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Anja Huppertz

Veränderung als Lebensmaxime

Sie verkörpert das, was man sich unter einer coolen Unternehmerin vorstellt: selbstbewußt, kompetent, gut aussehend und erfolgreich. Die promovierte Diplom-Ingenieurin Anja Huppertz steuert seit zehn Jahren zusammen mit Ihrem Ehemann Peter Huppertz ein weltweit tätiges Logistikunternehmen. In ihrem Leben, so die Ingenieurin, sei Veränderung die einzige Konstante.

Die Huppertz Group Logistics Solutions, Köln, bietet ein breites Spektrum an Dienstleistungen im Bereich Spedition, Transport, Lager-Services, Supply Chain Management , Beratung und Prozessoptimierung an. Das Familienunternehmen wurde 1897 gegründet. 1927 wurde der erste LKW angeschafft. Heute fährt eine Flotte von 400 Brummies von West nach Ost und von Nord nach Süd – Kennzeichen schwarze Plane und weiße Schrift. Unter dem Dach der Huppertz Group sind vier Kompetenzzentren zusammengfasst: MSP (Material Synchronisation and Packaging), LS (Logistics Services), ASC (Automotive Synchronisation Center) und LOG LAB (Process Improvements). Auch die neue Struktur trägt die Handschrift von Dr. -Ing. Anja Huppertz.

business-on.de: Frau Huppertz, ursprünglich machten Sie ein Diplom als Mineralogin. Dass eine Frau diese Fachrichtung wählt, ist doch eher untypisch, oder?

Anja Huppertz: Vielleicht. Aber mein großes Interesse galt schon immer den Naturwissenschaften. Mein Interesse für die Mineralogie, genauer gesagt Kristallographie, entwickelte ich allerdings erst während eines Stipendiums in Afrika.

business-on.de: Sie erhielten ein Stipendium als Geological Field Assistant in Namibia. Was waren Ihre Aufgaben als "Feld"-Assistentin?

Studien in der Kalahari-Wüste

Anja Huppertz: Das Interessante war, dass ich in einem Diamanten-Prospektionsprojekt in der Kalahari-Wüste mitarbeiten konnte. (Red: Prospektion ist ein Begriff aus dem Bergwesen und beinhaltet u.a. die Suche nach nutzbaren Mineralien). Eine wirklich spannende Sache. Deswegen beschloss ich nach dem Stipendium, mehr in die technische Richtung zu gehen bzw. mich auf kristalline Werkstoffwissenschaften zu spezialisieren. Aus der Zeit rührt auch meine Liebe zu Afrika.

business-on.de: Letztendlich promovierten Sie als Diplom-Ingenieurin. Wie schafft man das als Mineralogin?

Anja Huppertz: Ich hatte das Glück, bei Siemens in München meine Diplomarbeit zu machen. Weil alles so gut lief, wurde mir von Siemens eine Promotionsstelle im Forschungsbereich KFZ-Elektronik, in dem Katalysatoren und Sensoren entwickelt wurden, angeboten. Voraussetzung für die Promotion war, dass ich parallel dazu den Ingenieursstudiengang für Werkstoffwissenschaften nachholte. Den Dr.-Ing. machte ich 1991.

business-on.de: Aus privaten Gründen kehrten Sie Siemens kurz danach den Rücken und zogen nach Köln. Waren damit Ihre beruflichen Ambitionen ad acta gelegt?

Anja Huppertz: Absolut nicht. Ich bekam eine tolle Stelle als Nachwuchs-Trainee bei Ford, sozusagen ein Traumjob, ein hervorragendes Programm und eine hochinteressante Zeit.

business-on.de: Und wie hat die Männerwelt reagiert?

Anja Huppertz: Als erste Frau wurde ich natürlich besonders intensiv beobachtet – und heftig kritisiert... Viele fanden es aber gut, dass mal eine Frau dazwischen war. Selber habe ich die Situation nie als Nachteil empfunden.

business-on.de: Sie heirateten 1992 Peter Huppertz, Familienunternehmer der Huppertz-Dynastie in der 4. Generation. Das erste Kind stellte sich früher als geplant ein, wie Sie erzählten. Nach einem Jahr Babypause fiel Ihnen die häusliche Decke auf den Kopf und sie suchten eine neue Herausforderung. Eigentlich hätten Sie es nicht nötig gehabt, zurück in den Beruf zu gehen?

Anja Huppertz: Das sehe ich vollkommen anders. Unabhängigkeit war mir schon immer wichtig. Heirat heißt doch nicht, versorgt zu sein. Jeder Mensch sollte selbstverantwortlich auf eigenen Beinen stehen.

Station im Kunststoffspritzguss

business-on.de: Sie fingen also dann im elterlichen Unternehmen RSL GmbH, einem Kunststoffspritzgussproduzenten, als Key Account Managerin an. Was interessierte Sie an diesem Job?

Anja Huppertz: Was mich interessierte, mit meiner Konzernerfahrung im Rücken, war die ungeheure Dynamik im Mittelstand. Das Unternehmen war in starker Expansion und galt als Vorzeigelieferant von Ignacio Lopez – zu einer Zeit, wo dieser bei Opel als Sanierer eingesetzt war. Die Philosophie die dahinter stand, wurde dort im Sauerland 24 Stunden gelebt, permanent verbessert und perfektioniert. Ich habe in der Zeit wichtige Erfahrungen gesammelt.

business-on.de: Dann kamen das zweite und dritte Kind in Folge. Also war wieder eine kleine Pause angesagt. 1998 stiegen Sie dann auf der Geschäftsleitungsebene in die Firma Huppertz ein. War das schon immer Ihr Ziel?

Anja Huppertz: Nein. Wie vieles in meinem Leben hat es sich einfach so aus einer etwas schwierigen Unternehmens-Situation ergeben, die gemeistert werden mußte und da habe ich eben geholfen.

business-on.de: Das Unternehmen ist seitdem gewachsen und präsentiert sich seit kurzem unter der Dachmarke "Huppertz Group – Logistics Solutions".

Anja Huppertz: Stimmt. In den letzten 10 Jahren hat sich die Firmengruppe hervorragend entwickelt und ich glaube, dass dies ein schönes Ergebnis einer gemeinsamen Tätigkeit vieler Beteiligten ist.

business-on.de: Kann man eigentlich Privatleben und Firma noch trennen, wenn man gleichzeitig Geschäftspartner und Ehepaar ist?


 


 

Anja Huppertz
Huppertz Group Logistics Solutions
Huppertz Group
Dr. Dipl.-Ing. Anja Hupper

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