voraussetzungen bestehen darin, dass der Vertreter sein Gebiet erworben oder gepachtet hat und der Anbieter jederzeit liefern kann. Die entsprechenden Bezirke werden bei der Betriebsbewertung in der Regel gesondert bilanziert.

(Florian Weis)


 


 

Handelsvertreter
Definition Handelsvertreter
Geschäfte
Recht
Selbstständige
Provision
Umsatzsteuerpflicht
Annahme

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Handelsvertreter" - jetzt Suche starten:

Für weitere Artikel im Wirtschaftslexikon bitte den Anfangsbuchstaben auswählen:
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: