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Effektiver Sanierer - Fiat-Chef Sergio Marchionne will neue Auto-Allianz mit Chrysler und Opel

(ddp-nrw). Bis vor kurzem nur Insidern bekannt, hat sich Fiat-Chef Sergio Marchionne innerhalb weniger Wochen einen Namen als Architekt eines neuen weltumspannenden Auto-Imperiums gemacht. In Deutschland trifft der 56-Jährige allerdings derzeit nicht auf viel Sympathie, wird er doch vielfach als Totengräber von Opel charakterisiert, der nur auf Staatsbürgschaften aus sei. Politiker und Arbeitnehmervertreter argwöhnen, dass der hochverschuldete italienische Konzern nicht alle Standorte und Arbeitsplätze in Deutschland garantieren werde.

Nach der Sanierung des italienischen Konzerns und dem Einstieg bei Chrysler will Marchionne nun mit der europäischen Tochter von General Motors (GM), zu der auch Opel gehört, eine Automobil-Gruppe mit Jahresumsätzen von fast 80 Milliarden Euro formen. Dafür versicherte ihm der Fiat- Aufsichtsrat am Sonntag seine Unterstützung. Der insolvente Chrysler-Konzern erhält im Zuge des Fiat-Einstiegs weitere Milliardenhilfen vom US-Staat, Entlassungen und Werksschließungen solle es während des Insolvenzverfahrens nicht geben.

Seit seinem Einstieg bei Fiat 2003 brachte der studierte Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer den maroden Konzern in Rekordtempo wieder in die Spur. Zuvor hatte er mit der Sanierung des Schweizer Konzerns SGS, dem weltweit führenden Warenprüfer und -zertifizierer für den internationalen Handel, die Aufmerksamkeit der Fiat-Dynastie Agnelli geweckt.

Der in Chieti bei Pescara in den Abruzzen geborene Marchionne wanderte im Alter von 14 Jahren mit seinen Eltern von Italien nach Kanada aus. Er studierte zunächst Philosophie und Ökonomie. Dazu kam später Jura, und in den 1980er Jahren erwarb er Zulassungen als Wirtschafts- und Steuerprüfer sowie als Rechtsanwalt.

Erste Erfahrungen mit Unternehmensfusionen sammelte er Ende der 1990er Jahre als Chef eines Herstellers von Aluminiumverpackungen. Bei Fiat brach Marchionne mit seinem unorthodoxen Auftreten - auf Bildern sieht man ihn fast immer im Pullover - rasch mit vielen eingefahrenen Gewohnheiten. Er schaffte rasch mehrere Hierarchieebenen ab und übertrug Verantwortung an junge Führungskräfte.

Auf Konzernebene erreichte Marchionne es bis 2005, dass GM auf die im Jahr 2000 vereinbarte Option verzichtete, den Anteil an Fiat-Auto von 20 auf 100 Prozent aufzustocken, und ausstieg. Auch die beiden Gemeinschaftsfirmen mit GM wurden aufgelöst. Im Gegenzug erhielt Fiat von GM 1,55 Milliarden Euro. Ebenfalls 2005 brachte Fiat die acht Gläubigerbanken dazu, die 2002 gewährte Wandelanleihe von drei Milliarden Euro gewissermaßen als Kapital in den Konzern einzubringen. Bis Ende 2008 stellte sich der Konzern nach einigen Zwischenschritten mit fünf Arbeitsbereichen auf, darunter die Sparte Automobili mit sämtlichen Marken als operativ selbstständigen Töchtern.

Bei Fiat Auto setzte Marchionne die schon eingeleitete Erneuerung der Modellpalette fort, verschärfte die Ansprüche an eine rationelle Entwicklung und Fertigung sowie an ein charakteristisches Design und ließ bis 2008 fast zehn Milliarden Euro investieren. Gleichzeitig ging er Kooperationen mit anderen Herstellern ein. Mit diesem Kurs gelang es Marchionne, Fiat Auto überraschend schnell zu sanieren, ohne ein Inlandswerk schließen zu müssen. 2006 erzielte Fiat Auto erstmals seit Jahren wieder einen Jahresgewinn. 2008 verdiente der Konzern mit weltweit 185 000 Mitarbeitern unter dem Strich 1,7 Milliarden Euro nach 2,1 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Marchionne ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die Familie lebt am Genfer See bei Montreux.

Von Michael Wojtek

(ddp)


 


 

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