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WM 2010

Fußballweltmeisterschaft 2010 - ein Big Deal der Extraklasse für Deutschlands Geschäftsleute

Am 11. Juni 2010 ist es dann endlich soweit, wenn die erste Begegnung der Fußball- Weltmeisterschaft 2010 im Soccer City-Stadion in Soweto/Johannesburg vor 94.700 Zuschauern angepfiffen wird. Der Gastgeber „Bafana Bafana“ tritt dann gegen die mexikanische Nationalmannschaft an.

Schwierig ist es, den genauen Ausgang dieser Partie zu prognostizieren, jedoch kann man die Deutschen schon als Sieger des afrikanischen Ereignisses zählen. Denn die Geschäftsbücher der deutschen Wirtschaft sind bereits jetzt mit vielen schwarzen Zahlen gefüllt.

Das Ziel der südafrikanischen Regierung ist ehrgeizig und gigantisch zugleich. Der Präsident Jacob Zuma hat sich zum Ziel gesetzt, das Sportereignis zum „the best World Cup ever“ zu etablieren. Dieser Wille setzte massive Investitionen in Verkehr und Transport, Umwelt und Tourismus, Kultur, Energie, Sicherheit und Kommunikation voraus. Der Botschafter der Republik Südafrika in Deutschland, S.E. Sonwabo Eddie Funde, bezifferte in einer Stellungnahme vom 05.12.2009 die Investitionen seines Staates in die Infrastruktur des Verkehrs- und Transportwesens, der Energiegewinnung und Telekommunikation, sowie im Stadienbau mit über 5 Milliarden Euro. Zusätzlich investiere die Privatwirtschaft weitere 2,5 Milliarden Euro in die touristische Infrastruktur des Gastgebers. An diesem großen Kuchen schneiden sich vor allem deutsche Firmen ein großes Stück ab.

Ein Erfolgsbeispiel hierfür stellt das Hamburger Architekturbüro Gerkan, Mang und Partner (gmp) dar, welches gemeinsam mit südafrikanischen Partnern den Zuschlag für gleich drei der insgesamt zehn WM-Stadien einholen konnte. Im November 2005 gewann gmp den Auftrag zum Bau des Nelson Mandela Bay-Stadiums in Port Elizabeth, welches nach FIFA-Angaben Platz für 48.000 Zuschauer bereitstellt und ein Kostenvolumen von 55-60 Mio. Euro einnimmt. Schließlich knüpte am ersten Erfolg im Juni 2006 das Moses Mabhida Stadium in Durban an, welches 70.000 Sitzplätze vorsieht und über 177 Mio. Euro kosten wird. Zu guter Letzt folgte im selben Jahr die Vergabe des Green Point Stadiums, welches für 70.000 WM-Begeisterte in Kapstadt konzipiert wurde und rund 180 Mio. Euro teuer war. Geleitet wurden die Baumaßnahmen durch das extra hierfür eingerichtete gmp-Büro am Kap. Alle drei Stadien sahen bis 2009 ihren Abschluss vor, da jedoch durch Streiks der Arbeiter und Protestaktionen von Umweltaktivisten die Bauarbeiten unterbrochen wurden, steht der Abschluss des Stadions in Port Elizabeth noch aus, während Durban und Kapstadt die WM-Fangruppen bereits gastfreundlich empfangen können.

Die Siemens AG konnte ebenfalls kräftig absahnen und Aufträge in Höhe von einer Milliarde Euro an Land ziehen. Der Großteil dieses Auftragsvolumens entfällt auf Projekte im Energiebereich, im Verkehrsmanagement und in der medizinischen Versorgung. Ferner rüstet die Siemens-Tochter Osram acht von zehn Stadien mit deutscher Lichttechnik aus. Hingegen stattet die ZF Friedrichshafen AG über 700 Busse, die für die Fußball-Weltmeisterschaft zum Einsatz kommen werden, mit Getrieben vom Typ Ecomat und AS Tronic aus. Denn das effektive sowie umweltfreundliche Transportkonzept aus Friedrichshafen hat die südafrikansichen Auftraggeber überzeugt.

Auch die Münchener MAN Nutzfahrzeuge AG konnten ihren Marktanteil im
Partnerland ausbauen und einen Deal mit der staatlichen PRASA (Public Rail Agency of South Africa) unter Dach und Fach bringen. Über 110 Überlandbusse des Typs MAN Lion's Explorer werden an Südafrika verkauft, die den Transport von Fußballfans zu den WM-Spielen in das Soccer City-Stadion gewährleisten sollen. In Südafrika ist MAN mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent seit Jahren Marktführer im Busbereich.

