Weitere Artikel
Interview

BIFOA zum Nutzen von Theorie und Praxis! Interview mit Dr. Richard C. Geibel

Was vor Jahren einmal State of the Art war, kann neueren wissenschaftlichen Trends oft nicht mehr standhalten. Der Verein zur Förderung der Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln – BIFOA – hat die Zeichen der Zeit erkannt. Seitdem wächst die Zahl der Mitglieder wieder, Tendenz steigend. Dr. Richard C. Geibel, seit drei Jahren Präsident des BIFOA, begründet den neuerlichen Aufschwung: “Wir geben etwas zurück - zum Nutzen von Theorie und Praxis.”

Als 1963 das BIFOA – Betriebswirtschaftliches Institut für Organisation und Automation – vom damaligen Guru der Organisationslehre, Professor Erwin Grochla, an der Universität zu Köln gegründet wurde, galten Kölner BWL-Absolventen als die Besten in Deutschland. Zum guten Ruf hat das BIFOA entscheidend beigetragen. Schon damals sah sich das Institut als „Zentrum für den Gedanken- und Erfahrungsaustausch zwischen Universität und Unternehmenspraxis“. Die Devise lautete Förderung zum gegenseitigen Nutzen.

Gemeinsam mit Ko-Direktor Professor Norbert Szyperski, ein renommierter Wissenschaftler und Moderator der Wirtschaft auf dem Gebiet der Wirtschaftsinformatik, wurden vom BIFOA über Jahrzehnte hinweg wichtige Standards für die Entwicklung informationstechnischer Anwendungssysteme gesetzt. In den Neunzigern wurde die offizielle Förderung der BWL-Projekte erheblich eingeschränkt und damit verlor auch das BIFOA an Durchschlagskraft. Das soll wieder mit Hilfe der Wirtschaft anders werden, vor allem auch, weil die Forschung an der Wiso-Fakultät einen guten Ruf zu verteidigen hat. Für Präsident Dr. Richard C. Geibel, 45, Geschäftsführer der Concent Group, ein Unternehmen des KarstadtQuelle Konzerns, ist es ein ehrenamtliches Engagement, das er mit viel Leidenschaft wahrnimmt.

business-on.de: Herr Dr. Geibel, der Verein des BIFOA wurde in den letzten Jahren neu ausgerichtet. Auf der Homepage von bifoa.de wird von „Revitalisierung“ gesprochen. Was hat sich mit Ihrer Unterstützung als Präsident vom BIFOA verändert?

Richard Geibel: Auf den ersten Blick hat sich etwas am Namen geändert. Die Thematik „Organisation und Automation“ war zu eng gefaßt und nicht mehr zeitgerecht, weswegen wir heute vom „Verein zur Förderung der Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln“ sprechen, mit BIFOA als traditionellem Markenzeichen. Auch unser Selbstverständnis hat sich geändert. Wir verstehen uns als Dienstleister und Vermittler zwischen Theorie und Praxis. Unser Programm steht inzwischen auf einer breiteren Basis, vor allem mit Bezug auf aktuelle betriebswirtschaftliche Entwicklungen. Von den Forschungsschwerpunkten werden wir uns beispielsweise stärker der Unternehmensentwicklung als permanentem Prozess zur Erhaltung bzw. Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit zuwenden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die strategische Ausrichtung von Unternehmen unter dem Aspekt der Globalisierung . Insgesamt wird unser Angebot auf eine Kombination von BWL, VWL und Wirtschaftsinformatik ausgerichtet sein.

business-on.de: Die ersten Erfolge der Neuausrichtung zeichnen sich erfreulicherweise ab. Sie erwähnten, dass die Zahl der Mitglieder auf über 70 angestiegen ist und hoffen, dass dieser Aufwärtstrend in den nächsten Jahren anhält. Sind Hochschulen mehr denn je auf die Unterstützung der Wirtschaft angewiesen?

Richard Geibel: Ganz eindeutig. In NRW ist beispielsweise vor kurzem das Hochschulfreiheitsgesetz in Kraft getreten, d.h., die Uni Köln ist nunmehr eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit eigener Verantwortung bei Finanz-, Personal- und Organisationsentscheidungen. Die Neuregelung fällt in eine Zeit, in der der Wettbewerb unter den Hochschulen generell härter geworden ist, auch oder gerade wegen der Exzellenzinitiative der Bundesregierung. Mithalten kann nur die Uni, die die besten Professoren unter Vertrag hat.Vergleichbar mit dem Fußball, wo die begehrten Spieler mit attraktivem Salär abgeworben werden, sind auch Elite-Professoren nur über den Anreiz einer attraktiven Forschungsumgebung und lukrativen Gehaltsstrukturen zu gewinnen.

Die neue Personalhoheit der Uni bietet zwar Entscheidungs-Spielräume, Grenzen sind aber durch knappe Budgets gesetzt. Mit der Einführung von Studiengebühren werden die Studenten zu Kunden, d.h. auch hier entsteht ein Wettbewerb um die besten Studenten. Diese neuen Herausforderungen sind nur durch Einbindung der privaten Wirtschaft zu stemmen. Wir sehen deshalb unsere Aufgabe darin, die Unternehmen enger an unsere Hochschule zu binden und das zum gegenseitigen Nutzen. Köln hat übrigens die bundesweit größte Universität, mit den meisten BWLern und Geisteswissenschaftlern.

business-on.de: Neben der persönlichen Mitgliedschaft bietet BIFOA die Firmen-Mitgliedschaft an. In unserer Region sind bereits Unternehmen wie Deutsche Post AG, Gothaer Krankenversicherung AG, Kölner Rückversicherung AG, SQS AG, Comma Soft AG, IHK Köln und die Sparkasse Köln/Bonnals als Förderer aktiv. Was bietet BIFOA den Mitgliedern?

