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Abgeltungsbesteuerung

Alternativen zur Abgeltungsteuer, Chancen, Tücken und Formalien

Als ob die „Irrungen und Wirrungen“ des Halb- bzw. Teileinkünfteverfahrens nicht schon genug wären – mit der nun geltenden 25-prozentigen Abgeltungsbesteuerung und teilweise komplizierten Ausnahmeregelungen hat der Gesetzgeber „noch einen draufgesetzt“. Mehr Licht ins Dunkel hat hier zwar das BMF-Schreiben vom 22.12.2009 gebracht. Doch gibt es immer noch viele Zweifelsfragen.

! Als Gesellschafter und Geschäftsführer sollten Sie die Spielregeln kennen, nach denen sich beispielsweise bei Gesellschafter-Kapitalerträgen, anderen Beteiligungsgewinnen oder Darlehenszinsen die aktuelle Besteuerung richtet. 25-prozentige Quellenbesteuerung oder Individualbesteuerung? Insbesondere sollten Sie die Ausnahmen von der Abgeltungsteuer (§ 32d Abs. 2 EStG) kennen. Die nebenstehende Orientierungshilfe soll Ihnen helfen, die Übersicht zu behalten.

Ein Themen-Schwerpunkt des BMF-Schreibens liegt bei den Ausnahmen von der Quellenbesteuerung. Bei Kapitalerträgen aus typischen, d.h. ohne unternehmerische Rechte ausgestatteten stillen Beteiligungen, partiarischen und normalen Darlehen spielt eine besondere Rolle, ob Kapitalerträge zwischen einander nahestehenden Personen fließen (§ 32d Abs. 2 Nr. 1a EStG). Beispiel: Der GmbH-Gesellschafter erhält als privater Immobilieninvestor von seinen Kindern ein Darlehen und zahlt ihnen dafür Zinsen. Hier kommt nicht die Abgeltungsbesteuerung zum Zuge.

! Als „nahestehend“ gelten nach Ansicht der Finanzverwaltung: 1. Angehörige im Sinne des § 15 Abgabenordnung, z.B. der Ehegatte, Verlobte, Verwandte gerader Linie wie etwa Kinder, 2. solche Personen, die gegenseitig beherrschenden Einfluss ausüben können, 3. eine dritte Person, die auf beide einen beherrschenden Einfluss ausüben kann.

Bei den vorher genannten Kapitalerträgen, z.B. aus Darlehen, gilt von Gesetzes wegen auch im GmbH-Bereich nicht die Quellenbesteuerung, wenn

  • die Gesellschaft einem Anteilseigner, der zumindest mit zehn Prozent an ihr beteiligt ist, solche Kapitalerträge – z.B. Darlehenszinsen – zahlt oder
  • der Gläubiger der Kapitalerträge eine dem GmbH-Gesellschafter „nahestehende“ Person ist. Bei der Berechnung der Beteiligungsgrenze von zehn Prozent zählen laut Finanzverwaltung unmittelbare und mittelbare Beteiligungen mit.

Bei „normalen“ Einkünften von GmbH-Gesellschaftern aus ihrer Beteiligung haben diese das Recht, die Abgeltungsbesteuerung abzuwählen und sich für die Individualbesteuerung zu entscheiden. Dafür ist ein entsprechender Antrag erforderlich. Grundvoraussetzung für das Abwahlrecht ist:

  • Entweder eine Beteiligung von mindestens 25 Prozent an der GmbH oder
  • eine zumindest einprozentige Beteiligung und eine „berufliche“ Tätigkeit für die GmbH.

Unter die „berufliche“ Tätigkeit fallen – so die Finanzverwaltung – sowohl selbstständige als auch nicht selbstständige Aktivitäten. Es macht keinen Unterschied, ob die Tätigkeit freiberuflichen, z.B. als Berater der GmbH, oder gewerblichen Charakter hat, z.B. Subunternehmertätigkeit für die GmbH. Für die 25-Prozent-Beteiligungsgrenze reicht es aus, wenn die – unmittelbare oder mittelbare – Beteiligung zu irgendeinem Zeitpunkt in dem Veranlagungszeitraum, für den der Antrag erstmals gestellt wird, vorgelegen hat. Im Extremfall reicht eine am 31. Dezember vorliegende 25-prozentige Beteiligung.

! Erwerben Sie weitere Anteile, greift die gewählte Ausnahmeregelung von der Abgeltungsbesteuerung bei der gesamten Beteiligung – auch hinsichtlich der hinzuerworbenen Anteile.

Ihren Antrag auf Abwahl der Abgeltungsbesteuerung müssen Sie als Gesellschafter spätestens mit der Einreichung Ihrer Einkommensteuererklärung für den jeweiligen Veranlagungszeitraum stellen. Dabei handelt es sich nach Ansicht der Finanzverwaltung um eine Ausschlussfrist. Entscheidend ist die erstmalige Abgabe der Steuererklärung für das jeweilige Jahr.

Tipp: Ihren Schritt zur Abwahl der Abgeltungsbesteuerung sollten Sie sich gut überlegen. Nur im Fall der Individualversteuerung Ihrer Gesellschaftereinkünfte nach dem Teileinkünfteverfahren haben Sie noch die Möglichkeit, 60 Prozent der mit Ihrer Beteiligung in Zusammenhang stehenden Aufwendungen als Werbungskosten geltend zu machen.

Bei der Quellenbesteuerung ist dagegen der Werbungskostenabzug ausgeschlossen. Die Verfassungsmäßigkeit dieser steuerlichen Ausgaben-Deckelung ist zwar umstritten, insbesondere bei steuerorientierten Kapitalanlagen, die im Allgemeinen längerfristig – auch mit länger möglichem Werbungskostenabzug – konzipiert sind. Genauso ist auch die Situation bei GmbH-Beteiligungen. Doch laufen derzeit die ersten Musterprozesse wegen etwaiger Verfassungswidrigkeit erst an.

BMF-Schreiben vom 22.12.2009, Az. IV C 1 S 2252/08/10004, BStBl 2010 I, S. 94

(VSRW-Verlag)


 


 

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