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Unternehmenssteuerreform

Die tatsächliche Besteuerung der GmbH nach der Unternehmenssteuerreform 2008

I. Einleitung – Optik des Gesetzgebers Die Unternehmenssteuerreform 2008 ändert die Besteuerung u.a. der GmbH in umfangreicher Weise. Diese Änderungen führen dazu, dass die tatsächliche Steuerbelastung bei einer GmbH häufig von dem Leitbild des Gesetzgebers (29,83% Gesamtsteuerbelastung) abweichen wird. Dies soll im Folgenden gezeigt werden.

II. Abkürzungen

Zur Verschlankung des Textes werden hier folgende Abkürzungen verwandt:

GewSt = Gewerbesteuer ,
GewStG = Gewerbesteuergesetz,
KSt = Körperschaftsteuer,
SolZ = Solidaritätszuschlag .

III. Das Modell des Gesetzgebers

Der Gesetzgeber rechnet bei der GmbH mit einer modellhaften Gesamtsteuerbelastung in Höhe von 29,83%. Diese Gesamtbelastung aus KSt, GewSt und SolZ berechnet er auf der Grundlage eines GewSt-Hebesatzes in Höhe von 400%:

III. Bewertung des gesetzgeberischen Modells

Diese modellhafte Berechnung (29,83%) ist schon auf den ersten Blick stark vereinfachend:

  • Sie berücksichtigt nicht die Hinzurechnungen (wie z.B. Zinsen, Mieten) nach den neuen gewerbesteuerlichen Regelungen, obwohl diese Regelungen erheblich modifiziert und erweitert worden sind (§ 8 GewStG).
  • Der Gesetzgeber geht von einer GewSt-Messzahl in Höhe von nur 400% aus. In der Realität liegt die GewSt-Messzahl vielfach deutlich höher (siehe unten).
  • Die konkreten Wirkungen der Zinsschranke gemäß § 4h EStG (Begrenzung von Zinsaufwand als Betriebsausgaben) werden nicht berücksichtigt.
Beispielhaft wird in der folgenden Übersicht der Hebesatz für die Gewerbesteuer variiert.

Bereits der unterschiedliche Hebesatz zeigt: Eine individuelle Betrachtung des konkreten Unternehmens ist notwendig. Um eine realistische Einschätzung der steuerlichen Belastung zu ermöglichen, müssen folgende Reformfaktoren berücksichtigt werden:

1. Unternehmensebene (Kapitalgesellschaft)

  • Senkung des KSt-Satzes von 25% auf 15% (plus SolZ);
  • Senkung der GewSt-Messzahl von 5% auf 3,5%;
  • Wegfall des Betriebsausgabenabzugs der GewSt im Rahmen der KSt und GewSt;
  • Ersatz des § 8a KStG durch eine Zinsschranke in Höhe von 30% des EBITDA mit einer Freigrenze von 1 Million Euro und einer Escape-Klausel;
  • Abschaffung der degressiven Abschreibung ;
  • Ersatz der 50%igen Hinzurechnung von Dauerschuldzinsen durch eine 25%ige Hinzurechnung aller Zinsen sowie Finanzierungsanteile von Mieten, Pachten, Leasingraten bei der GewSt mit einem Freibetrag von 100.000 Euro;
Im einzelnen bedeutet dies:
  • Als Betriebsausgabe abgezogene Renten und Lasten unterliegen der 25%igen Hinzurechnung. Renten aus Pensionszusagen werden nicht erfasst.
  • Gewinnanteile stiller Gesellschafter sind zu 25% hinzuzurechnen.
  • Für Miet- und Pachtzinsen inkl. Leasingraten für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens beträgt die Bemessungsgrundlage 20%. Von diesem Betrag werden 25% hinzugerechnet. Die effektive Hinzurechnung liegt somit bei 5%.
  • Für Miet- und Pachtzinsen und Leasingraten für unbewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens gilt eine Bemessungsgrundlage von 65%. Von diesem Betrag werden 25% hinzugerechnet. Die effektive Hinzurechnung beträgt somit 18,75%.
  • Für Lizenzen und Konzessionen beträgt die Bemessungsgrundlage 25%. Von diesem Betrag müssen 25% hinzugerechnet werden. Dies bedeutet eine effektive Hinzurechnung von 6,25%.
  • Eine Hinzurechnung erfolgt nur, soweit die Summe der hinzurechnungspflichtigen Beträge den Freibetrag von 100.000 Euro übersteigen.
  • Bei den Kürzungsvorschriften des § 9 GewStG wurde die Regelung gestrichen, nach der Miet- und Pachterträge zu kürzen waren, soweit sie beim Mieter/Pächter hinzugerechnet wurden.
2. Gesamtebene (Kapitalgesellschaft und Anteilseigner)
  • Das Halbeinkünfteverfahrens für Dividenden wird Ende 2008 abgeschafft.
  • Ab 2009 gilt das Teileinkünfteverfahren bei Anteilen im Betriebsvermögen (d.h. 60% der Einnahmen wie z.B. aus Dividenden gelten als Einkünfte, aber auch nur 60% der Betriebsausgaben sind abziehbar).
  • Ausschüttungen an Privatpersonen, für die bisher das Halbeinkünfteverfahren galt, werden ab 2009 mit einer Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge im Privatvermögen (Zinsen, Dividenden, Veräußerungsgewinne) in Höhe von 25% plus SolZ von 5,5% belastet (insgesamt 26,375 %, Abweichung bei Kirchensteuer-Pflicht).
  • Es ist eine Günstigerprüfung bei der Abgeltungssteuer zu empfehlen, falls der persönliche Einkommensteuersatz geringer als 25% ist. Dann kann dieser beantragt werden.
  • Ausschüttungen an Kapitalgesellschaften sind weiterhin zu 95% steuerfrei (§ 8b KStG).
IV. Zusammenfassung

