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  • 24.07.2014, 17:38 Uhr
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Arbeitsunfähigkeit

Wenn Arbeit krank macht – Und was Sie dagegen tun können

Stress, ständige Erreichbarkeit, miese Stimmung – von Deutschlands Arbeitnehmern wird viel erwartet. Die Folge: Erschöpfung. Im schlimmsten Fall droht der Burn-out und damit oftmals Arbeitsunfähigkeit auf nicht absehbare Zeit. Laut einer Forsa-Umfrage stößt jeder vierte Berufstätige an seine Grenzen. Auch die Ergebnisse des Gesundheitsreports der Barmer GEK belegen, wie es um Deutschlands Arbeitnehmer steht: Psychische Leiden sorgen bei seelisch erkrankten für durchschnittlich 42,9 Fehltage.

In einem Gespräch mit der Tageszeitung „Welt“ fordert Hans-Jürgen Urban, Mitglied im geschäftsführenden Vorstand der IG Metall: „So wie es zum Schutz gegen Lärm eine Verordnung gibt, benötigen wir auch ein solches Instrument gegen Stress.“ Als „zu abstrakt“ bezeichnet er indes das Arbeitsschutzgesetz. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) stehe in der Pflicht und müsse die Verordnung liefern.

Die Mühlen der Politik mahlen langsam. Bis Maßnahmen zum Schutz der Arbeitnehmer in die Wege geleitet werden, müssen Berufstätige lernen, sich selbst um ihr Wohlbefinden zu kümmern. Entweder finden sie ihre Work-Life-Balance – oder sie ziehen die Reißleine, etwa um sich beruflich neu zu erfinden. Doch dieser Schritt ist leichter gedacht als umgesetzt. Schließlich würde eine Veränderung das Verlassen der bequemen Komfortzone bedeuten. Und hat nicht jeder ab und an mal Phasen, in denen beruflich nicht alles nach Plan läuft?

Mögliche Gründe für eine zu hohe Belastung im Job

1. Grund: Zu viel Arbeit

Der Berg auf dem Schreibtisch will trotz optimiertem Zeitmanagement einfach nicht kleiner werden. Weil das Telefon ständig klingelt, das E-Mail-Postfach vollläuft und der Chef immer wieder mit neuen „ASAP“-Projekten und völlig utopischen Abgabeterminen den Tagesplan durcheinanderbringt. Folge: Die eigentlichen Aufgaben bleiben liegen und finden am kommenden Arbeitstag wieder einen Platz auf der langen To-do-Liste. Der Feierabend kann nicht unbeschwert genossen werden, weil er von den Gedanken an die vielen unerledigten Arbeitsaufträge überschattet wird. Es gibt Arbeitnehmer, die genau diesen Druck „brauchen“. Diese Leistungsträger „brennen“ für ihre berufliche Aufgabe. Doch wenn sie privat keinen Ausgleich für den Dauerdruck haben, droht irgendwann der Kollaps – und das häufig in Verbindung mit einer Sucht. Denn irgendeinen Weg findet der Körper immer, um das zu kompensieren, was er leisten muss, aber nicht aushalten kann. Und auf dem Weg in die Bar stellt sich der innere Schweinehund in der Regel nicht in den Weg – anders als beispielweise beim Weg ins Sportstudio.

2. Grund: Schlechtes Arbeitsklima

Acht bis zehn Stunden verbringen wir täglich an unserer Arbeitsstelle. Hierarchische Vorgesetzte, die kaum loben, Druck ausüben, um so zu mehr Wirtschaftlichkeit zu gelangen, Kollegen, die mobben, oder Aufgaben, die unter-/überfordern – es gibt viele Gründe, sich als Arbeitnehmer in einem Unternehmen unwohl zu fühlen. Selbstverständlich steht die Arbeit selbst im Fokus, Kollegen und Chefs sind keine Freunde. Dennoch ist es wichtig, sich bei der Arbeit wohlzufühlen. Ist dies nicht gegeben, können Schlafstörungen und körperliche Beschwerden wie Rücken- oder Nackenschmerzen eine Folge des schlechten Arbeitsklimas sein.

