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Aktien- und Finanzmärkte

Moskauer Börse mit neuen Jahreshöchstkursen – globale Jahresendrallye in vollem Gang

Aktuelles von den Aktien-, Rohstoff- und Finanzmärkten: Das Ölkartell Opec sorgt für steigende Ölpreise. Als Folge werden russische Öl- und Gasaktien stark nachgefragt. Bitcoins erreichen ein neues Jahreshoch, Gold hingegen bewegt sich nicht von der Stelle.

Die Weltbörsen jagen derzeit von einem Jahreshoch zum nächsten. Die Wall Street erreichte sogar ein neues Allzeithoch, obwohl die Nachrichtenlage nicht die beste war. Am meisten stiegen russische Aktien, die schon zuvor zu den Top-Performern der Welt zählten. Erst stimulierte der Trump-Effekt und dann die letzte Opec-Konferenz im November 2016, die nach acht Jahren zum ersten Mal eine Fördermengenverringerung vereinbarte. Rückenwind für europäische Aktien gab zusätzlich der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi, indem er eine Fortsetzung des Anleihenaufkaufs bis Ende 2017 beschloss. Der Goldpreis kam jedoch nicht von der Stelle. Dafür stieg der Wert von Bitcoins stark an.

Paradoxe Börsenlogik: trotz negativer Nachrichten neue Jahreshöchstkurse

Wer hätte das gedacht: erst Brexit, dann Trump-Wahlsieg und dann die Wahlniederlage von Matteo Renzi in Italien. Sogar diese Wahlniederlage des mittlerweile zurückgetretenen italienischen Ministerpräsidenten Renzi erwies sich bis jetzt als Non-Event an der Börse. Dies waren alles Ereignisse, bei denen viele sogenannte Experten im Vorwege vermuteten, dass die Aktienkurse einbrechen und Gold stark steigen würden. Es kam aber genau anders. Seit mehr als drei Monaten befindet sich der Goldpreis trotz der zunehmenden politischen Unsicherheiten in Sinkflug und die Aktienmärkte erklommen neue Jahreshöchstkurse, zuweilen sogar neuen Allzeithochs wie in den USA und in Russland (zumindest in Rubel).

So stieg der US-amerikanische Dow-Jones-Index auf das neue Allzeithoch von 19.752 Indexpunkten und nähert sich mit großen Schritten der magischen 20.000er-Marke. Selbst der zuvor lahmende deutsche Aktienindex Dax konnte in der vergangenen Woche über 6 Prozent zulegen und stieg auf das neuen Jahreshoch von 11.243 Indexpunkten. Der Euro-Stoxx konnte am Freitag, 9. Dezember 2016, um weitere 0,64 Prozent ansteigen und schloss bei 3.208 Indexpunkten, was freilich noch kein neues Jahreshoch bedeutet. In Europa bleibt Italien die Achillesferse, insbesondere nach der Wahlniederlage beim Referendum über eine Verfassungsänderung und dem Rücktritt des Premiers Renzi.

Japanische Börse holt auf: plus 20 Prozent seit dem Sommer 2016

Der japanische Nikkei-225-Index stieg am Freitag um 1,84 Prozent, was ebenfalls ein neues Jahreshoch bedeutet. Vor einigen Monaten war der Nikkei-Index noch mit über 10 Prozent im Minus. Der Euro stieg seit Oktober zum Yen um 8 Prozent von 122 auf 121 Euro/Yen. Seit Oktober stieg dann auch der Nikkei-225-Index um über 20 Prozent von 15.500 auf über 19.000 Indexpunkte. Ein schwacher Yen erbringt meistens steigende Aktienkurse und umgekehrt. Selbst der chinesische Shanghai-Composite-Index schloss mit 0,54 Prozent im Plus bei 3.232 Indexpunkten aufgrund positiver Konjunkturdaten.

Moskauer Börse bleibt stark

Am besten schnitt in diesem Jahr die Moskauer Börse ab. Das lag erst an dem positiven Trump-Effekt und dann an dem positiven Opec-Effekt. Das Ölkartell (Organization of the Petroleum Exporting Countries) beschloss erstmals nach acht Jahren eine Fördermengenverringerung um 1,2 Millionen Barrel auf 32,5 Millionen Barrel pro Tag ab dem 1. Januar 2017. Dem schloss sich nun auch Russland an mit einer Fördermengenverringerung um etwa 600.000 Barrel pro Tag. Das wird einigen russischen Ölkonzernen, die wachsen wollen, allerdings schwer fallen umzusetzen.