Die effektive Steuerbelastung des konkreten Unternehmens kann erheblich von dem Referenzmodell des Gesetzgebers (Gesamtsteuer 29,83%) abweichen. Die Gegenfinanzierungsmaßnahmen zur Absenkung des KSt-Satzes auf 15% können bei jedem Unternehmen in jeder Periode zu abweichenden Wirkungen kommen.

Nur eine individuelle Analyse des Unternehmens kann daher eine realistische Einschätzung von der tatsächlichen Steuerbelastung geben. Hierbei ist auch zu berücksichtigen, dass sich die Steuerbelastung von Jahr zu Jahr ändern kann, weil das Zusammenspiel von Zinsschranke gemäß § 4h EStG n.F. und der Neuregelung der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung zu beachten ist.

Der Jahresüberschuss der jeweiligen Periode, der Hebesatz der jeweiligen Gemeinde, die konkrete Finanzierungssituation des Unternehmens und die Höhe des AfA-Volumens spielen eine wichtige Rolle für die effektive Steuerbelastung. Ein Unternehmen mit eher hohem AfA-Volumen, überwiegend langfristigem Fremdkapital und einer hohen Eigenkapitalrendite profitiert tendenziell von der Reform.

Insbesondere sind die konkreten Auswirkungen der GewSt-Neuregelungen zu beachten:

  • Je höher der Hebesatz liegt, desto mehr Gewicht erlangt die GewSt.
  • Die Reform verbreitert die Bemessungsgrundlage der GewSt. Die neuen gewerbesteuerlichen Hinzurechnungsregeln führen insbesondere bei einer Finanzierungsstruktur mit kurzfristigem Fremdkapital zu einer höheren Belastung.
  • Die Erweiterung der Hinzurechnungsregeln in § 8 GewStG verstärkt den Effekt der Substanzbesteuerung. So ist die Steuerquote tendenziell eher höher, wenn der Gewinn eines Unternehmens eher geringer ist und das Unternehmen zur Überwindung eines Liquiditätsengpasses einen kurzfristigen Kredit aufnehmen muss.
  • Die Zinsschranke wird für eine Vielzahl von Unternehmen wegen der Ausnahmeregelung in § 4h Abs. 2 EStG nicht eingreifen. In den Fällen, in denen Sie anwendbar ist, kann sie bei geringen Jahresüberschüssen zu Steuerquoten führen, die teilweise den gesamten Gewinn aufzehren.

(Dirk Beyer)


 


 

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