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Abzocke durch Callcenter

Verbraucherzentrale vermutet Zusammenhang mit Datenverkauf

(ddp-nrw). Verbraucherschützer warnen vor Abzocke durch Callcenter. In den vergangenen Wochen seien zahlreiche Beschwerden eingegangen, wonach unter anderem als Lottogesellschaften getarnte Firmen über Callcenter Verbraucher angerufen und in mehreren Fällen ohne Einzugserlaubnis Geld von deren Bankkonten abgebucht hätten, sagte ein Sprecher der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein am Dienstag in Kiel. Die Verbraucherschützer vermuten, dass die Firmen die Kundendaten von einem Unternehmen im nordrhein-westfälischen Viersen gekauft haben könnten. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach ist bereits eingeschaltet.

Den Angaben zufolge soll die Viersener Firma Datensätze von mehr als 17 000 Kunden verkauft haben. Neben Namen sollen darunter Geburtsdaten, Telefonnummern und Adressen sowie die kompletten Bankdaten gewesen sein. Der Verbraucherzentrale wurde nun eine CD mit den Daten anonym zugespielt. Gemeinsam sei den darauf verzeichneten Verbrauchern, dass sie in der Vergangenheit an der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) teilgenommen und dabei ihre Kontodaten hinterlassen hätten, sagte eine weitere Sprecherin der Verbraucherzentrale.

Die Callcenter sollen mit Hilfe der Daten Kontakt zu den Kunden aufgenommen und anschließend Abbuchungen von deren Konten vorgenommen haben, so die Vermutung der Verbraucherschützer. «Uns sind die ersten Fälle bekannt, in denen von Konten der betroffenen Verbraucher abgebucht wurde, obwohl diese unmissverständlich jegliche Teilnahme an einem Glücksspiel ablehnten», sagte der Sprecher der Verbraucherzentrale. Dennoch sollen monatliche Beträge in hoher zweistelliger Euro-Höhe abgebucht worden sein.

 

Die Daten-CD ist nach Angaben der Verbraucherschützer inzwischen an das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) in Schleswig-Holstein weitergegeben worden. Dieses habe die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach informiert. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte den Eingang einer Strafanzeige.

 

 

ULD-Leiter Thilo Weichert ging davon aus, dass es sich bei der aufgetauchten Daten-CD nur «um die Spitze eines Eisbergs» handelt. Das Ausmaß des Missbrauchs sei noch unklar, sagte Weichert. Aber bereits jetzt gebe es eine Vielzahl von Beschwerden. Dass die CD in Schleswig-Holstein aufgetaucht sei, halte er für einen Zufall. Er gehe davon aus, dass Callcenter bundesweit mit solchen Datenträgern beschickt werden.

Schleswig-Holsteins Verbraucherschutzministerin Gitta Trauernicht (SPD) forderte vor dem Hintergrund, die Wirksamkeit von Telefonverträgen an eine schriftliche Bestätigung zu knüpfen. Der Gesetzentwurf des Bundesjustizministeriums bleibe jedoch deutlich hinter dieser Forderung zurück, kritisierte die Ministerin.

Nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken kommt es nur selten zu Missbrauchsfälle bei Lastschriftverfahren. So seien 2006 mehr als sieben Milliarden Zahlungen per Lastschrift abgewickelt worden. Der Anteil der wegen Widerspruchs rückabgewickelten Lastschriften habe sich dabei im prozentualen Promillebereich bewegt, sagte eine Sprecherin.

Weichert warnte Verbraucher trotzdem davor, allzu sorglos mit ihren Kontodaten umzugehen. Vor allem am Telefon und im Internet solle man bei der Preisgabe privater Kontoverbindungen «absolut zurückhaltend» sein. Mindestens alle zwei Woche sollte zudem überprüft werden, ob es auf dem Konto unberechtigte Abbuchungen gegeben habe.

Icon/Foto: © bilderbox - Fotolia.com

(Redaktion)


 


 

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