Der RTS-Index stieg am Freitag um 1,16 Prozent auf das neue Jahreshoch von 1.110 Indexpunkten in US-Dollar, der RDX-Index stieg sogar um 1,41 Prozent ebenfalls auf das neue Jahreshoch von 1.399 Indexpunkten in Euro und der MICEX-Index blieb auf Rubelbasis stabil nahe dem neuen Allzeithoch von 2.208 Indexpunkten. Dies lag an den stark gestiegenen Ölpreisen, aber auch an dem starken Rubel, der ebenfalls mit 65 Euro/Rubel ein neues Jahreshoch erreichte.

Aufgrund der Rubelschwäche verlor der RTS-Index in US-Dollar in fünf Jahren um 18,6 Prozent, in drei Jahren um 21,2 Prozent, stieg aber in einem Jahr um 42,8 Prozent. Dagegen stieg der MICEX-Index auf Rubelbasis in fünf Jahren um 58,3 Prozent, in drei Jahren um 50,7 Prozent und in einem Jahr um 27,4 Prozent. Kurzum: Es gab auch – was Medien oft falsch berichten – im Jahr 2014 und auch in den Vorjahren nie einen Aktien-Crash an der Moskauer Börse, sondern „nur“ einen Rubel-Crash 2014. In diesem Jahr war der Rubel seit Februar einer der stärksten Währungen der Welt, weil auch der Brentölpreis in diesem Jahr um 45 Prozent anstieg.

Nach der Opec-Konferenz waren aber nicht nur Öl- und Gasaktien wie Gazprom und Lukoil stark nachgefragt, sondern auch etwa Sberbank und Aeroflot, obwohl sich die Kurse dieser beiden Aktien in diesem Jahr schon mehr als verdoppelt haben.

Anleihenrenditen in den USA und in Italien steigen stark an

Der Euro-Bond-Future fiel am Freitag auf das neue Jahrestief von 149,21. Es ist davon auszugehen, dass die US-amerikanische Notenbank Fed die Zinsen am 14. Dezember nochmals erhöhen wird, was der Anleihenmarkt schon vorgemacht hat.

Stark gestiegen sind die Anleihen-Renditen in Italien von 1 auf 2 Prozent, was man schon einen ersten Anleihen-Crash nennen kann. Da EZB-Chef Mario Draghi eine Fortsetzung der Anleihenkäufe bis Ende 2017 angekündigt hat und damit die Nullzinspolitik fortsetzen will, blieb der Euro-Bund-Future bei 161,5 sehr stabil. Dagegen fiel der Treasury-Bund-Future in den USA auf das neue Jahrestief von 1,49,21. Im Hoch war er im Juli bei 175 und Anfang November immerhin noch bei 163. Nach dem Wahlsieg Donald Trumps stiegen die Zinsen in den USA stark an, wobei der Trend fortgesetzt wird, auch mit Blick auf die erwartete Zinserhöhung der Fed. EZB-Chef Draghi hält jedoch an der Nullzinspolitik fest, ebenso wie die japanische Notenbank. Durch den hohen Zinsspread fiel der Euro auf unter 1,06 Euro/US-Dollar, wo es aber auch eine starke Unterstützung gibt. Fällt der Euro unter 1,05 Euro/US-Dollar, wird er wohl schnell auf die Parität einbrechen. Als Folge werden dann die Aktienkurse und Rohstoffpreise fallen.

Aktien schlugen Gold in den vergangen fünf Jahren

Zuletzt gab es das seltene Phänomen, dass die Aktienkurse und sogar die Rohstoffpreise, hier zumindest die Industriemetalle, weltweit trotz eines starken US-Dollars und steigender Zinsen anstiegen. Nur der Goldpreis bestätigte den klaren Abwärtstrend der vergangenen drei Monate.