Richard Geibel: Mit den Jahres-Beiträgen – 1.500 € für Firmenmitglieder und 100 € für Privatpersonen - finanzieren wir die Organisation und Durchführung von Projekten, Arbeitskreisen und Veranstaltungen. Hinzu kommen Gelder aus dem „Erwin-Grochla-Fonds“, er konnte im letzten Jahr auf immerhin 260.000 € aufgestockt werden. Und welchen Nutzen haben unsere Mitglieder davon? Wir bieten Ihnen einerseits ein thematisch anspruchsvolles Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen und Diskussionsrunden. Im Januar stand beispielsweise das Thema „ Outsourcing und Offshoring“ auf der Tagesordnung. Im abgelaufenen Jahr waren es u.a. Wissensmanagement, E-Learning und Networking . Außerdem laden wir zur Teilnahme an unseren Arbeitskreisen ein.

business-on.de: Welche Themen werden in den Arbeitskreisen behandelt?

Richard Geibel: Neu initiiert haben wir gerade das Thema „Management von Innovationen in Wirtschaft und Wissenschaft“. Im vorigen Jahr haben wir u.a. einen Arbeitskreis „Elektronische Gesundheitskarte“ unter Nutzenaspekten gestartet. Die Gesundheitskarte ist das größte IT-Projekt in Deutschland, wenn man sich die Dimensionen vor Augen hält. Immerhin geht es um das Handling von 80 Millionen Karten und 700 Millionen Rezepten pa, mögliche Notfalldaten wie Blutgruppe, Medikamente, Allergien oder Unverträglichkeiten noch gar nicht mitgerechnet. Absehbar ist, dass das Projekt vergleichbar mit Toll Collect verlaufen wird, das sich auch erst nach erheblichen Anlaufschwierigkeiten zum nachhaltigen Erfolg entwickelt hat. Alle unsere Aktivitäten, ob Veranstaltungen, Arbeitskreise oder Projekte, werden regelmäßig protokolliert bzw. in Ergebnisberichten zusammengefaßt und unseren Mitgliedern beispielsweise in den BIFOA News zur Verfügung gestellt.

business-on.de: Im vorigen Jahr wurden Projekte wie „Erfolgreiches Management von Projektnetzwerken“ oder „Unternehmensplanspiel für das Management von Software-Unternehmen“ von BIFOA gefördert. Wer initiiert bzw. wer entscheidet, welches Thema unterstützt werden kann?

Richard Geibel: Vorschläge werden von Mitgliedern oder von Assistenten und Studenten der Uni Köln an unser wissenschaftliches Kuratorium herangetragen. Nach postiver Bewertung entscheidet das Präsidium über die Mittelvergabe. Das Präsidium wird alle drei Jahre von der Mitgliederversammlung gewählt. Aktuell sind dies Professor Norbert Szyperski, das ehemalige Vorstandsmitglied im Gerling Konzern Hermann Josef Hoss, Dr. Henning Kreisel von Schmidt + Clemens, der Vorstandsvorsitzende der Gothaer Krankenversicherung Dr. Herbert Schmitz, und meine Wenigkeit.

business-on.de: BIFOA beteiligt sich in diesem Jahr auch an den Vorbereitungen zum 11. World Business Dialog am 28./29. März 2007. Worum handelt es sich bei dieser Veranstaltung und welcher Art ist Ihre Unterstützung?

Richard Geibel: Es handelt sich um den weltweit größten von Studenten organisierten Wirtschaftskongress, der zum 11. Mal an der Uni Köln stattfindet. Für den diesjährigen Kongress hat die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel die Schirmherrschaft übernommen. Das Thema lautet „Population Dynamics“. Wie in den Jahren zuvor, konnten wieder international renommierte Referenten – 60 an der Zahl - gewonnen werden. Unser Förderverein kann speziell mit Kontakten und unserem weitläufigen Netzwerk helfen.

business-on.de: Herr Dr. Geibel, Sie waren kürzlich in Shanghai. Planen Sie, das BIFOA-Netzwerk in Richtung China auszubauen?

Richard Geibel: Ja, die Uni Köln ist im Rahmen des Schwerpunkt-Programms, das der nordrhein-westfälische Innovations-Minister Andreas Pinkwart initiiert hat, für Uni-Partnerschaften mit China zuständig. Die Reise nach China hatte informativen Charakter, u.a. besuchte ich die Fudan-Universität, eine der führenden chinesischen Bildungsschmieden, und die China Europe International Business School, kurz CEIBS, die anerkannterweise mit 40 Professoren und einem deutschen Dekan sehr erfolgreich ist. Wir streben einen Approach zwischen Köln und Shanghai in Kombination mit unserer Uni und ihr nahestehenden Unternehmen an. Für den September planen wir eine Reise mit einer Delegation aus Vertretern der Uni und interessierten Firmen nach Shanghai.

business-on.de: Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und bedanken uns für das Gespräch.

(Karin Bäck)


 


 

bifoa
uni köln
Dr. Richard C. Geibel

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "bifoa" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: