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GmbH & Still

Die stille Beteiligung an der GmbH: Motive, Erscheinungsformen, Besteuerung

Verluste bis zur Höhe der Einlage

Erhält eine GmbH als stiller Gesellschafter von der Inhaberin des Handelsgeschäfts, die ebenfalls eine GmbH ist, Verluste zugewiesen, so kommt es beim stillen Gesellschafter zu einer Verminderung des Bilanzansatzes der stillen Beteiligung in Höhe des Verlusts.

Beispiel: Die A-GmbH hat sich mit einer Einlage in Höhe von 50 000 € als stille Gesellschafterin an der X-GmbH beteiligt. An deren Gewinnen und Verlusten ist sie zu 25% beteiligt. Die X-GmbH erzielt einen Verlust von 30 000 €.

Der A-GmbH wird ein Verlustanteil von 25% (= 7.500 €) zugewiesen. Dadurch ist die stille Beteiligung in der Bilanz der A-GmbH nur noch mit 42.500 € auszuweisen.

Außerdem ist bei atypisch stillen Gesellschaften, bei denen es sich sowohl beim Inhaber des Handelsgeschäfts als auch beim Stillen um eine GmbH handelt, § 15 Abs. 4 Sätze 6 und 7 EStG zu beachten. Danach ist ein Verlustausgleich nur mit Gewinnen aus derselben Beteiligung möglich. Da § 10d EStG sinngemäß anzuwenden ist, ist ein auf 511.500 € begrenzter einjähriger Verlustrücktrag möglich. Ein danach verbleibender Verlust kann zeitlich unbegrenzt vorgetragen werden.

Die Einlage übersteigende Verluste

Erhält der (typisch oder atypisch) stille Gesellschafter Verluste zugewiesen, die seine Einlage übersteigen, ist § 15a Abs. 5 Nr. 1 bzw. § 20 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG anzuwenden. Danach kann der übersteigende Verlust nur mit künftigen Gewinnen aus dieser Beteiligung verrechnet werden.

Beispiel: Die A-GmbH hat sich mit einer Einlage in Höhe von 50 000 € als stille Gesellschafterin an der X-GmbH beteiligt. Laut Vertrag besteht eine Gewinn- und Verlustbeteiligung von 25%. Die X-GmbH erzielt einen Verlust von 220 000 €.

Auf den Verlust von 220 000 € entfällt auf die A-GmbH ein Anteil von 25% = 55 000 €. Der über die Einlage hinausgehende Verlustanteil von 5 000 € darf gemäß § 15a EStG nicht verrechnet werden. Er kann vielmehr nur mit künftigen Gewinnen aus dieser Beteiligung verrechnet werden.

Besteuerung des stillen Gesellschafters

Typisch stille Beteiligung im Privatvermögen

Hält der typisch stille Gesellschafter seine Beteiligung im Privatvermögen, so stellen die ihm zugerechneten Gewinnanteile Einkünfte aus Kapitalvermögen dar (§ 20 Abs. 1 Nr. 4 EStG).

Bei Zufluss der Gewinnanteile nach dem 31.12.2008 unterliegen die Gewinnanteile grundsätzlich der Abgeltungsteuer von 25% (§ 32d Abs. 1 EStG). Dabei ist besonders zu beachten, dass kein Werbungskostenabzug (zur Werbungskosten Definition) mehr möglich ist (§ 20 Abs. 9 Satz 1 EStG). So können seit dem 1.1.2009 beispielsweise Refinanzierungskosten nicht mehr abgezogen werden. Abzugsfähig ist lediglich der Sparerpauschbetrag von 801 € (für Alleinstehende) bzw. 1.602 € (für Verheiratete).

Die Folgen des Verbots des Werbungskostenabzugs verdeutlicht folgendes Beispiel:

Beispiel: A hat sich zum 1.1.2009 an der X-GmbH mit einer Einlage in Höhe von 50 000 € still beteiligt. Er hält die stille Beteiligung im Privatvermögen. Es erfolgt in 2009 eine Verlustzuweisung in Höhe von 30. 000 €. In 2010 erfolgt eine Gewinnzuweisung in Höhe von 40.000 €.

A kann den Verlustanteil des Jahres 2009 in Höhe von 30.000 € nicht als Werbungskosten geltend machen (§ 20 Abs. 9 Satz 1 EStG). Die Gewinnzuweisung im Jahr 2010 in Höhe von 40 000 € unterliegt der Abgeltungsteuer.

Besteuerung des atypisch stillen Gesellschafters

Der atypisch stille Gesellschafter bezieht Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Die Folge dieser Qualifikation der Einkünfte des atypisch stillen Gesellschafters als gewerbliche ist, dass der Sparerpauschbetrag nach § 20 Abs. 9 EStG (801 € bei Ledigen und 1 602 € bei zusammen veranlagten Ehegatten) nicht zur Anwendung kommt.

Bis zur Höhe seiner Einlage kann der atypisch still beteiligte Gesellschafter laufende Verluste gegen andere positive Einkünfte verrechnen. Darüber hinaus kann er aber auch über die Einlage hinausgehende Verluste unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich geltend machen.

Soweit die Haftung des atypisch still beteiligten Gesellschafters mit der Haftung eines Kommanditisten vergleichbar ist, findet eine Beschränkung der Verlustverrechnung nach § 15a EStG Anwendung (§ 15a Abs. 5 Nr. 1 EStG).

Beispiel: A ist an der X-GmbH atypisch still beteiligt. Zum 31.12.2008 betrug sein (negatives) Kapitalkonto –10.000 €. In 2009 entsteht ein Verlust von 25 000 €. Außerdem sind in 2009 Einlagen in Höhe von 30 000 € getätigt worden.

Zum 31.12.2009 beträgt das negative Kapitalkonto nur noch - 5.000 € (25.000 € Verlust + 30.000 € Einlage = + 5.000 €, sodass das negative Kapitalkonto von -10.000 € um 5.000 € auf -5.000 € geschrumpft ist). Das negative Kapitalkonto hat sich in 2009 also nicht erhöht. Demzufolge gilt das Ausgleichsverbot nicht, sodass der gesamte Verlustanteil aus 2009 ausgleichsfähig ist.

Der gesamte Verlustanteil eines Wirtschaftsjahres ist ausgleichsfähig, wenn die Einlagen gleich oder höher als der Verlustanteil sind. Sind die Einlagen geringer als die Verluste, fällt der die Einlagen übersteigende Verlustanteil unter das Ausgleichsverbot.

Beispiel: Im obigen Beispiel beträgt das negative Kapitalkonto zum 31.12.2008 – 10.000 €. In 2009 entsteht ein Verlust von 30.000 €, und die Einlagen betragen 25.000 €.

Zum 31.12.2009 hat sich das negative Kapitalkonto auf - 15.000 € erhöht (30.000 € Verlust + 25.000 € Einlagen = - 5.000 €), so dass sich das negative Kapitalkonto von - 10.000 € auf – 15.000 € erhöht hat. Folge ist, dass der Verlust in Höhe von 25.000 € ausgleichsfähig und in Höhe von
5.000 € mit künftigen Gewinnen aus der stillen Beteiligung verrechenbar ist.

(VSRW-Verlag)


 


 

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