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Alice Greyer-Wieninger

Karrierefrau in der Bundeswehr

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Sie sieht gut aus, gibt sich locker im schicken Outfit und weiß, was sie will. Das ideale Bild einer Karrierefrau aus der privaten Wirtschaft. Und so etwas gibt es in der Bundeswehr? Tatsächlich. Alice Greyer-Wieninger ist der Beweis dafür. Sie ist die erste Frau in der Bundeswehrgeschichte mit leitender Verwaltungsfunktion auf höchster Ebene.

Alice Greyer-Wieninger, 55, Ministerialdirektorin, leitet seit über vier Jahren die Abteilung Wehrverwaltung, Infrastruktur und Umweltschutz im Verteidigungsministerium auf der Hardthöhe in Bonn. Ihr unmittelbar Vorgesetzter ist Staatssekretär Dr. Wichert. Darüber kommt nur noch Verteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung. Diese Rangfolge kann ein Außenstehender noch klar einordnen. Sehr viel problematischer wird es, wenn man versucht, die Struktur des Verteidigungsministeriums als Ganzes zu verstehen. Nicht nur, weil es das größte Ministerium der Bundesregierung ist, sondern auch, weil sich dem Laien viele der Begriffe und Querverbindungen nicht ohne weiteres erschließen. Das trifft natürlich nicht auf Greyer-Wieninger, geboren in Leverkusen, zu. Die Juristin arbeitet seit 27 Jahren in der Bundeswehrverwaltung. Inzwischen sind ihr als Abteilungsleiterin 200 MitarbeiterInnen im Ministerium unterstellt und ein großer nachgeordneter Bereich mit 138 Dienststellen sowie 55.000 Zivilen der Bundeswehr.

Nach dem 2. juristischen Staatsexamen in Köln, das war 1982, hatte Greyer-Wieninger sechs Bewerbungen verschickt, u. a. an die NATO. "Aufgrund meiner Sprachkenntnisse und meinem Interesse an einer internationalen Tätigkeit hatte ich mir gut vorstellen können, im Bereich der NATO zu arbeiten", erzählt sie. In einem freundlichen Antwortschreiben erklärte man ihr allerdings, dass die NATO grundsätzlich keine Berufsanfänger beschäftigt. Aber man leite ihre Bewerbung gern an die Bundeswehrverwaltung weiter. Kurze Zeit später erhält die junge Juristin eine Einladung von der Hardthöhe. Sie nimmt als einzige Frau an einem Assessment Center teil und gehört am Ende zu denen, die ausgewählt werden. Ein außergewöhnliches Angebot, denn im höheren Dienst zählten Frauen damals noch zur absoluten Minderheit. Greyer-Wieninger greift zu und fängt als Dezernentin in der Rechts- und Wirtschaftsabteilung der Wehrbereichsverwaltung in Düsseldorf an. "Diesen Schritt habe ich bis heute nicht bereut", so die Juristin. Warum auch? Sie hat in der Bundeswehr eine steile Karriere gemacht.

Management-Laufbahn angestrebt

Schon drei Jahre nach ihrer Einstellung wird die Juristin Dezernatsleiterin mit eigenem Mitarbeiterstab. In den Folgejahren sammelt sie in den unterschiedlichsten Verwaltungsbereichen Erfahrung, u.a. auch als Leiterin der Abteilung Verwaltung im Heeresamt in Köln. Das Heeresamt ist eine militärische Kommandobehörde, die dem Inspekteur des Heeres untersteht, der wiederum dem Bundesminister der Verteidigung unterstellt ist. "Ich war damals die erste Abteilungsleiterin in einer höheren militärischen Kommandobehörde", erklärt sie mit Stolz.

Hatte sich die Ehrgeizige ihre berufliche Laufbahn so vorgestellt? Nein. Aber von Beginn an war klar, dass sie Managementaufgaben übernehmen möchte. "Ich hatte nie ein bestimmtes Karriereziel. Mir war wichtig, dass mir die Aufgaben Freude machen und dass ich Gestaltungsspielräume habe. Dabei hatte ich immer das Glück, Vorgesetzte zu haben, die mir sehr viel Freiräume gelassen haben. Mit zunehmender Erfahrung habe ich natürlich auch mehr Verantwortung und Entscheidungsbefugnis angestrebt", so Greyer-Wieninger. 

