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Wartesaal

Deutschlands verrücktester Wartesaal

Es ist die Kölner „location“ ohnegleichen. Nur in der Domstadt kann sich der erfahrene und verwöhnte Gastro-Freund ein Lokal vorstellen (und finden), in dem an einem Abend mega-edle Parties mit internationalen Beauties und hochrangigen Politikern stattfinden, am nächsten Hardcore- oder Techno-Discoklänge dröhnen und zwei Tage später bekannte Comedians ihre politischen Witze reißen. Der „Alte Wartesaal“ ist – ganz nebenbei – noch ein besuchenswertes Restaurant mit einer einladenden Bar und attraktiver Außengastronomie.

Willem II, der letzte deutsche Kaiser, stärkte sich schon im Wartesaal 1. Klasse vor seiner Zugreise nach Berlin. Damals, 1915, war der Hauptbahnhof noch ein eindrucksvolles Gebäude mit Kuppeln und Türmchen im Art Déco-Stil. Würde Majestät erleben, wie heute an diesem Ort die Post abgeht, seine Barthaare würden sich sträuben. Der Alte Wartesaal kennt heute keine Klassen mehr, er ist „Kölner Kult“. Weltstars feiern am Rhein

Alljährlicher Höhepunkt ist der „LambertzMonday“, die der Aachener „Printen König“ Dr. Hermann Bühlbecker, Inhaber der weltgrößten Produktion für Printen und Weihnachtsgebäck, zur Internationalen Süßwaren Messe (ISM) feiert. Weltstars wie Ursula Andress (James Bond), Ivana Trump, Linda Evans (Denver-Star) machen Party im „Wartesaal“ mit deutschen Publikums-Lieblingen wie Veronica Verres oder Cora Schumacher und Politikern vom Kaliber Hans-Dietrich Genschers, Ulla Schmidts und Rita Süßmuths. Die Lambertz-Modenschau, bei der sich die begehrtesten Models Europas mit viel nackter Haut und Creationen aus Printen, Keksen und Kamellen präsentierten.

„Viele andere Events finden regelmäßig bei uns statt. So feierte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hier mit seinem erweiterten Vorstand und Geschäftsfreunden, oft 700 bis 800 Personen“, erzählt Manager Paolo Campi. Seit nahezu 20 Jahre sendet der WDR seine TV-Kult-Show „Mitternachts Spitzen“ mit Jürgen Becker, Wilfried Schmickler und vielen der besten deutschen Kabarettisten aus dem Wartesaal.

Generationsübergreifender Treffpunkt

Der ist heute ein generationsübergreifender Treffpunkt für alle Zielgruppen und Altersklassen. Wer nur auf ein Kölsch an die geschwungene Bar kommt fühlt sich ebenso wohl wie die Gäste, die eine anspruchsvolle und dennoch bezahlbare Küche erwarten. „Bei uns werden die Kartoffeln noch einzeln von Hand geschält“, versichert. Paolo Campi. Küchenchef Daniel Weiß hat sogenannte Convenience Produkte aus seinem Reich verbannt und schwört auf tagesfrische Produkte von bewährten Lieferanten. Im berühmten Gourmetrestaurant „Landhaus Scherrer“ in Hamburg hat der Chef gearbeitet, bevor er zurück nach Köln an seine ehemalige Lehrstätte kam. Seine Speisekarte wechselt Daniel Weiß oft. Deshalb nur ein paar aktuelle Highlights wie „Tunfisch Tataki auf Algensalat“ (12,50 €), danach gebackenes Steinbuttfilet mit frischen Artischocken, Kartoffel-Oliven-Püree und Safransauce ( 24,50 €) oder gebratenes Kabeljaufilet auf Pak Choi (schmeckt ähnlich wie Mangold) mit Zitronengrasschaum und Brätlingen (21,50 €). Fleischliebhaber können z. B. Iberico Schweinerücken mit frischem Stangenspargel (19,80 €) bestellen und Pasta-Lover hausgemachte Ochsenbackenravioli mit Trüffelsauce und Frühjahrslauch (11 €).

Bei den Mega-Events wie der „Lambertz Night“ oder anderen Parties und Empfängen werden Essen und Büffets für 1000 und mehr anspruchsvolle Gäste serviert. Dafür „montiert“ die Küchenbrigade dann auf Wunsch auch wieder Erfolgskreationen wie Caipirinha-Pralinen, von denen Campis Koch Stefan Gmeiner gleich 3.000 Stück hergestellt hatte. „Auf den Geschmack fuhren alle ab“, erinnert sich der Wartesaal-Manager.

Biolek und Campi gründeten das Gastro-Unikum

Verdanken können das „gastronomische Unikum“ die Kölner einem stadtbekannten „Böhmen“, dem berühmten Professor Dr. Alfred Franz Maria Biolek, gefeierter TV-Koch und ideenreicher Talkmaster. Er „entdeckte“ im Mai 1983 den ziemlich herunter gekommenen Wartesaal als zukunftsreiche Gastro-Investition und interessierte seinen Fernsehproduzenten Andreas Lichter für seine Idee. Der erinnerte sich an eines der “Urgesteine“ der Kölner Kneipen-Szene: Gigi Campi, Architekt, Jazz-Promoter und Patron des Eiscafé auf der Hohe Straße, das von allen Teeangern weit und breit heiß geliebt war. Campi bewirtete Weltstars wie Maria Callas, Benjamino Gigli und Juliette Greco in Köln, managte die Kenny Clarke-Francis Boland Jazzband und veranstaltete internationale Jazz-Festivals am Tanzbrunnen.

Er hatte sein Café zwar an einem Hamburger-Konzern verkauft und lebte in Bella Italia, aber Bio konnte ihn wieder nach Köln locken. Mit im Boot Sohn Paolo Campi. Dieses Quartett verwandelte Kaiser Wilhelms Refugium im Hauptbahnhof in „den verrücktesten Wartesaal Deutschlands“. Gigi Campi lebt übrigens wieder in Italien, Bio hat seine Beteiligung am „Wartesaal“ ebenso abgegeben wie an der TV-Produktionsgesellschaft „Pro GmbH“, die ihn viele Jahre produziert hat, ist aber in dem Restaurant immer wieder ein gern gesehener Gast.

Kulinartheater & Erotik-Themen
Last but not least muss man die zahleichen Themenabende wie „Salvation“, die großen Lesben-Parties „Elle World“ bzw. „Kings & Queens“ für Männlein wie Weiblein mit speziellen Vorlieben oder den KitkatClub und die GrossseLeute-Parties (für people so ab 175 cm) erwähnen. Und die „Kulinartheater“ mit „Pasta Opera“, einem dreistündigen Nudel-Spektakel mit singenden Kellnern, oder dem „Murder Mystery Dinner“ mit vier Gängen, gar grauseligen Leichen und geistreichen Amateur-Detektiven mit viel Appetit.

Info:
Alter Wartesaal Restaurant Bar Club Veranstaltungen Johannisstr. 11 50668 Köln

geöffnet tgl. von 12.00 bis 1.00 Uhr Tel.: 0221-9128850 www.wartesaal.de

(Ulrich Gross)


 


 

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