3. Grund: Mobbing und sexuelle Belästigung

Ein böser Blick oder eine schnippische Antwort des Kollegen auf eine Frage – das ist noch lange kein Mobbing. Bei der Arbeit treffen viele Individuen aufeinander, Menschen, die eben auch mal einen schlechten Tag haben können. „Mobbing-Handlungen sind feindliche Angriffe gegen eine oder mehrere Personen, die systematisch und über einen längeren Zeitraum ausgeübt werden, mit dem Ziel, die Betroffenen zu demütigen oder auszugrenzen“, erklärt der Münchener Mobbing-Coach Dieter Schlund auf Spiegel.de. Beim Mobbing gehe es nicht um Kritik oder die konstruktive Lösung von Problemen. „Die Angreifer wollen ein auserwähltes Opfer ,eliminieren‘. Es verliert dabei mit zunehmenden Attacken immer mehr an Selbstwert und Stabilität", so Schlund. Von einem Gespräch zwischen Mobbingopfer und Aggressor rät Lucia Beatrix Stellberg, Mobbing-Experten aus Köln auf rp-online.de, ab. Sie sagt: „In einer solchen Situation kann der Mobber die Wahrnehmung des Opfers viel zu leicht infrage stellen." Und weiter: „Ein simpler Satz wie ,Das stimmt doch gar nicht, das ist doch nur deine verschobene Wahrnehmung‘, reicht, um das Gespräch auszuhebeln, und dem Opfer erneut eins auszuwischen.“ Da Mobbing schwere Depressionen beim Opfer auslösen kann, sollten sich Betroffene dringend Unterstützung suchen – und perspektivisch wahrscheinlich eine neue berufliche Herausforderung. Neben Mobbing ist auch sexuelle Belästigung ein Thema, das das Arbeitsverhältnis belasten kann. Eines, von dem laut einer Dortmunder Studie viele Frauen betroffen sind. Wie Spiegel.de unter Bezugnahme auf die Studie berichtet, musste sich bereits jede zweite Frau „schlüpfrige Bemerkungen über Ihre Figur oder Ihr Privatleben gefallen lassen“.

4. Grund: Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes

Zu den größten Ängsten vieler Arbeitnehmer gehört der Verlust des Arbeitsplatzes. Diese Sorge verstärkt sich besonders, wenn man in einem Unternehmen tätig ist, in dem der Rotstift regiert und Arbeitsplätze aus wirtschaftlichen Gründen wegfallen müssen. Befindet sich der Betrieb zudem in einer Phase, in der Auftraggeber abspringen und ganze Projekte platzen, kann sich Angst bei den Mitarbeitern breitmachen. Diese Angst kann nicht nur die Leistungen beeinträchtigen, sie überschattet auch den Feierabend und das Privatleben.

Folgen von zu hoher Belastung und wie ihnen entgegen gewirkt werden kann

Schlaflosigkeit, Angstzustände, Selbstzweifel – die belastende Arbeitssituation geht nicht spurlos an uns vorbei. Wer keine berufliche Alternative in Aussicht hat, und sich trotz der bedrückenden Situation diszipliniert zur Arbeit schleppt, braucht einen Plan B. Oder eine Geschäftsführung, die empfänglich für die angespannte Stimmung im Betrieb ist und Maßnahmen ergreift. Dies ist beispielsweise durch ein betriebliches Gesundheitsmanagement möglich. Hierbei werden die betrieblichen Strukturen sowie die Arbeitsprozesse gesundheitsfördernd optimiert und gestaltet. Ziel ist es, ein gutes Arbeitsklima zu schaffen und die Mitarbeiter zu motivieren. Der positive Nebeneffekt: eine leistungsstärkere Mannschaft. Denn wer Freude bei der Arbeit hat, leistet mehr. Weitere Informationen zu betrieblichem Gesundheitsmanagement bietet diese Webseite. Haben die betroffenen Mitarbeiter allerdings schon innerlich gekündigt, empfiehlt sich ein privates Coaching , um einen Weg aus der belastenden Ohnmachtssituation zu finden und sich auf die neue berufliche Herausforderung vorzubereiten. Ein Prozess, der sich nicht über Nacht entwickelt. Doch wie heißt es so schön: Gut Ding will Weile haben.

(Redaktion)


 


 

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