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  • 19.07.2017, 10:02 Uhr
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  • Deutschland
Interview

7 Fragen an Hartmut Deiwick von PharmaHera

Hartmut Deiwick ist Geschäftsführer bei PharmaHera in Berlin. PharmaHera wurde 2015 als Logistik-Service-Agentur für die Online-Apotheke Aponeo gegründet. Das Unternehmen versendet Medikamente, Beauty-, Kosmetik- und Wellnessprodukte an private Endkunden sowie homöopathische Mittel an Heilpraktiker. Im business-on.de-Interview spricht Deiwick über die Veränderungsbereitschaft als Karrieremerkmal im E-Commerce.

business-on.de: Der Fachkräftemangel ist eines der Top-Risiken in der deutschen Wirtschaft. Auch für E-Commerce-Unternehmen?

Hartmut Deiwick, PharmaHera: Der E-Commerce ist immer noch eine junge Branche. Damit sind die Unternehmen als Arbeitgeber natürlich gerade auch für junge Menschen attraktiv. Aber: Alle Branchen stehen mehr und mehr im übergreifenden Wettbewerb zueinander. Gerade bei Fachkräften in Feldern wie IT, Marketing oder Administration. Die gibt es fast in jedem Unternehmen, egal ob Automobilhersteller, Unternehmensberater oder Online-Shop.

business-on.de: Welche Branche wird langfristig die Nase vorn haben?

Hartmut Deiwick, PharmaHera: Ich glaube, dass es weniger auf die Branche ankommt. Es kommt auf das Unternehmen an. Welche Kultur herrscht da? Ich vertrete eine offene Diskussionskultur und bin kritikfähig. Das erwarte ich auch von den Angestellten. Manchmal ist die Wahrheit hart, aber es gibt so viele Unternehmen, in denen überhaupt nicht kommuniziert wird. Man redet bestenfalls in Stichworten, die man sich zuwirft, es ist im hektischen Alltag nie Zeit für mehr. Dann lieber die Wahrheit.

business-on.de: Aber Kommunikationskultur alleine kann ja die Antwort nicht sein…

Hartmut Deiwick, PharmaHera: Natürlich geht es auch um die üblichen Fragestellungen wie Sinnhaftigkeit des Jobs, Selbstverwirklichung, um die Work-Life-Balance etc., gerade bei jungen Menschen. Aus meiner Sicht sind das aber nur noch Hygienefaktoren. Fast alle Unternehmen haben begriffen, dass es bei Arbeitnehmern aus der Generation Y häufig eine komplett andere Grundhaltung gibt als noch bei deren Eltern. Und abseits der Ypsiloner? Was braucht es, damit ein Mitarbeiter glücklich ist, wie alt oder jung er sich auch fühlt? Über einen sinnhaften Job hinaus? Das erfährt man nur, wenn man mit den Menschen redet. Einer guten Fachkraft sollte man versuchen zu geben, was sie braucht, um sich wohl zu fühlen.

business-on.de: Wie definieren Sie eine gute Fachkraft?

Hartmut Deiwick, PharmaHera: Die Qualität eines Mitarbeiters liegt längst nicht mehr nur darin, wie gut er in seinem Fachbereich ist. Sondern auch darin, wie gut er eigenständig Probleme bewältigen kann. Ob er aus eigenem Antrieb an einer Sache dranbleibt und sie vorantreibt. Und dass er dies im Team kann. Interdisziplinäre Projekte sind heute fast überall die Regel. Teamfähigkeit und soziale Kompetenz sind aber leider nicht so sehr verbreitet, wie man das gerne annehmen möchte. Wichtig ist auch, wie schnell sich eine Fachkraft in neue Bereiche einarbeiten kann. Und ob jemand dazu überhaupt bereit und in der Lage ist. Ich weiß, dass Stichworte wie lebenslanges Lernen und Weiterentwicklung abgedroschen klingen. Ich sage lieber: Wir brauchen mehr Mut zur Veränderung. Das gilt für jeden einzelnen Mitarbeiter und natürlich auch für mich. Und für das Unternehmen insgesamt.

business-on.de: Veränderung heißt konkret…

Hartmut Deiwick, PharmaHera: Nehmen wir die operative Ebene. Um die Kundenzufriedenheit zu verbessern, habe ich immer wieder auf eine Weiterentwicklung der Logistik gedrängt. Zum Beispiel haben wir sehr früh die Same-Day-Delivery eingeführt. Heute kennt das jeder. Durch Amazon. Wir haben das aber schon 2013 eingeführt. Der Markt und auch die Mitarbeiter haben damals gesagt: Kein Mensch braucht ein Paket noch an dem Tag, wo er es bestellt hat. Aber die Kollegen haben die Veränderung trotzdem mitgemacht. Wir profitieren noch heute von einer Kundenbindung, die eindeutig auf die besonderen Lieferservices zurückzuführen sind. Ein weiteres operatives Beispiel: Über den eigenen Online-Shop hinaus wollte ich den Amazon-Marktplatz als Verkaufskanal nutzen. Natürlich verkauft Amazon auch selbst Produkte, die im Wettbewerb mit unserem Angebot auf dem Marktplatz stehen. Und unsere Verkaufsstatistik ist ein offenes Buch für Amazon, so dass das Angebot auf Kosten unserer Daten optimiert werden kann. Aber wir haben den Gesamtumsatz aus eigenem Shop und Marktplatz trotzdem deutlich steigern können. Der Schritt war mutig, aber war und ist gut. Und er ist vor allem profitabel.

business-on.de: Und über das Operative hinaus?

Hartmut Deiwick, PharmaHera: In vielen Branchen spielen Zusammenschlüsse und Übernahmen von Firmen eine Rolle. Das ist gerade auch im E-Commerce immer ein Thema. Wachstum ist entscheidend, denn am Ende des Tages werden sich in jedem Segment nur wenige Unternehmen auf hohem Niveau behaupten. Wir haben in der Vergangenheit sowohl Wettbewerber gekauft als auch Finanzpartner gesucht und gefunden. Aber das bringt eben jedes Mal Veränderung mit sich, und zwar auf allen Ebenen, auch für die Geschäftsführung. Ich finde Impulse von außen extrem wichtig.

business-on.de: Wo sehen Sie die größten Job-Chancen im E-Commerce?

Hartmut Deiwick, PharmaHera: Wir suchen gerade vor allem in der Software-Entwicklung neue Kollegen. Außerdem im Bereich Business Intelligence, Pricing und Online-Marketing. Dabei gibt es gelegentlich auch Führungsaufgaben, die frei werden. Auch die besetzen wir oft extern, wobei es mir aber durchaus wichtig ist, auch dem jetzigen Stamm die Chance zur Entwicklung und zum Aufstieg zu geben. Letztendlich bin ich selbst genau so zum Geschäftsführer geworden. Angefangen habe ich als Praktikant bei Aponeo, später war ich kaufmännischer Leiter. Von Aponeo aus habe ich PharmaHera als Apotheken-Dienstleister mit aufgebaut. Praktikanten suchen wir im Übrigen auch.

(Redaktion)


 


 

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