Bescheidenheit zahlt sich nicht aus

Auch bei der Beförderung hatte die Juristin viel Glück mit ihren Vorgesetzten. Dass aber Abwarten nicht reicht, hat sie relativ schnell begriffen. Auch sie machte die Erfahrung wie viele andere Karrierefrauen, dass Männer sich besser ins Gespräch bringen und offen darüber sprechen, was sie wollen. "Frauen finden das zu aufdringlich. Sie haben einfach das Vertrauen, dass der Vorgesetzte von sich aus erkennt, dass sie tüchtig sind und Gutes leisten. Heute bin ich der Meinung, dass wir Frauen genauso Forderungen in Bezug auf das Weiterkommen stellen müssen wie das Männer tun. Bescheidenheit zahlt sich nicht aus", so Greyer-Wieninger. Inzwischen sind viele Frauen im zivilen Bereich und als Soldatin an der Waffe tätig. "Der Anteil der Soldatinnen beträgt inzwischen acht Prozent. Das ist schon ein ganz gutes Ergebnis".

Familie und Beruf im Einklang

Greyer-Wieninger ist seit 1982 mit einem Juristen, der in Düsseldorf eine Anwaltskanzlei unterhält, verheiratet. Als sie 1984 ihr erstes und einziges Kind bekommt, gönnt sie sich keine Kinderpause. Im Gegenteil. In dem halben Jahr, in dem sie zu Hause war, zählte sie die Tage, bis sie wieder anfangen konnte. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurde mit der Beschäftigung einer Haushälterin gelöst. Gewissensbisse? Im Nachhinein nicht. Die Tochter hat sich bestens entwickelt. Sie machte mit 17 Abitur, mit 22 ihren Master in England und studierte in London, Rom und Paris. "Aber ich will nicht verhehlen, dass ich im Beruf den Ruf einer Rabenmutter hatte. Das hat sich Gott sei Dank heute gelegt". Ihren Mann kennt sie seit dem ersten Tag an der Uni. Seitdem sind die Beiden unzertrennlich. "Er hat meine berufliche Laufbahn immer unterstützt, weil er wusste, dass ich als Nur-Hausfrau todunglücklich geworden wäre. Wenn er nicht so kooperativ gewesen wäre, hätten wir das mit unserer Tochter nicht so gut hinbekommen".

business-on.de: Welche Aufgaben hat eigentlich die Wehrverwaltung?

Alice Greyer-Wieninger: Die Wehrverwaltung unterstützt die Streitkräfte im Inland, im Ausland und bei den Auslandseinsätzen. Sie ist außerdem zuständig für alle Liegenschaften der Bundeswehr. Dazu zählen auch Immobilien in den Einsatzgebieten Kosovo und Afghanistan. Insgesamt sind es 
über 1.600 Liegenschaften auf einer Gesamtfläche von 300.000 ha. Hinzu kommen die Kreiswehrersatzämter. Außerdem sind wir für die Verpflegung in der Bundeswehr zuständig, für Bekleidung, Umweltschutz, Arbeitsschutz und Naturschutz. Ich bin zusätzlich Energiebeauftragte und achte darauf, dass sich die Bundeswehr energiebewusst und energieeffizient verhält. Vor kurzem habe ich ein Programm gestartet, mit dem in den nächsten vier Jahren 20 Prozent Energie eingespart werden sollen. 

business-on.de: In einem Interview ist zu lesen, dass Sie zu einer ergebnisorientierten Steuerung der Wehrverwaltung übergegangen sind. Die private Wirtschaft misst Ergebnisse an Gewinn, Rendite, Umsatz, etc.. Woran misst die Wehrverwaltung Ergebnisse?

Alice Greyer-Wieninger: Wir vereinbaren Ziele, beispielsweise für Einsparungen bei den Kosten der Verpflegung oder bei der Bewirtschaftung von Flächen. Zur Steuerung setzen wir Benchmarking-Verfahren und Controlling ein. Einsparungen sind u. a. durch organisatorische Maßnahmen oder Vergabe von Dienstleistungen an externe Unternehmen möglich.

business-on.de: Kosteneinsparungen, Personalreduzierung, Strukturanpassung, alles Themen, die Sie in den Griff bekommen wollen. Wo gibt es die größten Widerstände?

