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Die Computerspiel-Entwickler von Blue Byte setzen auf neue Trends

(dapd-nrw). Einen Flipperautomaten, gemütliche Couchgarnituren und ein firmeneigenes Basketballfeld sucht man in der Firmenzentrale von Blue Byte Deutschland vergeblich. Dafür gibt es Hunderte Hochleistungs-Computer, lange Gänge mit unzähligen Büros und einige schnörkellose Konferenzräume.

Das Klischee vom kreativen und leicht durchgedrehten Arbeitsumfeld, wie man es aus zahlreichen Berichten aus den USA, dem Mutterland aller Computerspiele, kennt, bedient die Firmenzentrale eines der größten Computerspiele-Entwickler Deutschlands nicht. Und das ist durchaus so gewollt.

«Wir sind immer noch eine kreative und manchmal abgedrehte Branche, aber wir legen inzwischen auch großen Wert auf Seriosität», sagt Senior Producer Benedikt Grindel, der bei Blue Byte für «Die Siedler» verantwortlich ist. «Es gibt ein paar Mythen über die Spieleentwickler, die wir hinter uns gelassen haben. Bei uns nimmt jeder seinen Urlaub, und rund um die Uhr arbeitende Freaks, die nur Pizza essen, sind ein Bild der Vergangenheit.»

Einer dieser «Normalos» ist Andreas Suika, 35 Jahre alt, Senior Game Designer und seit elf Jahren bei Blue Byte beschäftigt. In der Szene eine kleine Ewigkeit. Sein Job führt ihn täglich durch die Gänge der Zentrale in Düsseldorf, wo viel Spielzeug auf den Tischen steht. «In der Rolle eines Lead Game Designers bin ich für den Inhalt der Spiele verantwortlich», erläutert er und fügt hinzu: «Manchmal schreibe ich die Regeln für das Spiel, ich bespreche mit Grafikern und Programmieren die Umsetzung der Ideen, bespreche mit anderen Game Designern ihre Entwürfe für einzelne Elemente der Spiele.»

Aktuell arbeitet Suika an einem Novum bei Blue Byte. Während sich die Firma bislang vor allem auf klassische Aufbau- und Handelsspiele konzentriert hat, soll im März ein Fitnessspiel für PlayStation 3 und Nintendo Wii erscheinen. «Mein Fitness Coach - Club» heißt es und soll für mehr Bewegung im heimischen Wohnzimmer sorgen.

Der Markt boomt

Damit liege Blue Byte mit seinen 80 festangestellten Mitarbeiter absolut im Trend, sagt Andreas Leisdon vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU). «Neben den Fitnessspielen gibt es derzeit aber auch noch einen weiteren, boomenden Bereich, in dem Deutschland das erste Mal seit Jahren wieder Maßstäbe setzt.» Gemeint sind die sogenannten Browsergames, Spiele also, die komplett im Internet gespielt werden.

Etwa 1.000 Stellen sind in der Branche derzeit noch offen. Denn der Markt für Computerspiele boomt: «Etwa 25 bis 30 Millionen Menschen in Deutschland spielen mindestens einmal im Monat», schätzt Leisdon. «Sie haben dadurch allein 2009 einen Umsatz von insgesamt 1,8 Milliarden Euro geschaffen.» Und dabei geht es nur um die Software. «Umsatztechnisch haben wir die Musikindustrie und die Kinokassen längst überholt.»

Kein fester Tagesablauf

Suika ist eher zufällig in diese Branche gerutscht. «Ich habe eigentlich Maschinenbau studiert und in den Semesterferien nebenbei bei Blue Byte als Spieletester gejobbt.» Dann plötzlich wurde jemand für das Skripten der neuen Spiele gesucht. Beim Skripten werden, laienhaft ausgedrückt, Spielabläufe festgelegt und Wenn-Dann-Bedingungen aufgestellt. Suika zögerte nicht lange. Auch wenn er zugibt: «Ehrlich gesagt konnte ich das nur sehr rudimentär.» Doch zwei durchgearbeitete Nächte später war er im Geschäft.

«Klar war das immer ein Wunsch von mir. Aber das ist so wie in der Filmwelt ? da möchte man vielleicht hin, aber planen kann man es nicht.» Glücklich ist er jetzt mit seinem Traumjob, bei dem es keinen festen Tagesablauf gibt. «Das ist ja gerade das Coole. Gleich fahre ich für Traileraufnahmen nach Leipzig, an anderen Tagen spiele ich viel, um die Fortschritte zu testen oder rechne aus, wie viele Bäume der Holzfäller im Spiel schlagen muss, damit ein Haus gebaut werden kann.» Einen großen Nachteil habe sein Job aber auch: «Es fällt schwer, bestimmte Spiele einfach nur zu genießen, ohne sie ständig zu analysieren und zu überlegen, was man anders machen würde.»

(dapd )


 


 

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