Der Goldpreis fiel am Freitag um weitere 0,88 Prozent auf nur noch 1.160 US-Dollar/Unze. Damit fiel er in den vergangenen drei Monaten um 13,2 Prozent aufgrund der zunehmenden Risikobereitschaft am Aktienmarkt, aber auch aufgrund des stark gestiegenen US-Dollar-Indexes und der stark gestiegenen Zinsen in den USA. Der Goldpreis stieg in einem Jahr nur noch um 8 Prozent. In den vergangenen drei Jahren fiel er um 6,8 Prozent und in den vergangenen fünf Jahren sogar um fast 30 Prozent. Hingegen stieg der Dow-Jones-Index in fünf Jahren um 64 Prozent, in drei Jahren um 24,7 Prozent und in einem Jahr um 14,4 Prozent auf ein neues Allzeithoch – trotz aller erkennbarer Krisen, also trotz Brexit, trotz Trump als Wahlsieger und trotz der Wahlniederlage des italienischen Premiers Renzi. Damit war Gold in US-Dollar oder in Euro einer der schlechtesten Geldanlagen auf der Welt nicht nur in den zurückliegenden Monaten, sondern sogar in den vergangenen fünf Jahren in US-Dollar bzw. in Euro.

Gold als Versicherungsschutz unabdingbar

In den Jahren von 1990 bis 2012 galt Gold noch als eine der besten Geldanlagen der Welt. Dies zeigt deutlich, dass der Anleger nicht immer auf das gleiche Pferd setzen sollte. Davon unabhängig bleibt Gold als eine Art Versicherungsschutz für eine Währungskrise oder eine starke Inflation unabdingbar. Wer zum Beispiel in Venezuela Gold gekauft hat, steht jetzt gut da. Das trifft auch für andere Schwachwährungen zu. Mittlerweile ist aber auch die „Great Rotation“ im vollem Gang, also der Umtausch von Staatsanleihen mit sehr niedrigen Renditen in aussichtsreiche Dividendenpapiere.

Bitcoins werden als Finanzprodukt entdeckt

Einer der besten „Geldanlagen“ der vergangenen fünf Jahre war die Kryptowährung Bitcoin, also eine Cyberwährung im Internet. In diesem Jahr stieg der Preis der Bitcoins um über 80 Prozent von etwa 300 auf nunmehr 738 Euro/Bitcoin. Der Bitcoin-Preis ist allerdings sehr volatil, so dass es nicht sicher ist, ob die Hausse hier anhält. 2015 brach der Bitcoin-Kurs von fast 1.000 auf 200 Euro/Bitcoin ein, weil eine große Bitcoin-Börse gehackt wurde. Auch bis Mitte 2015 dümpelte der Bitcoin-Kurs noch bei 200 bis 250 Euro/Bitcoin vor sich hin.

Fast wichtiger als der Bitcoins-Kurs ist die Blockchain-Technologie

Der starke Anstieg der Bitcoins kam mit den neuen Unsicherheiten erst ab Mitte 2015 zustande. Bitcoins werden als Ersatz für jedwede Währung gesehen, die nicht von den Zentralbanken kontrolliert werden kann. Transaktionen über Blockchains sind wesentlich kostengünster, weswegen sich auch die Wall Street und auch Bill Gates für die Bitcoins-Technologie interessieren. Fast wichtiger als der Bitcoin-Kurs ist die Blockchain-Technologie, da die Transaktionskosten dadurch ohne Banken oder sonstige Vermittler enorm reduziert werden können. Ob sich Bitcoin als Handelswährung durchsetzen wird, hängt auch davon ab, wie viele Banken und Handelsketten Bitcoins als Zahlungsmittel in Zukunft akzeptieren werden. Noch bleibt es ein interessantes Experiment – Mike Hearn, einer der Kernentwickler der Bitcoins, meint, diese Kryptowährung sei eine Blase und könnte sich langfristig nicht durchsetzen wegen der Überlastung im Netz.