Für den Erfolg zahlreicher deutscher Unternehmen im Partnerland, spielen mehrere Grundvoraussetzungen bei der Auftragsvergabe eine überaus wichtige Rolle, wie bei den ausgewählten Unternehmen eindeutig zu erkennen war. Langjährige Kontakte nach Südafrika sichern den Unternehmen immer Up to Date zu sein und somit gleichzeitig die Transaktionskosten senken zu können. Ebenfalls gilt der Einschluss südafrikanischer Partner bei öffentlichen Ausschreibungsverfahren als Bonus für einen Zuschlag, zumal der Broad Based Black Economic Empowerment Act (BBBEE) der südafrikanischen Regierung unter bestimmten Voraussetzungen die Einstellung von schwarzen Mitarbeitern bzw. die Einbindung von lokalen (schwarzen) Partnern wie Zulieferer vorsieht. Des Weiteren erweist sich die Expertise deutscher Firmen, das German Know-how, insbesondere bei Infrastrukturmaßnahmen als unerlässlich. Deshalb konnte gmp infolge seiner Erfahrungen im Stadion(um)bau, etwa beim Berliner Olympiastadion, hierbei einen Vorsprung erzielen. Doch ein einzigartiger Aspekt hebt die Deutschen im Wettbewerb zu den konkurrierenden ausländischen Unternehmen insgesamt hervor, nämlich das Qualitätsimage des „Made in Germany“.  So ist es nicht verwunderlich, dass gegenwärtig über 650 deutsche Firmen in Südafrika tätig sind und mehr als 90.000 Menschen unmittelbar beschäftigen. Die Weltmeisterschaft hat Deutschland schon gewonnen.

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(Ghassan Abid)


 


 

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5 Kommentare

von Dr. Bernhard Solms
25.01.10 22:01 Uhr
Außerordentliche Forschungsarbeit

Diese politikwissenschaftliche Lektüre greift viele Facetten aus den unterschiedlichen Politikfeldern gleichzeitig auf, welches ich als sehr lobenswert erachte. Die analytische Methodik, die kontinuierliche Heranführung an die Fragestellung unter gleichzeitiger Beachtung historischer Gesichtspunkte, die interdisziplinäre Ausrichtung und die Aufstellung von Policyempfehlungen machen dieses Werk zu einer einzigartigen Südafrika-Literatur, die absolut lesenswert ist. Die Aufgreifung von Ansätzen auf den Gebieten Diplomatie, Business, Verteidigung und Entwicklungszusammenarbeit, die nur in einem Werk behandelt und miteinander kombiniert werden, ermöglichen dem Autor somit eine Unterscheidung zu den gängigen Publikationen der "großen" Afrikainstituten, wie dem "German Institute of Global and Area Studies" in Hamburg oder der "Stiftung Wissenschaft und Politik" in Berlin. Riesen Lob an den Kollegen Abid.

von Dominique Albert
26.01.10 14:12 Uhr
Sensationelle Resultate

Die Ergebnisse des Buches haben mich sehr überrascht, insbesondere zum Fallbeispiel der Verteidigung. Ich will nicht vorabgreifen, nur soviel dazu:

Das Bundesverteidigungsministerium hat sich zu Apartheidzeiten immer versucht rauszureden und der Verantwortung für die afrikanischstämmigen Bewohner des Landes zu entziehen. Diese Herangehensweise hat übrigens auch das französische Verteidigungsressort, la Ministère de la Défense, übernommen. Jedoch unterscheidet beide Regierungen der Umstand, dass die Franzosen viele ihrer Kooperationen mit dem Apartheidregime offiziell vertreten haben, während die Deutschen den Weg der Anonymität pflegten - zum Argwohn des Auswärtigen Amtes und des Bundespresseamtes der Bundesregierung. Die deutsche Industrie hingegen profitierte von der deutschen Südafrika-Politik, was wohl ein Beweggrund für dieses Verhalten darstellen könnte.

Ich bin begeistert über die Resultate und Anlagen des Buches -
bravo monsieur pour cettes connaissances, vraiment bravo!

von Sabine Meier
27.01.10 11:55 Uhr
Global Players ringen um Afrikas Aufträge

Ja, jedes Sportereignis wirft viele Gewinne ab. Deutschland konnte sich schließlich auch bei den Olympischen Spielen in Peking gut aufstellen, unter anderem die Siemens AG, die nun aktuell in Südafrika eine Milliarde € an Umsatz erbringen konnte, wie im Artikel festgehalten. Gebe dem Autor Recht, dass langjährige Kontakte zu den Akteuren des Partnerlandes eine Notwendigkeit geworden sind, zumal sich die Chinesen mit diesem Handicap noch auseinandersetzen müssen - aber für wie lange noch? In Afrika gehört die Volksrepublik mittlerweile zu einem der global players - eine Konkurrenz mehr für Deutschland.

von G. Dachmann
31.01.10 11:25 Uhr
Toller Artikel!

Toller Artikel! War mir vorher nie bewusst, dass die deutschen Unternehmen überall ihre Finger habe, insbesondere bei Sportevents wie der Fußball-WM 2010 in Südafrika.

von Helmut S.
07.02.10 15:17 Uhr
Ergänzung zum Artikel

Hallo, ich habe gelesen, dass Siemens und Bombardier auch die Züge in Südafrika mit Elektronik ausgestattet haben sollen. Gebe business-on.de Recht, dass die WM 2010 ein gutes Geschäft für Deutsche Firmen war/ ist.

 

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