Wirtschaftlichkeit wie in privaten Unternehmen

Alice Greyer-Wieninger: Menschen tendieren dazu, Strukturen, die sie haben, behalten zu wollen. Aber das ist bei sich rasant ändernden Rahmenbedingungen nicht mehr möglich. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass wir genauso wirtschaftlich wie private Unternehmen sein müssen und das sage ich auch so. Die Mitarbeiter haben das verstanden.

business-on.de: Was würden Sie als Ihren größten Erfolg bezeichnen?

Alice Greyer-Wieninger: Ich glaube, mein größter Erfolg ist, dass meine Botschaft, uns ständig verändern zu müssen, angekommen ist. Dass die MitarbeiterInnen verstehen, dass es einen permanenten Optimierungsprozess geben muss, um überlebensfähig zu bleiben.

business-on.de: Und Ihre größte Niederlage?

Alice Greyer-Wieninger: Natürlich gibt es auch mal Dinge, die sich nicht ganz so verwirklichen lassen, wie man sich das wünscht. Aber das hab ich immer schnell ad acta gelegt und den Blick wieder nach vorne gerichtet.

business-on.de: Wie würden Sie persönlich Ihre Stärken beschreiben, die Ihnen zu der Karriere verholfen haben?

Alice Greyer-Wieninger: Ich bin sehr flexibel, arbeite gern mit Menschen zusammen, kann gut zuhören und bin entscheidungsfreudig. Ich kann mich schnell in neue Arbeitsgebiete einarbeiten und ich kann mich durchsetzen. Ich glaube, das sind wichtige Voraussetzungen für jede Frau, die eine verantwortungsvolle Tätigkeit anstrebt.

business-on.de: Würden Sie sich als machtbewusst bezeichnen?

Alice Greyer-Wieninger: Machtbewusst hat einen negativen Beigeschmack. Wenn sie für so viele Menschen zuständig sind, tragen Sie eine hohe Verantwortung und haben Einfluss. Ja, so würde ich das nennen. Macht halte ich nicht für den adäquaten Begriff, weil ich Staatsdienerin bin.

business-on.de: Wie würden Sie Ihren Führungsstil bezeichnen?

Alice Greyer-Wieninger: Kooperativ und teamorientiert.

business-on.de: Gibt es aus Ihrer Sicht Unterschiede im Führungsstil von Männern und Frauen?

Frauen sind zielorientierter

Alice Greyer-Wieninger: Ich glaube, Frauen haben insgesamt mehr Einfühlungsvermögen. Sie achten mehr auf die Belange ihrer MitarbeiterInnen. Sie sind auch eher bereit, Probleme beim Namen zu nennen. Und sie arbeiten sehr viel zielorientierter.

business-on.de: Gibt es Pläne für die Zukunft?

Alice Greyer-Wieninger: Mir gefällt das, was ich hier mache, sehr gut.

business-on.de: Wie sieht eine Arbeitswoche bei Ihnen aus?

Alice Greyer-Wieninger: Ich fahre an normalen Tagen morgens kurz vor sieben los und komme abends zwischen acht und zehn wieder nach Hause. Zwischendurch bin ich viel auf Dienstreisen, z. B. nach Berlin an den zweiten Dienstsitz des Verteidigungsministeriums. Und freitags sind meistens Akten in meiner Tasche, die ich am Wochenende zu Hause bearbeite.

business-on.de: In Ihrer Vita werden als Hobbies genannt: Reisen, Geschichte, Kunst, Literatur, Gartengestaltung und Antiquitäten.

Alice Greyer-Wieninger: Mein Mann und ich reisen gern. Wir waren schon in der ganzen Welt und lieben es, unsere Reisen selbst zu organisieren. Kurzfristig stehen zwei Wochen auf den Spuren von Friedrich II in Apulien auf dem Programm. Wir sind auch gern in unserem Haus in Italien.

business-on.de: Und wann bleibt noch Zeit für die Gartenarbeit?

Alice Greyer-Wieninger: Leider zur Zeit sehr wenig. Ich mache es gern am Wochenende, weil es mich entspannt und man sofort sieht, was man getan hat.  

business-on.de: Und wer kocht zu Hause?

Alice Greyer-Wieninger: Alle, aber mein Mann ist der bessere Koch. Da er den kürzeren Heimweg hat, kocht er fast jeden Abend, damit wir gemeinsam essen können, auch wenn es schon elf Uhr ist. Er macht auch morgens Frühstück, was ich ihm hoch anrechne. 

(Karin Bäck)



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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1, 2 © Bundesministerium für Verteidigung


 

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