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Forschungsprojekt

Auslaufmodel Gewerkschaft

In der Welt von heute sind Flexibilität, Kreativität und Anpassungsfähigkeit gefragter denn je. Und es bedarf auch keines Futurologen, um vorauszusagen, dass die Bedeutung dieser Fähigkeiten in Zukunft weiter zunehmen wird. Aber was bedeutet dies für die soziale Organisation des neu entstehenden Heers von Freelancern und Angestellten?

Sicher ist, die Rahmenbedingungen des Arbeitsmarktes ändern sich: Globalisierung, Europäisierung und Technisierung haben zu einer neuen Vielfalt von Beschäftigungsformen geführt. Auch die zunehmende Alterung der Gesellschaft und Gleichstellungsbemühungen haben die Arbeitswelt verändert. Das alte Feindbild des Klassenkampfes „Arbeitgeber gegen Arbeitnehmer“ ist hoffnungslos veraltet.

Es ist gerade die Gleichberechtigung, das Streben nach gemeinsamen Zielen und das kollektive Miteinander, das eine große Anzahl von Agenturen, Architekturbüros, IT-Unternehmen – beispielsweise Google – so erfolgreich gemacht hat – auch der profitabelste Autobauer der Welt, Porsche, pflegt diese Mentalität.

Neuorientierung und Modernisierung

Um konkurrenzfähig zu bleiben, muss man sich den Herausforderungen stellen. Besonders mittelständige Unternehmen brauchen daher zunehmende Flexibilität in ihren strategischen Möglichkeiten, um überleben zu können, und fordern Reformen der Tarif-, Arbeitsmarkt- und Sozialstrukturen. Jetzt werden Stimmen laut, die den Gewerkschaften vorwerfen, nicht adäquat auf diese gegenwärtigen Anforderungen und Veränderungen eines globalen Arbeitsmarktes einzugehen. Sichtbarer Beweis für diese Behauptung: den Gewerkschaften gehen die Mitglieder aus. Neuorientierung und Modernisierung der unzeitgemäßen Organisation und Statuten müssen her.

Wie die Zukunft von Arbeitsorganisation und Gewerkschaften aussehen kann, damit beschäftigt sich eine Gruppe unter der Leitung von Professor Holger Heide an der Universität Bremen. Das Forscherteam brachte in einer Debatte Beschäftigte, Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen und Gewerkschafter zusammen. Ziel der Diskussion: die neuen Ausprägungen und Entwicklungsperspektiven vor dem Hintergrund der neuen flexiblen Arbeitsformen auszumachen.

Die Rolle der großen Gewerkschaften schwindet

Das Fazit der Bremer Forscher: die Rolle der großen Gewerkschaften schwindet, an ihre Stelle treten kleine solidarische Gruppen der sozialen Selbstorganisation. Mit dem Ende des „Fordismus“ – der Begriff bezeichnet ein Wirtschaftssystem, das auf Vollbeschäftigung, Massenproduktion und -konsum fußt – werden auch „fordistisch“ geprägte Gewerkschaften überflüssig.

So regt sich nicht nur auf Unternehmerseite Groll gegen die unzeitgemäßen Strukturen von Gewerkschaften. Viele finden sich durch die bürokratischen Apparate der Gewerkschaften entmündigt und auch die unschöne Schlammschlacht um den Vorsitz der IG-Metall hat das Image nicht gerade verbessert. So beginnt es von neuem: manche Arbeitnehmer beginnen sich abseits der bekannten Verbände selbst zu organisieren.

Ein richtungweisendes Beispiel für diese, die neue Solidarisierungsreform, ist das NCI-Netzwerk bei Siemens. Die Abkürzung NCI steht hierbei für „Network“, „Communication“ und „Initiative“. Gegründet wurde dieses Netzwerk von einer Angestellten, die sich in einer Mail an ihre Kollegen wandte. Sie enthielt eine einzelne Frage: „Wie fühlt ihr euch angesichts der angekündigten Massenentlassungen?“. Die Resonanz auf die einfache Frage war enorm. „Es ist ein Phänomen, mit dem nicht zu rechnen war.“, so Mitarbeiter des Netzwerkes. Schnell hatte das Netzwerk genug Mitglieder, um sich gegen die heimlichen Pläne zum Stellenabbau Siemens geballt zur Wehr zu setzten. Die Ziele des NCI sind individuelle Lösungen für den Arbeitsplatzverlust betroffener Kollegen zu finden, die nicht ganz sauberen Methoden des Stellenabbaus bei Siemens öffentlich zu machen sowie die Auseinandersetzung mit politischen Vorgängen, der Globalisierung und der Umgestaltung des Arbeitsmarkts. „Durch das Netzwerk“, so ein Mitarbeiter, „waren viele erst in der Lage sich über ihre Rechte zu informieren.“ Interne Grabenkrämpfe und Verbandsgemauschel, wie bei den großen Arbeiternehmervereinigungen findet man hier nicht.


 


 

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