Kritische Stimmen zu Bitcoins dürfen nicht überhört werden

Schon jetzt beherrschen die Chinesen den Mining-Markt, also das Schürfen nach Bitcoins, was aber in Zukunft zu einer Überlastung führen kann. Auch Edward Snowden äußerte sich unlängst skeptisch angesichts der Verwundbarkeit der Bitcoins, wenn mehr als 50 Prozent des Netzes beherrscht würden. Auch Hackerangriffe könnten bzw. die Haupt-Miner lahmlegen. Fraglich ist es auch, wie skalierbar Bitcoins mit zunehmender Zeit sind. Von maximal 21 Millionen Bitcoins wurden bisher 11 Millionen geschürft. Der bekannte Analyst Henry Blodget spricht von einer „perfekten Anlageblase“ bei Bitcoins. Der Goldanleger Peter Schiff vertritt die Meinung, dass Bitcoins Gold nicht ersetzen könne, weil Bitcoins keinen inneren Wert und damit keine Substanz hätten.

Dennoch sollten spekulativ orientierte Anleger Bitcoins im Auge behalten, denn die Blockchains könnten die Zukunft sein, da die Transaktionskosten enorm gesenkt werden können. Die mögliche Abschaffung von Bargeld ist ein weiter Grund, sich mit Bitcoins zu beschäftigen. Immer mehr Online-Wettanbieter und Casinos akzeptieren Bitcoins, was den Umsatz an den zahlreichen Bitcoin-Börsen enorm erhöht. Da die Bitcoin-Inhaber anonym bleiben, suchen selbstverständlich immer mehr, die sonst Geldwäsche betreiben, Zuflucht in Bitcoins, vor allem in Asien. Deswegen streben die Regierungen verschiedener Länder auch eine bessere Regulierung an. Es gibt neuerdings Finanzprodukte auf Bitcoins-Basis, die in diesem Jahr schon stark gestiegen sind, aber spekulativ bleiben. Es bleibt die Gefahr, dass auch in Zukunft ein großer Miner oder eine große Bitcoin-Börse gehackt wird und der Bitcoin-Kurs dann wieder wie schon im Jahr 2014 einbricht.

Haben russische Hacker Trump zum Wahlsieg verholfen?

Cyberangriffe sollen auch beim Wahlkampf in den USA eine Rolle gespielt haben. So ist sich der US-amerikanische Geheimdienst CIA sicher, dass die E-Mail-Konten der Demokratischen Partei und von einigen demokratischen Politikern von Spezialisten aus Russland gehackt wurden, um Trump zum Wahlsieg zu verhelfen. Trump glaubt nicht, dass der CIA recht hat; Obama hingegen will eine Untersuchung einleiten.

Trump überrascht mit einem neuen Außenminister

Donald Trump hat den Chef von ExxonMobil Oil, Rex Tillerson, zum neuen Außenminister gemacht. Tillerson werden gute Beziehungen zu Russland nachgesagt. Spannend wird es, wie er sich 2017 im Konflikt in Syrien und in der Ukraine verhalten wird und ob es wirklich zu einer Entspannungspolitik mit Russland kommt, was sich der russische Präsident Wladimir Putin wünscht. Es gibt aber viele Hardliner bei den Republikanern wie den Ex-Präsidentschaftskandidaten und amtierenden Senator John McCain, der strikt gegen eine Annäherung oder gar freundschaftliche Beziehung der USA zu Russland ist. McCain bezeichnet Putin als einen Lügner und fordert eine Außenpolitik wie unter dem ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan. Der US-Senat muss dem Vorschlag von Trump noch zustimmen.

OSZE kann sich nicht einigen

Das Treffen der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) am 8. Und 9. Dezember 2016 in Hamburg erbrachte keine neuen Ergebnisse und Erkenntnisse, nicht einmal ein Waffenstillstand in Aleppo erreichten die teilnehmenden Außenminister. Der neue Terroranschlag in Istanbul mit fast 50 Toten nach einem Fußballspiel durch extremistische Kurden geschah erst nach dem OSZE-Treffen, könnte aber den Kampf gegen den Terrorismus in der Türkei verschärfen. Es wird auch spannend, wie sich Trump gegenüber der Türkei verhalten wird, nachdem das Verhältnis zur Europäischen Union auch auf eine neue Belastungsprobe gestellt wird. Eine Einigung in Syrien und in der Ukraine mit dem neuen Präsidenten Trump könnte auch dazu führen, das die Sanktionen gegen Russland im Verlauf des Jahres 2017 abgebaut werden, was der Moskauer Börse noch mehr Auftrieb geben könnte.

(Andreas Männicke)


 


 

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