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Anja Huppertz

Veränderung als Lebensmaxime

24 Stunden Firma

Anja Huppertz: Nein, die Firma ist 24 Stunden existent.

business-on.de: Ist das nicht schrecklich?

Anja Huppertz: Natürlich, anstrengend vor allem, aber auch gut. Es geht nie der Gesprächsstoff aus und es ist immer die Vertrauensperson da, mit der man Entscheidungen besprechen kann. Und muß!

business-on.de: Die Huppertz MSP GmbH war die erste Firma, die Sie alleine aufgebaut haben. Was muss man sich unter Material Synchronisation and Packaging vorstellen?

Anja Huppertz: Bei der MSP konsolidieren, synchronisieren und verpacken wir rund 300.000 verschiedenen Ersatzteile. Danach werden diese an über 40 Endstationen versendet. Unser wichtigstes Qualitätsmerkmal ist heute als Logistiker die Zeit. Das heißt, Durchlaufzeiten zu reduzieren, Fluss zu generieren und Bestände zu reduzieren.

business-on.de: Ihre strategischen Fähigkeiten haben Sie vor kurzem mit einem in der Branche einmaligen logistischem Konzept, der „Huppertz Lean Logistics“ unter Beweis gestellt. Lean ist bis dato nur aus der Industrie bekannt. Was ist der Hintergrund?

Anja Huppertz: Im Rahmen unserer Neustrukturierung haben wir unsere gelebte Tradition, nämlich uns von innen heraus kontinuierlich zu verbessern, nochmal weiter verstärkt. Wir haben das Toyota-Produktionssystem (TPS), das sich viele erfolgreiche Produzenten zu eigen gemacht haben, auf unsere Logistik übersetzt. Streben nach Perfektion, Erkennen und Vermeiden von Verschwendung, Konzentration auf den Durchfluss, Synchrone und Stabile Prozesse sind die zentralen spannenden Punkte. Dieser geführte Veränderungsprozess auf der Basis von Zusammenarbeit ist überaus faszinierend. Um dies noch nachhaltiger zu gestalten haben wir unser Huppertz LOG LAB ins Leben gerufen, ein „Think and Do–Tank“ mit einem Team interner und externer Berater. Das neue Unternehmen wird sowohl unsere eigenen Gesellschaften als auch Kunden bei Optimierungen unterstützen. Die erste sportliche Herausforderung war, unsere drei bestehenden Firmen auf "Lean" zu trimmen.

business-on.de: Hat "Lean" unter Umständen auch die Entlassung von Mitarbeitern zur Folge?

Keine Entlassungen trotz Lean Management

Anja Huppertz: Dies ist ganz bewußt nicht unsere Zielsetzung. Wir wollen ja nicht nur optimieren sondern auch gleichzeitig wachsen. Freie Ressourcen werden im ständig wachsenden Geschäft eingesetzt. Im Gegenteil haben wir sogar erst einmal Personal eingestellt, um das Training und Coaching überhaupt realisieren zu können.

business-on.de: Sorgen die Veränderungen nicht für Unruhe bzw. Ablehnung unter den Mitarbeitern, zumal das von einer Frau sozusagen diktiert wird?

Anja Huppertz: Klar. Alle Veränderungen tun das, unabhängig davon, ob Mann oder Frau sie initiiert. Aber das ist ja gerade das Lebendige, was die Führungskräfte ganz neu menschlich herausfordert. Wir müssen viel Zeit in die Überzeugung investieren, sonst funktioniert das gar nicht. Die Veränderungen müssen von den Mitarbeitern getragen werden, sonst haben sie keine nachhaltige Kraft.

business-on.de: Was versprechen Sie sich mittel- und langfristig von "Lean Logistics"?

Anja Huppertz: Wir versprechen uns davon, als Mittelständler am Standort Deutschland überhaupt überleben zu können.

business-on.de: Die Branchenverbände warnen, dass die strukturellen Voraussetzungen, sei es Straße, Schiene, Luft und Wasser, nicht mehr ausreichen und das Wachstum im Güterverkehr gefährden. Umweltschützer warnen dagegen vor den Schäden für Umwelt und Gesundheit und fordern u.a., dass die Branche für die gesellschaftlichen Kosten, die dadurch entstehen, selbst aufkommt?

Anja Huppertz: Das ist sicherlich eine sehr vereinfachte Darstellung. Am Ende wird immer der Verbraucher den Preis bezahlen müssen – egal wo er in der Kette anfällt. Und da steht Deutschland in den Kosten ganz weit vorne. Wir bemühen uns ständig, Verschwendung aller Art zu vermeiden – bei uns, bei unseren Lieferanten, bei unseren Kunden. Dazu zählen unnötige Abgasbelastungen und unnötiger Energieverbrauch genauso wie unnötige Wartezeiten für Lieferanten oder ungenügend ausgenutzter Laderaum. Wir haben deswegen schon sehr früh aus Überzeugung z.B. mit der Umweltzertifizierung begonnen.

business-on.de: Können Sie ein Beispiel nennen?

Anja Huppertz: Wir verwenden Packmaterialien weiter, sammeln Folien, Altpapier und Holz zur Rückführung in den Werkstoffkreislauf. Dies alles mit jährlich exakten Zielen der Verbesserung für die einzelnen Operations.

business-on.de: Was bedeutet Globalisierung für die Huppertz Group?

Anja Huppertz: Wir leben mit und von der Globalisierung und dem Export, weil unsere Enddestination teilweise weltweit verstreut sind und unser Volumen permanent wächst. Wir beliefern bei Huppertz ASC beispielsweise alle überseeischen Montagewerke von Ford, wie z.B China, Indien, Südafrika oder Russland. Globalisierung, das ist für uns Alltag. Es werden keine Verwaltungsmitarbeiter eingestellt, die nicht fliessend Englisch sprechen.

business-on.de: Sie haben Beachtliches in Ihrem bisherigen Leben geschafft. Würden Sie sagen, dass Sie Karriere gemacht haben?

Anja Huppertz: Ja, vermutlich schon. Aber das war nicht geplant, sondern ist einfach passiert.

business-on.de: Wenn die Laufbahn so nicht geplant war, was war die treibende Kraft?


 


 

Anja Huppertz
Huppertz Group Logistics Solutions
Huppertz Group
Dr. Dipl.-Ing. Anja Hupper

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