Sie sind hier: Startseite Köln-Bonn Bizz Tipps Personal
Weitere Artikel
Forschungsprojekt

Auslaufmodel Gewerkschaft

Keine Lösungen für die Herausforderung der Globalisierung

Auch alte Gewerkschafter erkennen den Niedergang ihrer altgedienten Organisationen. So resümieren die Verdi- Gewerkschafter Bernd Riexinger und Werner Sauerborn in ihrer Broschüre „Gewerkschaften in der Globalisierungsfalle“: „Die Gewerkschaften sind in ihrer derzeitigen Aufstellung an Grenzen geraten, die ihnen einen qualitativen Sprung abverlangen, einen Neubeginn, der in vielerlei Hinsicht Analogien mit der Gründungssituation der Gewerkschaften im 19. und frühen 20. Jahrhundert aufweist.“ – Die meisten Gewerkschaften haben keine zufriedenstellenden Lösungen für die Herausforderung der Globalisierung gefunden – sie lassen sich erpressen wie zuletzt beim Arbeitskampf bei VW, so die Autoren.

Im sozialwissenschaftlichen Diskurs ist es weithin üblich, den Bedeutungsverlust der Gewerkschaften auf die zunehmende „Individualisierung“ in Bewusstsein und Verhalten von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen zurückzuführen. Sehr überzeugend ist diese Erklärung nicht. Erkenntnissen der seriösen Meinungsforschung lässt sich entnehmen: Das „Prinzip Gewerkschaft“ hat nicht an Akzeptanz verloren, aber es hat sich Ungewissheit über die Funktionstüchtigkeit der Gewerkschaften ausgebreitet.

Und so beginnen einzelne Berufgruppen, aus dem Massenverband abzuspringen und kleine schlagkräftige Berufsgewerkschaften zu bilden, wie die Vereinigung Cockpit oder die Ärzte- Gewerkschaft Marburger Bund. Die Individualisierung lohnt, beide Vereinigungen konnten lukrativere Tarifverträge für ihre Mitglieder aushandeln. In den USA macht das Modell der kleinen, schlagkräftigen Interessengruppen bereits Schule – die Zahl der Minigewerkschaften steigt hier rasant an.

Kommentar:
In der Vergangenheit sah man in den Gewerkschaften einen Ausgleich für die Schwäche des einzelnen Arbeitnehmers – erst mit der geballten Verhandlungsmacht seiner „Genossen“ konnte er dem starken Kapitalisten/Unternehmer trotzen. Das Modell des kollektiven Aushandelns von Arbeitsbedingungen, Lohn und Gehalt mit den Machtmitteln von Streik und Aussperrung wurde lange – gemessen an den erreichten Standards der westlichen Wirtschaftsnationen, wohl zu Recht – als Erfolgsmodell gesehen. Doch spielte sich dieser „Kampf“ zwischen Arbeit und Kapital in nationalen Volkswirtschaften ab – mit dazu gehörigen nationalstaatlichen Rechtsordnungen. In einer zunehmend globalisierten Wirtschaft werden sich die Gewerkschaften nicht nur mit neu auftretenden sozialen Konflikten und Bewegungen befassen müssen – ihre Verhandlungsmacht wird in Zukunft wohl eher von vernetzter Schlagkraft kleinerer Interessens- Zusammenschlüsse abhängen, als von einer vereinsmeierischen Organisation großer Arbeiterkollektive.

Mehr aktuelle News im Mindsharing Blog.

(Björn Theis)


 


 

Gewerkschaft
Auslaufmodel Gewerkschaft
Rahmenbedingungen des Arbeitsmarktes
Arbeitgeber gegen Arbeit

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Gewerkschaft" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: